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Trautwein: unser Leben im Weinberg

Lindenschwärmer-Raupe mit Analhorn.
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Seit der Captain die Weine des Winzerpaares Ann-Christin und Christoph Trautwein trinkt und ihnen auf Socialmedia folgt, weiß er, was ein Analhorn ist.
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Ein neues Jahr ist angebrochen. Der Captain macht reinen Tisch, wie das zum Beginn eines Zeitabschnitts gehört, und räumt mit den eigenen Fehlern auf, die sich angehäuft haben. Nein, da kommt jetzt nichts Zwischenmenschliches ans Licht, keine Sorge! Die allgemeine Mode der emotionalen Selbstentblößung ist am Captain vorbeigerauscht wie ein ICE der Deutschen Bahn, der endlich pünktlich ist, weil nur noch wenige Passagiere den Ablauf stören. Ist ja ein Quasi-Staatsbetrieb mit Monopolistenstatus, der mit Steuergeld beheizt wird. Da muss man nicht so auf Endkunden Rücksicht nehmen.

Die Fehler, die der Captain gleich neben seinem Abendwein auf die Tischplatte legt, sind weinfachlicher Natur und wurden von aufmerksamen Lesern korrigiert. Jedes Mal, wenn sich der Captain bei so einem Fehler ertappt fühlt, macht er einen Trautwein auf. Das ist gelebte Tradition, bis die letzte Flasche Trautwein leer ist. Das Winzer-Ehepaar Ann-Christin und Christoph Trautwein genießt den Vorteil, dass der Beruf im Familiennamen eingebaut ist. Das ist günstig, wenn man Wein vermarkten will und eher egal, wenn man andere Berufsziele verfolgt und zum Beispiel einen Verleih von mobilen Toiletten für Musikfestivals betreibt. Dann hilft der Name Trautwein wenig. Ich kenne einige Winzer, in deren Namen das Wort „Wein“ steckt: Weinmann (Worms), Weinreich (Bechtheim), Weinreuter (Leingarten in Württemberg) usw. Blöd ist, wenn man Sauer heißt und trotzdem Winzer ist. Dann muss man sich doppelt anstrengen, wenn man wohlschmeckende Getränke herstellen möchte. Geht aber, wie zwei sehr erfolgreiche fränkische Winzer zeigen, die diesen Namen tragen.

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Wirkt sich ein bedeutungsvoller Name auf den Lebensweg eines Menschen aus? Der Sozialforscher Brett Pelham, der dieser Frage ausgedehnte Forschungen widmete, sagt ja. Pelham wies in Studien den sogenannten name letter effect nach, demzufolge der eigene Name unbewusste Lebensentscheidungen beeinflusst.

Somit wäre nun geklärt, warum die Trautweins Weine machen, denen man trauen kann. Sonst hätte der Captain diese Bordsitte nicht eingeführt. Was sind nun die neuesten Fehler, die der Captain mit einem Abendwein aus dem Hause Trautwein zu begießen trachtet? Lapsus #1: Weinhefen sind keine Bakterien, sondern (Zitat): … Sproßpilze, die im besten Fall zur Vergärung von Zucker zu Alkohol fähig sind. Nebenbei machen sie auch fast alleine das, was wir das Weinaroma nennen – flüchtige Ester, Aromastoffe (aus der Gruppe der Phenole) und so weiter. Deshalb schmeckt Traubensaft meist ziemlich fad-süß und etwas sauer. Ohne Gärung nix dolles. Ausnahmen können Sorten wie Traminer sein. Da ist schon in der Beere was schmackhaftes drin (Terpene).“

Auf diesen Irrtum wies der globale Weinberater Jens Heinemeyer den Captain hin, als er solchen Quatsch in einem Artikel niederschrieb. Bakterien, Viren, Sporen – allmählich müsste man in Zeiten wie diesen Bescheid wissen, was die Unterschiede sind. Jens weiß das schon lange, denn er stellt seine önologische Expertise nicht nur Winzern bis rauf nach Norwegen zur Verfügung, sondern füllt im Rheingau eine sehr feine und kleine Pinot-Noir-Kollektion ab. Steht alles im oben verlinkten Artikel. Der Captain und Jens haben einen Deal: Jedes Mal, wenn der Captain Mist baut, gibt Jens Bescheid.

Auf Lapsus #2 machte den Captain einer seiner Schweizer Leser aufmerksam. Ja, dem Captain folgen gar nicht wenige Weinfreunde aus dem Nachbarland. Genau 3.953 unique visitors waren es in den letzten 30 Tagen. Quelle: Google Analytics. Das sind immerhin etwas mehr als 9% aller Leser. Und was war das für Fehler? Irrtümlich schrieb der Captain neulich, dass in Schaumweinen Kohlensäure (H2CO3) enthalten sei, die Perlen macht und so schön prickelt. Falsch, schrieb mein Schweizer Leser Roy, dessen Nachname ich nicht nenne, weil ich nicht weiß, ob er das will. Roy ist Steuerfachmann. Solche Freunde kann man immer gebrauchen. Wenn es mit diesem Schiff so weitergeht, wie nunmehr seit März, muss sich der Captain Gedanken machen, wohin er das ganze Geld packt, das er hier verdient, um es vor den gefräßigen Umverteilern in Sicherheit zu bringen. Apropos gefräßig (siehe Foto ganz oben), dazu komme ich gleich. Zurück zu Roy und der Kohlensäure (H2CO3), die KAUM in Sekt und Champagner zu finden ist, aber dafür: Kohlendioxid (CO2). Zitat Roy: „In Schaumweinen ist Kohlenstoffdioxid (CO2) drin. Ein wenig Kohlensäure (H2CO3) bildet sich beim Kontakt von CO2 mit Wasser. Wir reden jedoch über die Zugabe von CO2 (Imprägnierung) bei billigen Schäumern, bei Champagner bildet sich durch Zugabe von Hefe und Zucker in der Flaschengärung (zweiten Gärung) CO2 und Alkohol. Die Bläschen sind also Kohlenstoffdioxid (CO2) und keine Kohlensäure (H2CO3). Leider wird CO2 umgangssprachlich oft zu Kohlensäure (H2CO3) umgedichtet. Das hat wohl mit dem schlechten Image von Kohlenstoffdioxid zu tun.“

Ich hoffe, das ist jetzt korrekt wiedergegeben. Wenn nicht, gibt’s bald wieder Bio-Trautwein. Ja: bio. Präziser: biodyn. Die Trautweins (genauer gesagt: ihr Weingut) sind biozertifiziert und wenden die Methoden der Biodynamie an. Dabei frage ich mich, ob man auch Menschen, die nachhaltig leben, biozertifizieren könnte. Muss man mal mit den GRÜNEN besprechen.

Und weil die Trautweins seit ein paar Monaten socialmediamäßig richtig Gas geben und auf Instagram wunderschöne Fotos herzeigen und dadurch in der Weinguts-PR die Nase vorn haben, weiß der Captain jetzt, was ein Analhorn ist.

Richtig gelesen. Der kleine Zapfen am Ende der Raupe oben im Bild heißt Analhorn und gehört zu jedem Lindenschwärmer dazu, der zur Gattung der Nachtfalter zählt, die wiederum eine Untergruppe der Schmetterlinge bildet.

Die Raupen des Lindenschwärmers ernähren sich von Blättern, die an Laubbäumen wachsen. Entwarnung für die Rebstöcke! Dass sich diese wunderschönen Tierchen im Weinberg der Trautweins niederlassen, ist ein gutes Zeichen, denn Pestizide mögen sie gar nicht. Die Lindenschwärmer-Männchen werden des Nachts stark durch Lichtquellen und unbegattete Weibchen angelockt, was den Captain spontan an seine Zeit als junger Mann in Wien und an das Nachtleben damals erinnert. Tolle Soul-Clubs gab es dort.

Die Trautweins machen Wein vom und am Kaiserstuhl, aber mein heutiger Trautwein wird aus Trauben hergestellt, die an der Ahr wuchsen, also viel weiter nördlich. Dort erbte Ehemann Christoph von seinen Eltern eine Spätburgunderpflanzung, die er bearbeitet. Der frisch gepresste Jungwein wird jedes Jahr von der Ahr runter nach Bahlingen gebracht und ins Holzfass gesteckt. Der → Spätburgunder Ahrweiler Forstberg 2018 von Trautwein ist ein herrliches Beispiel für den neuen deutschen Pinot-Stil: angsteinflößend karg, tiefgründig und mild: Rotwein, der in Südlage im Anbaugebiet Ahr wuchs, dort gepresst und als Jungwein zum Kaiserstuhl gebracht wurde, wo er zum Reifen ins Fass kam. Im Glas sattes Karminrot, ganz wenig Trub. In der Nase dichte Schattenmorellen-Aromatik, geradezu betörend. Dann Bio-Kakaopulver, zerbrochenes After-Eight, aus dem Minzduft strömt, Zigarrentabak. Herrlich-differenziert und kühl. Im Mund dunkelwürzig nach Sauerkirsche total. Wunderbar frisch, extraktreich und leicht pfeffrig. Am Gaumen Blutorange mit eleganten Bitternoten. Was für ein Ausdruck konzentriert-karger und dabei leichter Eleganz! Alkohol: nur 13% Vol. Muss man trinken.

Übrigens: Deutschland gilt ja als drittgrößter Produzent von Pinot Noir weltweit. Und das Anbaugebiet Ahr ist die größte geschlossene Rotweinzone des Landes, gehört mit 562 Hektar Anbaufläche aber insgesamt zu den kleinen Weinregionen. Das Klima ist mild und begünstigt den Weinbau. In den berühmten Steillagen der Ahr kann es richtig heiß werden. Dennoch ist die Ahr Wein-Norden. Noch weiter nördlich wächst keine Traube mehr, die ernst zu nehmen wäre. Außer drüben an Saale, Unstrut und Elbe. Aber auch das ist dank des Klimawandels nicht in Fels gemeißelt. Weil Rotwein so wichtig für die Ahrmenschen ist, haben sie einen Rotweinwanderweg angelegt, auf dem man die herrliche Landschaft bewundern kann.

 

Datum: 2.1.2021
 

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