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„Bordeaux ist nicht verrückt“

Giuseppe Lauria mit einer Doppelmagnum Angélus.
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Der Captain sprach mit dem Weinkritiker Giuseppe Lauria über Sinn und Wahnsinn des Bordeaux-Hypes und bekam ein paar Tipps: Top-Crus, die nicht mehr kosten als ein Großes Gewächs aus Deutschland.
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Seit 2016 ist der gebürtige Frankfurter mit sizilianischen Wurzeln Giuseppe Lauria Chefredakteur des jährlich 10 Mal erscheinenden → „Weinwisser“, eines der führenden Fachmagazine im Bereich fine wine, wie man in der Branche das Luxussegment nennt. Zuvor war Lauria 10 Jahre lang als Nachfolger des Winzers und Gourmetkritikers Armin Diel Chefverkoster für den „Gault&Millau-Weinguide“ im Rheingau.

Lauria lernte TV-Journalismus beim ZDF und war Wirtschaftsredakteur bei internationalen Sendern wie Bloomberg TV und CNBC Europe, wo er Wirtschaftsbosse und Politiker interviewte. Neben seiner Tätigkeit als Weinkritiker ist der vielseitige Italiener Coach und Medientrainer für Führungskräfte. Giuseppe hat keine Angst vor großen Tieren, wenn er auf die Schlösser der reichen Winzer des Bordelais zum Verkosten kommt.

In meinem Video, das der Captain 2019 am Rande der Bordeaux-Verkostung „Panorama Primeurs 2017“ des Internet-Weinhändlers Millésima aufnahm, erklärt Lauria die Arbeit eines Weinkritikers und wie er in die Zukunft eines Weines blickt.

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Giuseppe, sind die teuren BDX-Weine ihr vieles Geld überhaupt wert? Grundsätzlich sind diese Weine genau soviel wert, wie jemand im Markt bereit ist dafür zu bezahlen. Aufgrund der steigenden Nachfrage aus Asien und anderen Emerging Markets ist es allerdings zu Übertreibungen gekommen, insbesondere was die bekannten Kultlabels angeht. Aber Bordeaux ist viel mehr als nur die Premiers Crus

Kann ein 1er Cru für 800 Euro eigentlich 40 Mal besser schmecken als ein gelungener Cru Bourgeoise für 20 Euro? Das liegt im Auge des Betrachters. Natürlich zahlt man wie überall im Luxusmarkt einen Aufpreis für das, was die Marke ausstrahlt. Hier geht es um gesuchte Besonderheiten und in der Regel auch um phänomenale Weine. Daneben gibt es ausgezeichnete Bordeaux für einen Bruchteil des Preises, den man für ein 1er Cru bezahlt. Das Imageproblem dieser Region ist, dass viele Bordeaux mit den Luxusmarken gleichsetzen.

Wer oder was macht die Preise der Luxus-Weine? Angebot und Nachfrage.

Ist der BDX-Wahnsinn mit der Tulpomanie vergleichbar, als Gier und Leidenschaft einen völlig überhitzen Markt kreierten, der dann jäh zusammenbrach? Nein, das kann man nicht vergleichen. Sicherlich gab es mit den Traumjahrgängen 2009 und 2010 Übertreibungen. Da haben einige Geld verloren, die zu überhöhten Preisen kauften. Wie man sieht, hat sich das jedoch von selbst erledigt. Wein auf dieser Ebene ist ein jährlich begrenztes Luxusgut und den Gesetzen des Marktes unterworfen. Nichts in Bordeaux ist verrückt oder irrational. Sündhaft teure Weine gibt es inzwischen in fast allen Regionen. Manche meinen, Burgund sei noch viel verrückter.

Was sind das für Leute, die teilweise 1.500 Euro für eine Flasche BDX-Wein ausgeben und was machen die damit?
Menschen, die das Besondere suchen. Manchmal Spekulanten. Sehr oft normale Sammler und Weinfanatiker, die extra Geld sparen, um es für ihr Hobby auszugeben. Und natürlich die Einkäufer der Sternegastronomie.

Welcher BDX-Wein liefert Deiner Meinung nach das beste Preis-Leistungs-Verhältnis? Es gibt viele tolle Weinwerte in Bordeaux und es ist ein Fehler zu glauben, BDX-Weine seien grundsätzlich teuer. Weine wie Cambon La Pelouse, Sociando-Mallet, Phélan Ségur, Rauzan-Ségla, Meyney und Calon-Ségur sind regelmäßig unter den Outperformern und kosten nicht viel mehr als ein Großes Gewächs aus Deutschland. Auch die deutlich günstigeren Zweitweine der bekannten Châteaux sollte man sich anschauen.

Wieviel Zeit und Geld muss man investieren, um BDX-Kenner zu werden? Wie an der Börse fünf bis 10 Jahre.

Was zeichnet Deiner Meinung nach einen guten Bordeaux-Wein aus? Eleganz und Herkunft. Es gibt kaum eine Region, die so stark ihr Terroir zum Ausdruck bringt. Man kann mit ein bisschen Erfahrung und Talent relativ gut einzelne Appellationen wie Margaux, Pauillac oder St. Éstephe erkennen und das linke vom rechten Ufer unterscheiden.

 

Datum: 1.10.2020
 

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