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Warum zersägst du die Fässer?

Winzer Elio Altare mit Onkel Toiu (li.).
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Der Captain trinkt Dolcetto aus dem Piemont und ist restlos begeistert. Dennoch stimmt ihn diese Geschichte etwas traurig.

Neulich berichtete ich über den großartigen Dolcetto d’Alba des Barolo-Künstlers und eisernen Traditionalisten Bruno Giacosa und dachte nicht, dass ich schnell einen Wein finden würde, der mich ähnlich begeistert.

Denkste.

Wie es der Zufall wollte, landet heute der Dolcetto d’Alba von Elio Altare in meinem Verkostungsglas.

Was genau Dolcetto ist, erkläre ich hier.

Altare ist so ziemlich genau das Gegenteil von Giacosa. Ebenfalls ein hochgerühmter Barolo-Künstler aber in seinen jungen Jahren ein wagemutiger Rebell gegen das Establishment des italienischen Weins. Altare war einer von jenen, die Ende der 70er-Jahre damit begannen, ihre Weine in kleine französsiche Barriques (225 Liter-Eichenfässer) zu füllen. Das hatte er auf einer ausgedehnten Studienreise ins Burgund gelernt. Für viele Kollegen war das ein unerhörtes Sakrileg!

Ja, hatten die denn sonst keine Sorgen?

Nun, man muss die alteingesessenen Weinmacher von damals sehen wie die Ritter eines uralten Ordens. Mit einer starken Bindung an Traditionen. So stark, dass es selbst eine Familie wie die Altares zerriss.

Der Vater war über seinen „verrückt gewordenen“ Sohn entsetzt. Erst recht, als dieser die großen alten Fässer des Weinguts mit der Motorsäge zerkleinerte, um ein für alle Mal den Weg zurück zu versperren. Der alte Altare enterbte ihn.

Ein Mandeltraum

Das stoppte den Junior aber nicht. Denn nach dem Tod des Vaters 1982 überließen die beiden Altare-Töchter und Erbinnen ihrem Bruder Elio den Besitz. Sie glaubten an ihn.

Das tue ich auch, nachdem ich ins Glas geschnuppert habe.

Ich wittere tiefdunkle Töne voller rassiger Frucht. Schwarzkirsche und Wiesenblume. Und jener betörende Duft nach Süßlichkeit, obwohl man Süße gar nicht riechen kann.

Am Gaumen wieder tolle Frucht, vor allem Pflaume. Schmeichelnd und weich. Also keine Fleischigkeit, sondern Eleganz mit zartem Süß-Säure-Spiel, noblem Tannin und feinen Noten von Lavendel, die sich in den herrlich frischen Abgang ziehen. Ich fühle mich an kalifornischen Pinot Noir erinnert.

Dolcetto ist eigentlich ein klassischer Speisewein. Aber dieser feinfruchtige Leckerbissen ist zum Essen fast zu schade. Oder ein Spitzenkoch muss her. Auf jeden Fall ist das ein Wein, mit dem man sich herrlich entspannt wegträumen kann.

PS: Vater und Sohn haben sich bis zum Tod des Alten nicht mehr versöhnt. Traurig! So etwas sollte man vermeiden.

 


Datum: 4.12.2018 (Update 8.12.2018)