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André Macionga: Parfumeur des Weins

Sommelier André Macionga.
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André Macionga ist als Chefsommelier von Starkoch Tim Raue in der Weinbranche bekannt. Aber da ist noch was: Maconga kreiert Weine in Zusammenarbeit mit berühmten deutschen Kultwinzern. Der Captain hat alle probiert.
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Es dauert ungefähr eine Stunde, bis sich André Macionga öffnet und Emotionen zeigt. So wie die Weine, die er gemeinsam mit bekannten Winzern entwickelt: Horst Sauer, Jochen Dreissigacker, Markus Schneider und andere.

Macionga ist kein Entertainer, der seine Gäste vom Fleck weg mit charmantem Kellner-Schmäh mitreißt. Nein, da ist vom Anfang bis zum Ende ausgeprägte Höflichkeit und vornehme Distanz. Der kontrolliert und jungenhaft auftretende Mann (Jahrgang 1984) wirkt in der Weinszene seiner Stadt so wie sein Arbeitsplatz, das Restaurant Tim Raue um die Ecke vom Checkpoint Charlie. Draußen wilder Budenzauber, Verkehrslärm und viel prolliges Berlin. Drinnen freundliche Zurückhaltung.

Darüber, wer hier was auf die Teller bringt, ist schon tausendmal berichtet worden. Über die Leute, die die Gläser füllen, eher wenig. Eigentlich fast nichts. Einer von ihnen ist André Macionga.

Der Name klingt wie aus dem französisch-spanischen Grenzgebiet, ist aber italienisch, woher ein Teil der Vorfahren kommt. Macionga ist Berliner aus der unteren Hälfte der Mittelschicht, genauso wie sein langjähriger Chef. Man kann jetzt fragen: Gibt es denn was darüber in dieser Stadt? Aber das ist ein anderes Thema. Habituell gehört André Macionga zur Oberschicht, wenn man (wie der Captain) seine Art mag.

Ausbildung im berühmten Palace Hotel mit dem größten Weinkeller der Stadt. Anfangs jedoch mit wenig Begeisterung, weil die Grundlage fehlte: Meine Familie hat Wein getrunken, aber nie verstanden.

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Es dauert ungefähr eine Stunde, bis sich André Macionga öffnet und Emotionen zeigt. So wie die Weine, die er gemeinsam mit bekannten Winzern entwickelt: Horst Sauer, Jochen Dreissigacker, Markus Schneider und andere.

Macionga ist kein Entertainer, der seine Gäste vom Fleck weg mit charmantem Kellner-Schmäh mitreißt. Nein, da ist vom Anfang bis zum Ende ausgeprägte Höflichkeit und vornehme Distanz. Der kontrolliert und jungenhaft auftretende Mann (Jahrgang 1984) wirkt in der Weinszene seiner Stadt so wie sein Arbeitsplatz, das Restaurant Tim Raue um die Ecke vom Checkpoint Charlie. Draußen wilder Budenzauber, Verkehrslärm und viel prolliges Berlin. Drinnen freundliche Zurückhaltung.

Darüber, wer hier was auf die Teller bringt, ist schon tausendmal berichtet worden. Über die Leute, die die Gläser füllen, eher wenig. Eigentlich fast nichts. Einer von ihnen ist André Macionga.

Der Name klingt wie aus dem französisch-spanischen Grenzgebiet, ist aber italienisch, woher ein Teil der Vorfahren kommt. Macionga ist Berliner aus der unteren Hälfte der Mittelschicht, genauso wie sein langjähriger Chef. Man kann jetzt fragen: Gibt es denn was darüber in dieser Stadt? Aber das ist ein anderes Thema. Habituell gehört André Macionga zur Oberschicht, wenn man (wie der Captain) seine Art mag.

Ausbildung im berühmten Palace Hotel mit dem größten Weinkeller der Stadt. Anfangs jedoch mit wenig Begeisterung, weil die Grundlage fehlte: Meine Familie hat Wein getrunken, aber nie verstanden.


Dann kam die Sprengladung zur Karriere in Gestalt einer Flasche Château Latour 1985. Der hat mich angefixt. Ich wollte diesen Wein unbedingt verstehen. Das klappte natürlich erstmal nicht und brachte den jungen Kellner an den Rand der Verzweiflung. Ich versuchte zu begreifen, warum Menschen, die alles haben, eine Flasche Wein liebkosen wie ein Baby und übte und übte das Verkosten. Allmählich wurde aus dem Amateur ein Experte. Eine Sommelierprüfung hat Macionga bis heute nicht abgelegt. Er bezeichnet sich selbst als ungelernt.

2005 begann die Zusammenarbeit mit dem rasant aufstrebenden Koch Raue im Swissôtel am Kudamm. Macionga: Von seiner extrem selektiven Art Wein zu trinken, habe ich mir viel abgeschaut.

Fünf Jahre später entstand der Plan, eigene Weine zu entwickeln. Sieben Stillweine und einen Champagner umfasst heute das Sortiment der kleinen Weinfirma André Macionga Cuvée, die der Sommelier gemeinsam mit einem Partner aus der Werbewirtschaft betreibt. Auf die Idee kam Macionga nach der Begegnung mit einem Gast, der seine Weinauswahl interessant fand: Horst Sauer. Der vielbesungene fränkische Winzer aus Escherndorf lud den Sommelier zu sich ein und gab ihm ein paar Weine zu probieren, aus denen er etwas machen sollte, was „nicht Winzern schmeckt, sondern anspruchsvollen Weinkennern.“

Das war der Startschuss, auf den Macionga unbewusst schon lange gewartet haben muss. Denn so wie das offizielle Berlin seine eigenen Reichen nicht versteht und sie mit eigentümlichem Hass verfolgt, verstehen Winzer oft nicht, was anspruchsvolle Weinfans wirklich wollen und produzieren zuverlässig am Geschmack jener Zielgruppe vorbei, die sie so gern als Kundschaft hätten. Für Winzer zählt das Urteil der Weinkritiker, die selber aber gar nichts kaufen und mit ihrer Arbeit immer weniger Weinfans erreichen, denn die bedeutenden Weinguides sterben.

Wie rede ich mit meinem Sommelier?

Als Reichenforscher wäre Macionga auch eine gute Besetzung. Tagtäglich seit 20 Jahren geht er der wohlhabenden Klientel auf Tuchfühlung und entwickelte wohl ein gutes Gefühl dafür, was Leute gerne trinken, die das Kriterium Preis-Leistungs-Verhältnis einfach nicht interessiert. Sie wollen das Beste. Egal, wie viel es kostet.

2011 kam der erste Wein der neuen Firma raus, die atemberaubend würzige und aufregende Cuvée „Es ist wie es ist“ aus 7 verschiedenen Weinen von Horst Sauer, die nicht verraten werden. Außer einem: Silvaner Eiswein 1991.

Es folgten weitere Tropfen in Zusammenarbeit mit den Leuten vom Nahe-Weingut Klostermühle Odernheim, → Jochen Dreissigacker und Markus Schneider, Deutschlands einzigem Massenproduzent von Weltrang, mit dem Macionga eine sauteure und monumentale Rotweincuvée für knapp 160 Euro kreierte. Der Captain wird nach und nach alle Weine besprechen.

Das neueste Projekt, in das Macionga eingebunden wurde, heißt „Ex Nicrum“ und hat mit der Rettung terrassierter Steillagen am Neckar zu tun. Auch darüber wird der Captain in einem seiner kommenden Artikel berichten.

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⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀ 𝐌𝐨𝐨𝐝 𝐨𝐟 𝐭𝐡𝐞 𝐝𝐚𝐲 𝐜𝐡𝐨𝐢𝐜𝐞 𝐛𝐲 𝐀𝐧𝐝𝐫𝐞 𝐌𝐚𝐜𝐢𝐨𝐧𝐠𝐚 #𝟎𝟏𝟎 𝐄𝐱 𝐍𝐢𝐜𝐫𝐮𝐦 – 𝐑𝐨𝐬é 𝟐𝟎𝟏𝟖 ⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀ ⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀ ⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀ frisch aufgemacht: Dieser Rosé hat mit seinem spannenden Mix aus Würze und Frische eine fast schon beneidenswerte Leichtigkeit. Mit jedem Schluck schmeckt man die exzellente Qualität der Trauben. Das florale Aromenspiel aus dunklen Hollunderbeeren und dem leichten Hauch von Süßholz macht Lust auf das dritte, vierte Glas. mit Luft: Mit etwas Luft komplettiert sich dieser Rosé nun. Extraordinär intensiv, rund und dicht. Ein unfassbar gut gelaunter Wein, der durch seinen enormen Trinkzug hochmotiviert das nächste Glas anvisiert. just opened: With its exciting mix of spice and freshness, this rosé has an almost enviable lightness. With every sip you can taste the excellent quality of the grapes. The floral play of aromas of dark elderberries and the slight hint of licorice inspires the third, fourth glass. with oxygene: With a bit of air, this rosé is now completed. Extraordinarily intense, round and dense. An incredibly well-humored wine, which is highly motivated to aim at the next glass with its enormous drinking flow. #ExNicrum #Rose #Tagesstimmung #Vitalisiert #MoodOfTheDay #vitalized #BottleOfTheDay #WineOfTheDay #AndreMaciongaCuvee #WineOClock #Winelover #Winefreak #Somm #Sommelier #AndreMacionga #StephanieNückel #WineChoice #SommelierTable #Top50Sommelier @exnicrum

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Zunächst trinkt der Captain die selbsterklärend benamste Cuvée Unartig 2016, eine Weinkreation mit den Brüdern Marcel und Sebastian Class, die in Vendersheim ein 15-Hektar-Weingut mit merkwürdigem Namen betreiben: Neverland, also Niemandsland. Sinnigerweise heißt die Zustelladresse „Außerhalb 2“. Diese unartige Mischung kündet schon auf dem Etikett Verruchtheit an und besteht aus 1.) 30% Chardonnay aus drei verschiedenen Parzellen, die getrennt und im Naturwein-Stil ausgebaut wurden, 2.) etwa 25% Grauburgunder aus zwei verschiedenen Fässern, 3.) einer Gewürztraminer-Spätlese und 4.) holzgereiftem Silvaner. In der Nase wild. Macionga sagt, das kommt von einem gebrauchten Orange-Fass. Ich rieche viel Grapefruit, einen Hauch Bananenschale, Mandarine, helle Tabakblätter, leichten Schmelz. Im Mund tolles Spiel aus Säure, Würze, Frucht und weißem Pfeffer. Ich schmecke Apfel, Grapefruit, etwas Mandarinenschale, salzige Mineralik und weiche Säure. Im Abgang viel würzige Pikanz. Ein dramatischer Weißwein, der bedingungslose Aufmerksamkeit einfordert.

Was bei allen Weinen aus Maciongas Weinmischwerk auffällt, ist die sensorische Wucht und der unbedingte Wille, Brillanz mit Subtilität zu vereinen. Das sind alles keine Leisetreter, aber auch keine großspurigen Schwätzer, die Macionga ins Glas kippt.

Es dauerte allerdings eine Weile, bis er den Dreh raus hatte. Am Anfang lief so viel schief, bis ich merkte, dass man an den Nuancen feilen muss.

Fragt man Macionga, wie er denn konkret vorgehe, bis so eine Cuvée erschaffen ist, spricht er viel von Licht und Farben. Er beginnt wie ein Aquarellist mit hellen Nuancen und fügt dann Schritt für Schritt „dunklere“ Weine hinzu, bis ein Punkt erreicht ist, an dem das Bild stimmig wirkt. Dabei verschiebt er kleine Fläschchen im Flacon-Format auf einem großen Tisch wie ein Feldherr seine Einheiten auf dem Schlachtplan. Nach vorne, seitlich oder nach hinten. Je nachdem, ob und wo er diesen Teil der Cuvée künftig sieht. Der Vorgang dauert etwas 8 Stunden und ermüdet den Meister enorm.

Wichtiges Element bei der Kreation seiner Cuvées sind bewusste Fehler, also sensorische Elemente, die stören. In der Kunstproduktion kann dieser Trick ein gutes Werk von einem genialen trennen. Viele Maler des Impressionismus arbeiteten gezielt falsch, weil sie wussten (oder eher ahnten), dass Unschärfen, verdrehte Proportionen und fehlerhafte Perspektiven die sogenannte Amygdala im Emotionszentrum des Gehirns anregen und das Publikum faszinieren. Korrekte Bilder wirken dagegen langweilig. Macionga über die Kunst der Assemblage: Mein methodischer Ansatz ist, Weine zu kombinieren, die im ersten Anschein nichts miteinander zu tun haben. Wie ein Koch, der aus vielen Zutaten ein Gericht bereitet. Weine mit Dramaturgie, die auch solo funktionieren und definitiv keine Weinkritiker-Weine sind. Man darf auch nicht so mischen, dass es von Anfang an passt, sondern erst in der Zukunft.

 


Datum: 26.4.2020
 

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