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So schmeckt Wein von Thomas Gottschalk

Linkes oder rechtes Ufer, Thomas?
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Was taugt der Discounterwein von Thomas Gottschalk? Der Captain besorgte sich eine Flasche Ruby Red aus kalifornischen Trauben und berichtet.
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Die Berichterstattung im Vorfeld der neuen Weinserie von/ mit Thomas Gottschalk für die Discounterkette NETTO war fett. Natürlich sprangen alle Medien auf und sogar der Spiegel berichtete ausführlich. Schön, dass Wein so viel Beachtung genießt. Dafür müssten alle deutschen Winzer dem Thomas eigentlich dankbar sein. Aber halt! Die Weine kommen ja aus Malibu, Kalifornien! Dann wird das nix mit der Winzerliebe.

Egal, der Captain behandelt alle Weine gleich, ungeachtet ihrer Herkunft. Und so wanderte Gottschalks Ruby Red (aus kalifornischen Cabernet-Sauvignon-Trauben, Jahrgang 2019) von der Charlottenburger Netto-Filiale direkt in die mundgeblasene Karaffe des Captain. Wie gesagt: All wines are equal.

Mit dem Projekt eifert Gottschalk seinem jüngeren TV-Kollegen Günther Jauch nach. Es gibt sogar ein entsprechendes Zitat: Wir waren immer Vorbilder füreinander. Ich bin seines, was den Job betrifft, Günther ist mein Vorbild als Geschäftsmann. Oje, denkt sich der Captain, denn Jauchs ALDI-Wein ist alles andere als ein Vergnügen. Und das ist noch höflich ausgedrückt. Die Wahrheit ist: Jauchs ALDI-Wein schmeckt einfach nur grässlich und ist eine Beleidigung für jeden Hersteller, der sich für guten Wein den Buckel krumm macht. Klick aufs Bild und lies die Weinbeschreibung des Captain über die Cuvée Günther Jauch Rot:

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Wie konnte es zu dieser sagenhaften Brühe kommen, an der namhafte Player im deutschen Weinzirkus beteiligt waren? Die da wären: Jauchs Kellermeister bei Othegraven → Andreas Barth, Weinfabrikant → Matthias Willkomm und Master of Wine Markus del Monego, der bis Ende 2018 für ALDI die Qualitätskontrolle erledigte. Man sagt, die Jauch-Weine (es gibt noch Weiß und Rosé) seien trotz unterirdischer Qualität ein gutes Geschäft gewesen. Umso mehr war der Captain auf Gottschalks Wein-Streich gespannt. Ist der auch eine Jauche?

Aldi-Wein von Günther Jauch: die Jauche



Lies selbst, wie dem Captain Thomas Gottschalks Ruby Red schmeckte:
Im Glas sattes Dunkelrot. In der Nase Kirschkuchen mit Streusel, ein Hauch roter Paprika, angeschwitzte Champignons. Das wirkt erstmal gar nicht schlecht. Im Mund angenehm weich und saftig. Ich schmecke Schattenmorelle, ein bisschen Granatapfelsaft, zarte Bitternoten von dunkler Schokolade. Ordentliche Balance, guter Trinkfluss, angenehm wenig Alkohol: 13% Vol. Der Captain staunt und nimmt noch einen Schluck. Jetzt Blutorange, etwas grüner Paprika, schwarzer Pfeffer, gut dosierte Säure, die sich gegen heimelige Restsüße stellt. Natürlich ist da weder Tiefe noch Struktur, aber hey: das ist 6-Euro-Wein! Ok, man will gar nicht wissen, mit welchen Tricks aus der önologischen Zauberkiste dieser Rotwein, der vor knapp 12 Monaten gelesen wurde im Turbo-Verfahren trinkreif gemacht wurde, aber eines ist sicher: Keines der hier angewendeten Mittel und Verfahren ist so giftig wie der Alkohol, der in dieser Flasche darauf wartet, deine Gehirnzellen zu verwüsten. Da kommt selbst 24 Stunden RTL-Gucken nicht gegen an.

Ersonnen hat die Gottschalk-Weinserie ein gewisser Guido Gottwald aus Velburg in der Oberpfalz, abgefüllt wurde in der Weinfabrik F.W. Langguth Erben in Traben-Trarbach an der Mosel. In seinem Corona-Exil in März und April, das ihn in Miami festhielt, trank der Captain simplere Weinchen kalifornischen Herkunft, die das Vierfache kosten. Und deshalb resümiert er so: Hier hat sich einer Mühe gegeben und einen Wein ausgewählt, der hält, was er verspricht („take it easy“) und greift nicht einfach nur rücksichtslos nach dem schnellen Geld , das ein bekannter Showbiz-Name zuverlässig in die Kasse spült. Wenn auf diese Weise deutsche Konsumenten an höhere Weinpreise als 4 Euro gewöhnt werden, ist alles gut.

Beim Weineinkauf im Lebensmittelhandel gab der deutsche Verbraucher 2019 im Durchschnitt 3,12 Euro/ Liter und damit drei Cent mehr als im Vorjahr aus. 79 Prozent aller Weine wurden 2019 im Lebensmitteleinzelhandel (LEH = Supermarkt, Verbrauchermarkt, Discounter) eingekauft. Alleine über die Discounter (ALDI, LIDL, NETTO etc.) laufen rund 50 Prozent des deutschen Weinkonsums. Über den Online-Handel wurden 2019 nur vier Prozent der Weine vertrieben. Dieser Wert dürfte sich im Zuge der Pandemie stark verschoben haben.

 


Datum: 6.8.2020 (Update 7.8.2020)