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Marx: das graue Manifest

Winzer Rainer Marx.
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Der Captain trinkt durchgeknallten Grauburgunder, der ganz wunderbar schmeckt. Nur nicht nach Grauburgunder, wie man ihn kennt.
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Wenn ein Winzer Marx heißt, muss er irgendwann auf die Idee kommen, seinen Namen durch einen Marketing-Gag auszuschlachten.

Karl Marx (geboren 1818 in Trier) liebte Wein. Seine Familie hatte einen Weinberg. Die Weinbaukrise der 1840er-Jahre, ausgelöst durch eine rasant steigende Überproduktion, gab dem jungen Marx Anlass, um über ökonomische Fragen nachzudenken und Zeitungsartikel zu verfassen. Aber das reichte ihm nicht. Der unbändige Geist suchte nach einem lauteren Ventil. Sein Wissen und Denken kumulierte 1848 im „Manifest der kommunistischen Partei“, das Marx gemeinsam mit Friedrich Engels verfasste und als ideologische Grundlage für paradiesische Träume und grauenhafte Verbrechen diente.

Ende der Nachhilfestunde im Bildungsprogramm des Captain und Überleitung zu Rainer Marx, Winzer in Windesheim im Anbaugebiet Nahe. Der Mann (Foto oben) herrscht über 10 Hektar Rebland und gilt als Grauburgunderexperte. Die Sippe lebt nachweislich seit über 400 Jahren von der Landwirtschaft. Vielleicht sogar noch länger.

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Ein Beitrag geteilt von Weingut Marx (@weingutmarx)

Wenn in einem Familienstamm über Hunderte Jahre mehr oder weniger das Gleiche passiert, ist nicht auszuschließen, dass in einer Ganglie mal ein Draht schmilzt und der plötzliche Mikro-Spannungsabfall eine unterbewusste Schockreaktion auslöst, die sich als „Idee“ äußert. Bei Rainer Marx war das eine neue Weinlinie namens MARXisMUSS mit Wein in zwei Farben: weiß und rot. Rainer: Der Wein ist kein politisches Statement, sondern eine Hommage an Karl Marx‘ Liebe zum Wein.

Aha. Seinem Grauburgunder MANIFEST und dem Spätburgunder KAPITAL ließ Rainer Marx besondere Sorgfalt zukommen – bis hin zu den Etiketten und einer schicken Holzkiste.

Marketingweinen tritt der Captain stets überkritisch entgegen, weil ihnen der Verdacht anhaftet, mehr Schein als Sein zu liefern. Deshalb verkostete er beide Weine doppelt pedantisch und war vom Grauburgunder restlos begeistert. Ja, der MARXisMUSS Manifest Grauburgunder trocken von Marx ist ein exzentrisches Stück Wein, das mich durch seine radikale Sensorik faszinierte. Denn die ist ein önologisches Statement: Maischevergorener Leckerbissen aus dem Hitzejahr 2018, der dem Winzer zunächst Angst machte, weil er himbeerrot leuchtete. Deswegen wurde er nach der Vergärung ruckzuck für zwei Jahre im Tonneau versteckt, wo er auf der Hefe vor sich hindämmerte. Das hat ihn auf jeden Fall verändert. Im Glas beeindruckend leuchtendes Dunkel-Orange und ganz klar. Sieht wunderschön aus wie Hagebuttentee. In der Nase Blutorangenschale, kräutrig und kirschfruchtig. Mundgefühl wie bei Rotwein: sanfte Rote Johannisbeere, Walderdbeere, Earl-Grey-Tee mit feinen Gerbstoffen und die rauchige Süße von braunem Kandiszucker. Dabei enorm stoffig und spannungsgeladen. Das ist kein Speisebegleiter, sondern der Hauptgang. Am Gaumen Rosa Grapefruit und ein Büschel frischer Gartenkräuter. Aufregende Weißweinrarität mit 13,5% Vol. Alkohol.

Von diesem Wein wurden weniger als 600 Flaschen abgefüllt und es ist nicht mehr viel da. Dies ist kein Getränk, das man nebenbei wegschlabbert. Dafür ist es viel zu teuer. Eher eine Rarität, die man rausholt, um besonderes Essen zu begleiten. Oder einfach nur, um den puren Saft auf der Zunge zu spüren

 

Datum: 13.7.2021
 

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