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Der klügste Grieche ist ein Winzer

Winzer und Politiker: Giannis Boutaris.

Dyo Elies

Dyo Elies

Kir Yianni, Griechenland

14,90 €

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Die köstlichen Rotweine des Winzers, Ex-Alkoholikers und Stadtpolitikers von Thessaloniki sind ein eleganter Ritt auf Tannin.
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Giannis Boutaris ist neben den inzwischen sehr stillen Provokateuren Yanis Varoufakis und Alexis Tsipras wohl der berühmteste Politiker Griechenlands. Dabei behauptet er stets, gar keiner zu sein. Er sagt, er sei Geschäftsmann, der sich um eine neues Projekt kümmert: seine Stadt. Boutaris ist Millionär, Winzer im Ruhestand, Ex-Alkoholiker und seit 2011 Bürgermeister von Thessaloniki. Internationale Beobachter (vor allem solche, die Brüssel geschickt hat) schwärmen über den Kettenraucher Boutaris. Thessaloniki sei durch ihn eine Insel der Hoffnung, eine Blaupause für ein funktionierendes Griechenland, sagen sie.

Aber auch die Weine von Boutaris aus der Rebsorte Xinomavro, die geschmacklich irgendwo zwischen Pinot Noir und Nebbiolo zu Hause ist, seine roten Cuvées und sein Rosé finden weltweit Anerkennung. Sein Weingut Kir Yianni hat Boutaris allerdings schon seinen drei Kindern übergeben, bevor er sich anschickte, Bürgermeister zu werden. Ein alleinstehender Turm zwischen den Weinlagen ist das Wahrzeichen des Betriebs. Ich war vor ein paar Jahren im Spätherbst im Weingut Kir Yianni von Boutaris, oben in den Hügeln von Naoussa und trank mich durch das Programm.

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Giannis Boutaris ist neben den inzwischen sehr stillen Provokateuren Yanis Varoufakis und Alexis Tsipras wohl der berühmteste Politiker Griechenlands. Dabei behauptet er stets, gar keiner zu sein. Er sagt, er sei Geschäftsmann, der sich um eine neues Projekt kümmert: seine Stadt. Boutaris ist Millionär, Winzer im Ruhestand, Ex-Alkoholiker und seit 2011 Bürgermeister von Thessaloniki. Internationale Beobachter (vor allem solche, die Brüssel geschickt hat) schwärmen über den Kettenraucher Boutaris. Thessaloniki sei durch ihn eine Insel der Hoffnung, eine Blaupause für ein funktionierendes Griechenland, sagen sie.

Aber auch die Weine von Boutaris aus der Rebsorte Xinomavro, die geschmacklich irgendwo zwischen Pinot Noir und Nebbiolo zu Hause ist, seine roten Cuvées und sein Rosé finden weltweit Anerkennung. Sein Weingut Kir Yianni hat Boutaris allerdings schon seinen drei Kindern übergeben, bevor er sich anschickte, Bürgermeister zu werden. Ein alleinstehender Turm zwischen den Weinlagen ist das Wahrzeichen des Betriebs. Ich war vor ein paar Jahren im Spätherbst im Weingut Kir Yianni von Boutaris, oben in den Hügeln von Naoussa und trank mich durch das Programm.

Draußen ging ein majestätisches Gewitter hernieder und der Regen trommelte aufs Dach. Eine großartige Atmosphäre, um diese bombastischen, tanninstarken und trotzdem frischen Weine zu verkosten. Bereits das Leichtgewicht Akakies Rosé ist alles andere als ein leichtes Sommerwässerchen und gehört in den Keller einer jeden Schihütten. Nur leider gibt es sicher nicht genug Flaschen davon. Außergewöhnlich trocken. Außergewöhnlich fruchtig. Außergewöhnlich kräftig. Ich rieche Noten von Erdbeere, Zitrusfrüchten und Schmelz. Im Mund dann das Erlebnis: Staubtrockenheit bei gleichzeitiger Fruchtfülle. Was für ein intensiver Roségenuss! Kein braves Sommerwässerchen, den kann man auch locker im Winter wegsüffeln und sogar gewürzte Speisen dazu verdrücken.

Der Boutaris-Clan war mit dem Import von Whisky und anderen Spirituosen reich geworden, mischte auch im Bier- und Mineralwassergeschäft mit. 2006 jedoch stieß man alles ab, was nicht mit Wein zu tun hatte.

Wie ging es eigentlich los mit dem Politiker Boutaris? Thessaloniki war eine Hochburg der Konservativen und Nationalisten. 24 Jahre lang hatte die Nea Dimokratia das sagen, eine Art griechische AfD. Alle wichtigen Ämter waren unter Parteischranzen aufgeteilt. Zustände wie in Berlin – mit dem Unterscheid, dass hier die Behörden von Linken aus dem Rotgrün-Spektrum gesteuert werden. Irgendwann vor seiner Wahl hatte Boutaris die sogenannte „Initiative für Thessaloniki“ gegründet und radelte durch die verstopfte und von Benzinschwaden verpestete Stadt, um das Bewusstsein für eine bessere Lebensqualität zu wecken. Die sozialistische PASOK-Partei fand Gefallen an dem Querkopf aus reichem Hause und beschloss Boutaris künftig zu unterstützen. Er blieb bis heute dennoch parteilos.

Als Boutaris sich zur Wahl aufstellen ließ, drehte erstmal der Erzbischof von Thessaloniki durch und verbot dem Kandidaten bei der Messe das Kreuz zu küssen, ein Ritual, das in Griechenland gang und gäbe ist und zum guten Ton gehört. Obendrein belegte der Kirchenfürst Boutaris mit einem Bannfluch: Solange ich im Amt bin, wirst du das Rathaus nicht von innen sehen. Das Fernsehen war dabei und strahlte die Szene aus. Das brachte die Stimmung in der Stadt zum Kippen – zugunsten des unkonventionellen Kandidaten. Immerhin fehlten in der Stadtkasse 51,4 Millionen Euro und keiner wusste, wer das Geld entnommen hat. Eine Clique von Nea Demokratia-Funktionären geriet unter Verdacht. Soll noch einer sagen, die Roten können nicht mehr siegen.

Die rote Cuvée Ramnista ist mein Lieblingswein von Kir Yianni. Einer der besten Weine, die der Captain auf seiner Reise durch Nordgriechenland trank. In meine Nase strömen dominante Holznoten, Schwarzkirsche und frische Gewürz. Im Mund dafür kaum mehr Spuren der Fasslagerung (80% für 16 Monate im neuen Barrique, 20% im Stahltank). Am Gaumen herrliche Noten von trockener Walderde, dunkle Beeren und Kirschen – alles sehr erfrischend. Dann frisch gehobelter schwarzer Trüffel, Rauleder und nasser Tabak. Auch ein bisschen schwarze Johannisbeere (Cassis). Gar nicht so viel Säure wie erwartet doch recht strenge Tannine, die wiederum gut eingebunden sind und die durchaus vorhandenen Fruchtnoten ganz schön unter Kontrolle halten. Aber ohne die wäre dieser Wein nicht das, was er ist – ein beeindruckender, eigenständiger und spannender Tropfen für Entdecker. Unbedingt karaffieren, der Wein braucht mindestens eine Stunde Luft vor dem Trinken. DerAbgang ist unglaublich lang und lecker für den moderaten Preis.

Bereits in den 70er-Jahren hat Giannis Boutaris – Oberhaupt der vierten Winzergeneration seiner Familie – um Kir Yianni herum Land gekauft, später auch drüben in der Region Amyndeon. Aber erst 1997 gründet er sein Weingut. Das Klima in Naoussa ist mediterran mit kontinentalen Einflüssen. Die Winter sind mild, die Sommer heiß aber nicht so heiß wie weiter im Süden. Die jährliche Niederschlagsmenge beträgt im Schnitt 650 Millimeter. Die Landschaft ist von Hügeln geprägt und die Böden sind vielfältig. Von sandig bis lehmig ist alles dabei.

Naoussa heißt die Pfalz von Griechenland

Warten auf Xinomavro

Xinomavro ist die Hauptrebsorte der Region. Sie ist die edelste der griechischen Trauben. Der Name bedeutet sauer-dunkel (schwarz). Mit ihr werden langlebige und charaktervolle Weine erzeugt, die an Nebbiolo erinnern und nach Tomate und Oliven schmecken. Xinomavro wird heute in Griechenland gerne mit internationalen Rebsorten verschnitten. Der reinsortige Xinomavro Dyo Elies mit dem Schwerpunkt Syrah ist so eine gelungene Partnerschaft. Der Name des Weins bedeutet „zwei Oliven“ und das merkt man. 60% des Tropfens sind von der Rebsorte Syrah, der Rest sind 30% Merlot und 10% der gebietstypischen Sorte Xinomavro. In der Nase würzige Holznoten, auch Vanille. Am Gaumen nach zwei Stunden herrlich weich. Ich empfehle dringend, diesen Wein früh genug zu dekantieren, um mit dem vollen Genuß beschenkt zu werden. Fruchtige Noten von roten Beeren, schwarzem Pfeffer und eine klare Struktur. So ein Wein aus Italien würde doppelt so viel kosten. Und er hat ordentlich Wumms – fast 15 Volumenprozent Alkohol.

Heute führt Sohn Stellios Boutaris den Laden. Boutaris‘ Vorgänger als Bürgermeister von Thessaloniki sitzt übrigens im Knast. Zu lebenslanger Haft wegen Veruntreuung verurteilt. Er hatte sämtliche Sozialabgaben der Stadt für ihre Angestellten unterschlagen. Jahrelang war das niemandem aufgefallen.

 


Datum: 15.2.2020 (Update 7.3.2020)
 

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