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Laurent Ponsot: der wütende Jäger

Clément und Laurent Ponsot.
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Winzer Laurent Ponsot aus dem Burgund brachte den frechsten Weinfälscher zu Fall, der je erwischt wurde. Der Captain probierte seine Weine.
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Heute stellt der Captain dir Abendwein vor, der von einer Winzer-Persönlichkeit kommt, die es über die Weinblase hinaus zu internationaler Berühmtheit gebracht hat: Laurent Ponsot.

Von wem kann man das noch sagen?

Philippe de Rothschild und Robert Mondavi vielleicht. Aber die sind lange tot.

Halt! Da ist einer, der noch lebt: Francis Ford Coppola, das Regie-Genie.

Dass dieser Mann einer der erfolgreichsten Winzer der Welt ist, haben viele gar nicht auf dem Schirm.

Aber was machte Laurent Ponsot bekannt?

Das muss geklär werden, bevor ich zu meinem grandiosen (und leider nicht billigen) Abendwein komme.

Laurent Ponsot baute ein erfolgreiches Reisebüro in Paris auf, bevor er 1981 auf das Familienweingut zurückkehrte, um mit seinem Vater zusammenzuarbeiten. So weit – so langweilig.

ABER: Die Weine der Domaine Ponsot standen im Mittelpunkt des spektakulärsten Fälscherskandals, den die Weinwelt je sah.

Fachleute gehen davon aus, dass das Ausmaß der internationalen Weinfälscherei gigantisch ist. Dieser eine Fall flog nur durch eine Ungeschicklichkeit des Täters auf. Meistens bleiben die Weinbetrüger unbehelligt. Das hat mehrere Gründe:

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  1. Teure Sammlerweine werden selten aufgemacht.
  2. Die reichen Opfer von Weinbetrügern sind meistens zu eitel, um zuzugeben, dass sie auf einen Schwindler reinfielen. Man könnte ja ihren Ruf als Kenner infrage stellen…
  3. Die Hauptprofiteure des Premiumweinhandels sind große Auktionshäuser. Sie haben nicht das geringste Interesse an einem Skandal und beseitigen Zweifel an der Echtheit einer Flasche meistens diskret im Hinterzimmer.

2011 bot der gefeierte Weinsammler und Superverkoster Rudy Kurniawan mehrere Jahrgänge der Domaine Ponsot im New Yorker Auktionshaus Acker, Merrall & Condit zur Versteigerung an.

Darunter Clos St. Denis von 1945, 1949, 1959, 1962, 1964, 1966, 1971 und 1978 sowie Clos de la Roche von 1929.

Da das Weingut jedoch vor 1934 keine Flaschen abfüllte und erst 1982 mit der Herstellung von Wein aus Clos St. Denis begann, stellte Laurent Ponsot fest, dass es sich bei diesen Flaschen um Fälschungen handelte und bemerkte außerdem Unstimmigkeiten bei Etiketten und Verschlüssen.

Er setzte sich mit dem Auktionshaus in Verbindung und flog nach New York. Dort war man zunächst entsetzt und wiegelte ab. Aber Ponsot hat einen aufbrausenden Charakter und das Auktionshaus musste die Weine zurückziehen. Aus dem Winzer Ponsot wurde ein Jäger. Ein ziemlich wütender.

Dann begann Ponsot, dem FBI auf die Nerven zu gehen. Die hatten zunächst auch keine Lust auf den Fall und betrachteten ihn als Angelegenheit unter reichen Spinnern.

Doch Ponsot machte Krawall bei der Presse und so setzten sich die Ermittler in Bewegung.

Bei einer Razzia in Kurniawans Haus finden sie, was sie suchten. In einem Nebenraum der Küche stapelten sich 18.000 ausgedruckte Etiketten von Cheval Blanc, Mouton-Rothschild, Latour, La Mission Haut-Brion, Le Pin und sogar Screaming Eagle aus Kalifornien.

Von der Domaine de la Romanée-Conti lagen verschiedene Jahrgänge des 20. Jahrhunderts bereit, von Château Pétrus Etiketten mit den Jahreszahlen 1945, 1947, 1950, 1959 und 1961.

Jeder Jahrgang, jedes Château ist eine Legende.

Im Waschbecken unter dem mit Folie blickdicht verklebten Küchenfenster schwappte noch eine braune Flüssigkeit wie Tee, in der Rudy die Etiketten künstlich alterte.

Gebrauchte Flaschen hatte er reichlich, dazu Korken, Handstempel mit Jahrgangszahlen, Staniolkapseln, Zangen, Trichter, was man so braucht.

Gerätschaften, mit denen man Korken unverletzt ziehen und auch wieder in den Flaschenhals stecken kann, waren einsatzbereit.

Ponsot sagte bei Kurniawans Prozess 2013 aus. Die ganze Geschichte kannst du beim Captain lesen (siehe Verlinkung ganz unten) und/ oder die fantastische ARTE-Dokumentation „Etikettenschwindel – Der große Weinskandal“ angucken. Die dauert allerdings über zwei Stunden.

2017 machte Laurent Ponsot ein weiteres Mal von sich reden.

Der Winzer in vierter Generation verließ unerwartet den Familienbetrieb und sagte: „Ich gründe mit meinem ältesten Sohn Clément ein neues Weingut“.

Bis heute weiß man nicht, was vorgefallen war. Ponsots Schwester Stéphanie ist seitdem Chefin der Domaine Ponsot.

Der Name des neuen Unternehmens, das als Nègociant eingetragen wurde, lautet einfach Laurent Ponsot.

Fast alle großen Weinproduzenten im Burgund sind Nègociants, die eigene Weintrauben, aber auch die von Lieferanten verarbeiten und mit Weinen handeln. Aus steuerlichen Gründen hat es viele Vorteile Nègociant zu sein.

Von diesem Betrieb kommt mein Abendwein Beaune 1er Cru Cuvée de Noyer von Laurent Ponsot, ein feiner Mix aus den Säften 8 verschiedener 1er-Cru Lagen der Anbauregion Côte de Beaune.

Die Côte de Beaune ist berühmt für einige der teuersten Weißweine der Welt, von denen viele den Namen Montrachet tragen. Aber auch die Roten von hier sind begehrt. Wie im Großteil des Burgunds werden die Weißweine aus Chardonnay und die Rotweine aus Pinot Noir hergestellt.

Das Hauptgebiet der Côte de Beaune ist ein schmaler Streifen von weniger als 5 Kilometer Breite, der sich über 25 Kilometer in nordöstlicher Richtung erstreckt. Es hat fast genau die gleiche Größe und Form wie sein nördliches Pendant, die Côte de Nuits. Beide zusammen bilden die größere Côte d’Or.

Ponsot nennt seine Getränke „Haute Couture-Weine“ und genauso sehen sie aus.

Burgund: Laurent Ponsots teure Mode-Weine

Die Weinetiketten wirken ungewöhnlich trendy und leuchten im Dunkeln. Der Flaschenverschluss ist aus Hartplastik. Von einem Spitzenwinzer wie Ponsot ist das ein starkes Signal gegen den Kork-Kult!

Die ganze Aufmachung ähnelt eher der eines edlen Parfums und damit liegt Ponsot sehr im Trend.

Denn der Markt der Luxusweine gleicht immer mehr dem fashion business. Es geht um die Vermarktung globaler brands. Önologische Details treten in den Hintergrund und sind nur was für nerds wie dem Captain.

Das ist ihm aber egal, solange diese Weine auf der Zunge zergehen wie dieser 1er Cru, dessenTrauben von unterschiedlichen Lieferanten aus 8 (!) verschiedenen 1er-Cru-Lagen kommen. Im Glas dunkles Karminrot, durchscheinend. In der Nase zartwürzig und feinfruchtig nach frisch gepflückter und angequetschter Kirsche, ein Hauch Kardamon, angeröstete Kürbiskerne, Bratengelee, rote Beeren, Granatapfelsaft. Ich schmecke viel Schattenmorelle, Blutorangensaft, etwas Edel-Kakaopulver, Sellerieknolle. Am Gaumen elegante Leichtigkeit (13% Vol. Alkohol), mittlere Säure, superbrave Tannine, etwas Wacholderbeere und viel Länge im Abgang. Alles andere als billig, aber für diese Herkunft und Qualität auch nicht teuer.

Weinwissen: Das Burgund ist komplex. Dennoch ist sein Klassifizierungssystem relativ einfach. Grand Cru ist die hochwertigste Kategorie, darunter liegt Premier Cru.

Ein Cru bezeichnet in Burgund einen hochwertigen Weinberg. Oft sind diese in Parzellen aufgeteilt, die verschiedenen Eigentümern gehören. Diese Klassifizierungen beruhen auf Beobachtungen, die im 12. Jahrhundert von Mönchen an der Côte d’Or gemacht wurden.

Jeder Weinberg in Burgund wird in diese Hierarchie eingeordnet. Die Cru-Hierarchie im Burgund: 1. Grand Cru, 2. Premier Cru, 3. Village, 4. Bourgogne.

Jeder der 33 Grand Crus ist eine eigene Appellation, in deren Grenzen nur Pinot Noir oder Chardonnay angebaut werden darf. Sehr wenige Appellationen lassen beides zu.

Premier-Cru-Weine sind oft preiswerter, weil ihr langfristiges Alterungspotenzial in der Regel geringer ist.

Rudy Kurniawan: der frechste Weinfälscher

 

Datum: 6.1.2022
 

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