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20 gute Bordeaux unter 20 Euro

Château de la Grave, Bordeaux.
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Der Captain liebt Rotwein aus dem Bordelais, aber er ist nicht reich. Macht nichts, im Schatten der Luxusweingüter gibt es Tausende Winzer. Einige davon machen sehr guten Wein, der nicht viel kostet.
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Die deutsche PR-Beraterin Annette Schiller, die Weintouren durch Frankreich und Deutschland organisiert und sich im Bordelais bestens auskennt, schreibt auf Facebook:

Das Image von Bordeaux als Weinregion, das zu einem großen Teil in den Händen internationaler Unternehmen liegt, die über riesige Weingüter herrschen, ist einfach nicht wahr. Es gibt ungefähr 7.500 Produzenten in Bordeaux. Nur 8% verfügen über mehr als 100 Hektar. Nur 3,5% der Weine sind teurer als 15 Euro pro Flasche. Nur 1,25% der Châteaux gehören zu den klassifizierten Herstellern, die Schlagzeilen in den Nachrichten machen. Es gibt ein Meer engagierter, qualitätsorientierter Produzenten – die sogenannten „Petits Châteaux“, die sich schwer tun, über die Runden zu kommen.

Und Susanne Werth-Rosarius, die als Bordeaux-Expertin des Captain viele unterhaltsame Besprechungen schrieb, bis sie 2016 leider verstarb, meinte in einem ihrer Artikel:

Man kann Bordeaux untrinkbar finden und in jeder Beziehung übertrieben. Man darf die Preispolitik in diesem Gebiet für absurd halten und die Primeur-Verkostungen im Frühjahr für einen Auftrieb eitler Möchtegerns. Mag alles so sein. Aber Bordeaux ist und bleibt eine Benchmark, an der sich andere messen müssen. Dabei gestaltet sich für Weinfreunde der Eintritt ins Paradies gar nicht so einfach. Da ist dieses rebellische Element voll widerborstiger Rauheit, das beim ersten Glas noch gar nicht erkennen lässt, wie sehr man füreinander bestimmt ist. So wie bei einer Liebesaffäre, in der zunächst weniger Sympathie als viel mehr eine gewisse Faszination reizt, weil der andere einem nicht sofort in die Arme fällt. Wenn sich beim ersten Probieren zwischen Cassis, Holunder, Schlehdorn und Leder dezente Noten von Kernseife, nassem Hund und alter Gemüsesuppe schleichen. Das weiß man erst gar nicht zu schätzen. Aber dann… Für jene, die sich vom Trinkabenteuer Bordeaux einfangen lassen, kommt alles, was folgt, einer Geiselnahme gleich. Das Weinbaugebiet Bordeaux bezieht seine Bedeutung aus einer drei- bis vierhundert Jahre alten Geschichte rund um Adel, Handel und Weine, die ihre besten Seiten aus langer Fasslagerung und gekonntem Blending entwickeln. All dies ist heute nur ein kleiner Seitenaspekt in einem fast außerirdisch anmutenden Geschäft mit Immobilien, Weingärten und dem, was man dort erzeugen kann. Bordeaux-Weine wurden längst vom Prestige- zum Spekulationsobjekt. Doch Bordeaux besteht nicht nur aus fünf Premiers Crus und etwa 150 klassifizierten Gewächsen rechts und links der Gironde, um die sich ein Marketing-Zirkus gebildet hat, der seinesgleichen sucht. Die Klassen beginnen beim schlichten Bordeaux AOC und unterscheiden sich vor allem in den unteren Ligen durch Mindest-Pflanzdichte, Höchst-Ertrag pro Hektar und Alkoholgradation und wie weit respektive eng gefasst das Gebiet ist, aus dem die Trauben für die Blend kommen dürfen. Das Terroir, also ein spezieller Weingarten, eine besondere Lage spielen in diesen unteren Klassen keine Rolle. Aber es ist auch ein lohnender Sport, in der einfachen Bordeaux-Liga nach gelungenen Weinen zu suchen. Selbst wenn die nicht den feinen Tiefgang, die Superkomplexität und die Jahrhundert-Lagerfähigkeit haben, die den Spitzengewächsen eigen ist.

Über Sinn und Wahnsinn in Bordeaux sprach der Captain mit Luxuswein-Experte Giuseppe Lauria:

„Bordeaux ist nicht verrückt“

So ist es im großen, unüberschaubaren und zickigen Bordelais. Es wurden übrigens (vorerst) nur 17 Weine, die der Captain hier unten zusammentrug, aber „20 gute Bordeaux unter 20 Euro“ klingt einfach besser. Hier sind meine Tipps.

Château Haut Rocher aus dem Saint-Émilion ist saftig und würzig zugleich. Ich schmecke dunkle Schokolade, Brombeersaft, Gewürznelke, Orangenzeste und ein Quentchen silbriger Säure, die viel Frische einbringt:

Château du Retout Cru Bourgeois ist ein klassisch gemachter Bordeaux aus dem Haut-Médoc, der wie ein kräftiger Händedruck wirkt:

Château Charmail Cru Bourgeois ist ein herrlich balancierter Rotwein, der gerade so viel Kante zeigt, wie es sich für einen zugänglichen Bordeaux gehört:

Dieser würzige Brummer kommt von einem Winzer aus Württemberg, der ins Bordelais ging, um dort an mehreren Standorten Wein zu produzieren. Sein Name: Stephan Graf Neipperg. Und so ähnlich heißt auch sein Wein, nämlich Comte Stephan Côtes de Castillon:

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Die deutsche PR-Beraterin Annette Schiller, die Weintouren durch Frankreich und Deutschland organisiert und sich im Bordelais bestens auskennt, schreibt auf Facebook:

Das Image von Bordeaux als Weinregion, das zu einem großen Teil in den Händen internationaler Unternehmen liegt, die über riesige Weingüter herrschen, ist einfach nicht wahr. Es gibt ungefähr 7.500 Produzenten in Bordeaux. Nur 8% verfügen über mehr als 100 Hektar. Nur 3,5% der Weine sind teurer als 15 Euro pro Flasche. Nur 1,25% der Châteaux gehören zu den klassifizierten Herstellern, die Schlagzeilen in den Nachrichten machen. Es gibt ein Meer engagierter, qualitätsorientierter Produzenten – die sogenannten „Petits Châteaux“, die sich schwer tun, über die Runden zu kommen.

Und Susanne Werth-Rosarius, die als Bordeaux-Expertin des Captain viele unterhaltsame Besprechungen schrieb, bis sie 2016 leider verstarb, meinte in einem ihrer Artikel:

Man kann Bordeaux untrinkbar finden und in jeder Beziehung übertrieben. Man darf die Preispolitik in diesem Gebiet für absurd halten und die Primeur-Verkostungen im Frühjahr für einen Auftrieb eitler Möchtegerns. Mag alles so sein. Aber Bordeaux ist und bleibt eine Benchmark, an der sich andere messen müssen. Dabei gestaltet sich für Weinfreunde der Eintritt ins Paradies gar nicht so einfach. Da ist dieses rebellische Element voll widerborstiger Rauheit, das beim ersten Glas noch gar nicht erkennen lässt, wie sehr man füreinander bestimmt ist. So wie bei einer Liebesaffäre, in der zunächst weniger Sympathie als viel mehr eine gewisse Faszination reizt, weil der andere einem nicht sofort in die Arme fällt. Wenn sich beim ersten Probieren zwischen Cassis, Holunder, Schlehdorn und Leder dezente Noten von Kernseife, nassem Hund und alter Gemüsesuppe schleichen. Das weiß man erst gar nicht zu schätzen. Aber dann… Für jene, die sich vom Trinkabenteuer Bordeaux einfangen lassen, kommt alles, was folgt, einer Geiselnahme gleich. Das Weinbaugebiet Bordeaux bezieht seine Bedeutung aus einer drei- bis vierhundert Jahre alten Geschichte rund um Adel, Handel und Weine, die ihre besten Seiten aus langer Fasslagerung und gekonntem Blending entwickeln. All dies ist heute nur ein kleiner Seitenaspekt in einem fast außerirdisch anmutenden Geschäft mit Immobilien, Weingärten und dem, was man dort erzeugen kann. Bordeaux-Weine wurden längst vom Prestige- zum Spekulationsobjekt. Doch Bordeaux besteht nicht nur aus fünf Premiers Crus und etwa 150 klassifizierten Gewächsen rechts und links der Gironde, um die sich ein Marketing-Zirkus gebildet hat, der seinesgleichen sucht. Die Klassen beginnen beim schlichten Bordeaux AOC und unterscheiden sich vor allem in den unteren Ligen durch Mindest-Pflanzdichte, Höchst-Ertrag pro Hektar und Alkoholgradation und wie weit respektive eng gefasst das Gebiet ist, aus dem die Trauben für die Blend kommen dürfen. Das Terroir, also ein spezieller Weingarten, eine besondere Lage spielen in diesen unteren Klassen keine Rolle. Aber es ist auch ein lohnender Sport, in der einfachen Bordeaux-Liga nach gelungenen Weinen zu suchen. Selbst wenn die nicht den feinen Tiefgang, die Superkomplexität und die Jahrhundert-Lagerfähigkeit haben, die den Spitzengewächsen eigen ist.

Über Sinn und Wahnsinn in Bordeaux sprach der Captain mit Luxuswein-Experte Giuseppe Lauria:

„Bordeaux ist nicht verrückt“

So ist es im großen, unüberschaubaren und zickigen Bordelais. Es wurden übrigens (vorerst) nur 17 Weine, die der Captain hier unten zusammentrug, aber „20 gute Bordeaux unter 20 Euro“ klingt einfach besser. Hier sind meine Tipps.

Château Haut Rocher aus dem Saint-Émilion ist saftig und würzig zugleich. Ich schmecke dunkle Schokolade, Brombeersaft, Gewürznelke, Orangenzeste und ein Quentchen silbriger Säure, die viel Frische einbringt:

Château du Retout Cru Bourgeois ist ein klassisch gemachter Bordeaux aus dem Haut-Médoc, der wie ein kräftiger Händedruck wirkt:

Château Charmail Cru Bourgeois ist ein herrlich balancierter Rotwein, der gerade so viel Kante zeigt, wie es sich für einen zugänglichen Bordeaux gehört:

Dieser würzige Brummer kommt von einem Winzer aus Württemberg, der ins Bordelais ging, um dort an mehreren Standorten Wein zu produzieren. Sein Name: Stephan Graf Neipperg. Und so ähnlich heißt auch sein Wein, nämlich Comte Stephan Côtes de Castillon:

Der deutsche Graf von Bordeaux

Der angenehme 14-Euro-Wein Château Argadens Bordeaux Supérieur zeigt eindrucksvoll, dass es im Bordelais auch in einfachen Kategorien sehr gute Weine gibt, denn er verfügt über Eigenschaften, die man in etlichen teuren, deutlich mehr aufgemotzten Bordelaisern gar nicht mehr findet:

Dieser hinreißende Bio-Bordeaux für nicht mal 11 Euro (!) wird aus 100% Merlot vinifiziert. Château La Hase schmeckt nach Cassis, Brombeere, Kirsche, Holunder, etwas Blumiges, tolle seidige Tannine und im Hintergrund Zimt:

Der kleine Bordeaux Château Cambon la Pelouse Cru Bourgeois tut sehr gekonnt so, als wäre er ein großer. Schwarzkirsche, Brombeere, Pflaume, Koriander, Zimt, weißer Pfeffer, Orangenzeste:

Klassisch-streng kommt Château Saransot-Dupré Cru Bourgeois Supérieur daher. Viel Cassis, ein bisschen Graphit, kräftige und gut eingebundene Tannine, grüne Paprika mit leichten Jodtönen, etwas Salzigkeit. Zupackender Wein mit warmen Noten:

Für ca. 15 Euro ist Château d’Aurilhac Cru Bourgeois ein echtes Bordeaux-Schnäppchen. Wunderbar ausbalancierter Wein, dem es nicht an Druck fehlt:

Das relativ große Weingut Château Citran (90 Hektar) ist eines der ältesten Herrenhäuser im Médoc und gehört der Familie Merlaut, die auch über das bekannte Château Chasse-Spleen gebietet. Man weiß also, was man tut. Für rund 17 Euro ist dieser Wein ein echter Preis-Leistungs-Bringer:

Der Erstwein „Nectar“ von Château de la Grave ist kein ganz großes, aber auf alle Fälle mehr als nur anständiges Bordeaux-Kino, und zwar zu einem mehr als anständigen Preis:

Château Pierrail Bordeaux Supérieur ist ein modern gemachter Bordeaux mit ganz weichen und präsenten Tanninen und feinster Vanille, die vom Ausbau im Holzfass kommt. Für ca. 14 Euro ein Hammer!

Ein schlankes Tröpfchen ist Château La Gorce Cru Bourgeois nicht, ein elegantes aber sehr wohl. Und er kostet nur ca. 12 Euro:

Der kräftige, aber wunderbar weiche Château Paloumey Cru Bourgeois ist, was einen Bordeaux zum idealen Speisenbegleiter macht: appetitanregend.

Der enorm würzige Château Fourcas Dupré macht Appetit auf gutes Essen und ist für rund 14 Euro ein erfreulich eleganter und charaktervoller Wein:

Wer koreanisches Feuerfleisch (Bulgogi) zubereiten möchte, sollte den würzigen Château Briston-Brillette Cru Bourgeois als Speisebegleiter auswählen. Angenehmerweise ist er von weicher Textur:

Der powervolle Château Cissac Cru Bourgeois Supérieur hält locker in der mittleren Kategorie guter BDX-Weine mit, kostet aber nur einen Bruchteil des Preises:

 


Datum: 20.12.2019
 

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