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Mein roter Schatzi aus dem Waldorf-Astoria

Hm, noch immer keine SMS.
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Griechenland-Auskenner Ralph Urban trinkt einen Rotwein aus der Mitte des Landes. Und gerät wegen der irren Aromenvielfalt ganz schön ins Schleudern.

Um es vorwegzunehmen: ich bin nicht von gestern. Natürlich weiß ich, dass das berühmte Waldorf Astoria in New York kein Hotel mehr ist, weil es zu einem schicken Apartmenthaus umgebaut wird. Die Chinesen schon wieder.

Ja, die haben es gekauft und wollen Reibach machen.

Das ebenso bekannte Restaurant im Erdgeschoss wird vielleicht irgendwann wiederbelebt. Oder nicht.

Jeder, der mal in Manhattan war, hat dort reingeschaut. Vielleicht sogar Platz genommen und etwas bestellt. Vielleicht sogar Wein. Vielleicht sogar griechischen Wein. Und vielleicht sogar den Goumenissa von einem Winzer mit unaussprechlichem Namen: Chatzivaritis.

Nennen wir ihn Schatzi.

Schatzi und sein Partner waren Quereinsteiger, als sie in den 1990er-Jahren ihr Weingut in der Region Goumenissa gründeten. Muss doch gehen, dachten sie sich. Und es ging.

Die meisten Rebstöcke von Goumenissa wachsen auf 150 bis 250 Metern Höhe und sind dem Osten zugewandt. Die Sommer sind nicht zu heiß, die Winter nicht zu kalt, hier kreuzen sich kontinentales und mediterranes Klima. Goumenissa, das zwischen den beiden Weinregionen Naoussa und Amyndeo liegt, ist der Wärmepol der Region.

Im Unterschied zu den Rotweinen von Naoussa, die sortenrein aus Xinomavro hergestellt werden, sind die Tropfen aus Goumenissa spürbar fruchtiger und enthalten besser eingebundene Gerbstoffe.

Schatzis Wein hat es also über den großen Teich in das berühmteste Hotel der Welt geschafft. Ich nehme an, der diensthabende Chefsommelier wusste, was er sich da ins Haus holt. Den will ich kosten. Flasche auf und ins Glas eingeschenkt.

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Ich rieche hinein. Ein wahrhaft konzentrierter Duft nach Rosinen in Rum strömt mir entgegen. Ist hier auch Pfefferminze zu vernehmen? Die zweite Nase meldet süße Gewürze und Balsam. Moment, wo ist nun die Pfefferminze hin und wo die eingelegten Rosinen? Jetzt sagt die Nase Kirschkompott und Brombeere.

Ich bin völlig verwirrt. Sind hier so viele flüchtige Aromen enthalten oder wechselt der Wein nur hin und her?

Der erste Schluck. Schönste Tannine mit Rückgrat und top eingebundener Säure. Ist das mein neuer Lieblingswein?

Sehr komplex, sonnengetrocknete Tomaten, ein wenig Granatapfel und Vanille kommen mir in den Sinn.

Ich bewege den Wein hin und her. Schoko vielleicht. Dann Kaffee, Pflaume und Rosmarin.

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Beim zweiten Schluck begegnen mir Lorbeer und etwas Lakritze. Endlich, da ist der langersehnte Olivengeschmack, der in keinem guten Xinomavro fehlen darf. Schön stoffig ist der Mund und vollmundig-fruchtig und mit einem sehr langen Abgang ausgestattet.

Ist das der beste Xinomavro, den ich je getrunken habe?

Moment, hier haben wir ja auch 30% Negoska dabei. Kann es sein, dass dieser Goumenissa so viel besser ist als alle anderen Vertreter aus Naoussa und Amyndeo?

Einfach Weltklasse dieser Wein. Seltsamerweise gar nicht heiß begehrt. Nicht mal in Griechenland, wo man die eigenen guten Weine sehr zu schätzen weiß. So sehr, dass es viele gar nicht in den Export schaffen.

Natürlich sollte man sofort losgehen und sich Ziegenfleisch kaufen. Da das wenig erfolgsversprechend ist, empfehle ich Lamm, Lamm und nochmals Lamm. Zu Ziegen-Feta passt der Wein auch. Oder sonstwie gegrilltes Fleisch und geröstete Auberginen.

 


Datum: 25.7.2018
 

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