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Soll ich einen Weinladen eröffnen?

Mein Glück in Flaschen: Sascha Rimkus.
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Einen eigenen Weinladen aufmachen, diesen Traum haben viele. Der Captain sprach mit einem Experten, der weiß, wie das geht.
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Der Captain stöbert gerne im Weinsortiment der beiden urgemütlichen und exquisiten Berliner Feinkostläden Goldhahn und Sampson in den Bezirken Prenzlauer Berg und Charlottenburg.

Gründer Sascha Rimkus und sein Partner legten 2006 los. Seither kam eine Menge Erfahrung zusammen. Dem Captain erklärt Sascha, worauf es bei einem Weinladen-Startup ankommt.

Welche Art Weinhändler will ich sein?

Überlege dir ein klares Profil. Willst du einen Weinladen eröffnen, der höchsten Ansprüchen gerecht wird, also mit Klimaschränken, perfekter Beleuchtung, Sortimentstiefe etc. oder einen Kiezladen mit einfachster Ausstattung. Ich habe einen Freund, der einen grob zusammengezimmerten Weinladen in Neukölln betreibt und von Wein nicht die geringste Ahnung hat, aber trotzdem erfolgreich ist, weil seine 25-jährigen Kunden auch keinen Schimmer haben. Er und seine Kundschaft passen einfach perfekt zusammen und deshalb ist der Laden ständig rappelvoll.

Überlege dir, wohin du gehst

Der Standort ist unfassbar wichtig. Und auch die Frage, ob du als Typ dorthin passt. Ich kenne Dutzende Weinhändler, die nicht daran gedacht haben und gescheitert sind. Ob es in der Nähe viele andere Weinläden gibt, ist eigentlich egal.

Das Lager ist wichtig

Achte darauf, dass du ein Weinlager hast, das groß genug und leicht zugänglich ist. Viele unterschätzen dieses Thema. In Altbau-Wohngegenden ist immer wenig Platz, man stößt rasch an seine Grenzen und ist nur noch damit beschäftigt, Kartons hin und her zu schieben. Eine vernünftige Jahrgangstiefe wird unmöglich und es kommt zum Nachschubproblem.

Organisiere dich

Heute haben wir über 10.000 Produkte. Ohne professionelles Warenwirtschaftssystem geht gar nichts. Da werden bei der Listung von einem neue Wein bis zu 50 Felder ausgefüllt. Das war zu Beginn natürlich ganz anders. Trotzdem sorgten wir von der ersten Stunde an für einen guten Überblick. Das liegt natürlich daran, dass mein Partner ein Datenfreak ist. Viele Gründer schwören auf die Warenwirtschaft von Lexware, weil diese einfach zu bedienen und günstig im Preis ist. So lassen sich Bestseller schnell nachbestellen und Ladenhüter leicht identifizieren. Wer seine Buchhaltung selbst machen oder so gut wie möglich vorbereiten möchte, um bei der Steuerberatung zu sparen, ist als Selbstständiger mit dem Programm lexoffice sehr gut beraten. Es vereinfacht die Buchhaltung auf vielerlei Weise, zum Beispiel mit seiner intuitiv bedienbaren Belegerfassung. Diese erkennt selbstständig die Informationen in hochgeladenen Belegen und beschleunigt die Abrechnung immens. Sie kann sogar von einer App aus bedient werden, mit sich von unterwegs Belege abfotografieren und hochladen lassen. Das ist für Weinhändler vorteilhaft, die auf Märkten verkaufen.

Sorge für Entertainment

Veranstaltungen sind ein Publikumsmagnet, damit wirst du bekannt und lockst neue Kunden an. Biete Tastings an, stell die Menschen hinter den Weinetiketten vor. Wir veranstalten Kochkurse mit Winzern, die sind der Hit! Auch stundenlange Weinseminare, die in die Tiefe gehen, sind wichtig. Wenn dein Publikum spürt, dass du begeistert bist und richtig Ahnung hast, fassen sie Vertrauen und bleiben dir ewig treu.

Apropos Vertrauen

Ja, Vertrauen ist das entscheidende Kriterium. Man muss viel reden und Empfehlungen aussprechen, die gefallen. Wenn sich ein Kunde übervorteilt fühlt, kommt er nie wieder. Optimal ist ein Weinfreund, den du in seiner Entwicklung begleiten kannst und ihm dabei hilfst, sich hochzutrinken. Zu mir kommen Kunden mit dem Ausdruck ihres Silvestermenüs für 20 Gäste und sagen: „Sascha, mach mir eine schöne Weinauswahl, Geld ist egal.“ Dieses Vertrauen musste ich mir erarbeiten. Ich verkaufe zum Beispiel viel besser solche Weine von Winzern, zu denen eine persönliche Beziehung besteht, wenn ich mit denen in ihren Weinbergen war und wirklich Bescheid weiß. Dann bin ich Feuer und Flamme und der Kunde spürt das. Ich habe auch nie Weintypen eingelistet, die ich selbst nicht mag. Jeden Wein, den wir führen, würde ich am Abend selbst mit nach Hause nehmen. 8 Jahre lang waren wir Primitivo-freie Zone, obwohl diese Rebsorte ständig verlangt wird. Ich konnte diese banalen Weine einfach nicht leiden. Dann habe ich mir ein Herz gefasst, bin auf die riesige Weinmesse Vinitaly nach Verona gefahren, verkostete 50 Primitivos und habe tatsächlich einen gefunden, den ich inzwischen sogar importiere. Er kommt von der Azienda Racemi in Apulien und ist heute mein bestverkaufter Wein. Dornfelder, Bacchus oder dieses Piwi-Zeug kommen mir trotzdem nicht ins Haus.

Die ersten Schritte

Als wir anfingen, hatten wir keine Ahnung, wie ein Geschäft funktioniert. Aber die Begeisterung und ein gewisses Weinwissen waren da. Wir taten dann das, was wir konnten, bauten die Einrichtung mit der Hilfe von Freunden zusammen und stellten Weine ins Regal, die wir kannten und gut fanden. Der Schwerpunkt lag bei deutschen Rotweinen. Das war 2006 ein ziemliches Wagnis. Wir führten Holger Koch, Claus Schneider, Paul Schumacher, August Kesseler, Ziereisen, die Shelter Winery und Markus Schneider mit seinen internationalen Cuvées, die uns anfangs über Wasser hielten. Die empfahl ich allen, die sonst nur spanische Weine kauften. Wir stellten ein großes Schild auf den Gehsteig vor den Laden und engagierten eine Lady von über 50 Jahren, die um die Ecke wohnte und jeden im Kiez kannte. Das war überhaupt unsere beste Idee. Zu ihr kamen alle, um zu quatschen und lernten so unseren Laden kennen.

Geld

Wir legten 2006 mit 40.000 Euro los und es hat geklappt, weil wir sehr viel selber gemacht haben. Wichtig ist, dass du von Beginn an ein paar Umsatzbringer im Regal stehen hast, zum Beispiel vom Pfälzer Weingut Metzger. Die haben coole Etiketten, ein gutes Image und sind preiswert. Der Grauburgunder von dort ist ein Renner, den mag jeder. Mit solchen ordentlichen Weinen ist man sogar wettbewerbsfähig mit den Supermärkten, wo die Verkäufer keine Ahnung haben. Daneben kann man dann auch abgedrehte Sachen vom Ätna oder einer klitzekleinen Appellation im Burgund anbieten.

 


Datum: 13.2.2018 (Update 5.3.2018)
 

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