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Weißwein für 12.000 Euro?

1.700 Euro netto für ein Gläschen Wein? Aber gerne, Herr Müller!
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In der Weinwelt ist Egon Müller ein Star. Völlig zurecht. Außerhalb dieser Szene ist der Winzer von der Saar jedoch wenig bekannt.
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Ja, 12.000 Euro pro Flasche eines süßlichen Weißweins, der nicht mal besonders alt ist. Aber dafür besonders lecker. Denn die vom Edelfaulpilz Botrytis angefressenen Träubchen bzw. ihr (nicht ganz) vergorener Saft aus dem Keller von Egon Müller gelten weltweit als edle Delikatessen.

Fachleute sind sich einig: Diese 22 (so viele waren es) Flaschen Scharzhofberger Riesling Trockenbeerenauslese 2003 vom Weingut Egon Müller waren die teuersten Pullen Wein, die weltweit je ab Hof verkauft wurden. Wohlgemerkt: Die teuersten Flaschen relativ junger Wein. Also keine verstaubten Granaten, die jahrzehntelang vor sich hinreifen durften. Nein, 12 Jahre haben gereicht.

Trockenbeerenauslese? Was das genau ist, steht in meinem Weinlexikon (Glossar).

Fanatischen Weinsammlern in den USA, Asien oder sonstwo ist der Name Egon Müller und seine Steillage Scharzhofberg (Schiefer, Eisen, Ton) mit dem besonderen Mikroklima natürlich ein Begriff. Und so bekam im vergangenen September 2015 auf einer Weinauktion in Trier ein unbekannter Bieter den Zuschlag. Zu den 12 Tacken pro Flasche kamen noch Steuern und das übliche Aufgeld für die Versteigerung.

Übrigens: Auch andere Winzer haben am Scharzhofberg Reben stehen. Zum Beispiel das Weingut Van Volxem und die Bischöflichen Weingüter zu Trier.

Aber wie schmeckt der Wunderwein? Das werden die meisten von uns wohl nie erfahren. Der Hauch einer Ahnung lässt sich vielleicht mit einer Flasche Scharzhofberger Riesling Kabinett feinherb von Egon Müller für knapp 50 Euro einverleiben. Allerdings muss man dann auf die Edelfäule verzichten.

Das ist gerade noch leistbar, oder? Übrigens: Was genau ein Kabinett ist, steht ebenso in meinem Weinlexikon.

Dieser süßliche Weißwein vom selben Weinberg wie unsere 12.000 Euro-Trockenbeerenauslese kann es nämlich mit den meisten gefeierten deutschen Halbsüß-Rieslingen aufnehmen.

Ich weiß das, denn ich habe ihn probiert.

Schon in der Nase ein Duft wie von feinstem Parfum. Wechselhaft in seiner Zartheit, zitrig-elegant, tropenfruchtig und dennoch kühl.

Im Mund eine süffige Explosion frischer, eiskalter Früchte. Von zartbitterer Grapefruit über reife Birne bis hin zu fleischiger, honigweicher Mango. Trotz der Süße sorgt hier coole Salzigkeit und ein Spritzer straffer Säure für das Gefühl nicht nur einen, sondern zwei, vielleicht sogar drei Weine gleichzeitig zu süffeln.

Man muss nur fest daran glauben, dann ist der stolze Preis auch gar nicht mehr so schlimm.

Das ist ein Wein, den man getrunken haben muss. Denn er erweitert den Horizont. Mehr muss man dazu auch gar nicht sagen.

 


Datum: 17.3.2016 (Update 12.2.2018)
 

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