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Ich liebe Blind-Verkostungen!

Was haben wir denn da so geschmackvoll eingewickelt?
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Blindverkostungen von Wein sind ein Spaß. Selbst wenn man komplett versagt. Wie zum Beispiel bei einem Wein aus Spanien, den ich viel teurer eingeschätzt habe.
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Gelegentlich treffen wir uns und machen ein paar Flaschen Wein auf. Die sind dann mit Alufolie umwickelt oder in Strümpfe gesteckt, damit keiner sehen kann, welcher gerade entkorkt oder aufgeschraubt wird.

Jeder muss verkosten und sagen, um welchen Tropfen es sich handelt. Mit ein bisschen Erfahrung geht das meist ganz gut.

Neulich aber hatte einer dieser Menschen ein leicht gemeines Funkeln in den Augen, als er mir einen Wein ins Glas goss.

„Den errätst du nie“, prophezeite er.

„Du kannst mich mal“, brummte ich zurück.

„Wenn du es schaffst, dann darfst du Dir eine Flasche aus meinem Keller aussuchen“, sagte er lächelnd.

Dieser Freund sammelt alte Bordeaux, das muss man wissen, um diese Aussage in ihrer Gesamtheit begreifen zu können.

Ich nehme also das eingeschenkte Glas und schaue mir erstmal die Farbe an: Zitronengelb, relativ hell. Das gibt mir keinen Hinweis. Die Nase aber schon. Ich rieche gelben Äpfel, etwas Pfirsich und frische Küchenkräuter. Dazu kommt ein Hauch Butter mit Honig.

So trainiert ihr euren Geruchssinn

Wie verkostet man Wein wie ein Profi?

Am Gaumen ist der Pfirsich deutlich im Vordergrund. Der Apfel ist zwar immer noch präsent, hält sich aber nun zurück. Wunderbar geschmeidig wird der Tropfen durch die Noten von Butter mit Honig, die immer stärker werden, je länger er im Glas ist. Die Säure pendelt im mittleren Bereich.

Da die Früchte sehr frisch schmecken und der Wein insgesamt kühl wirkt, tippe ich auf ein eher nördliches, nicht allzu warmes Anbaugebiet.

Ich nehme noch einen Schluck, dann wage ich einen Tipp. „Chardonnay“, sage ich, „aus dem Burgund. Preisklasse um die 15 Euro.“

Der Kerl, der mit mir am Tisch sitzt, grinst: „Alles falsch. Einen Versuch hast du noch.“

Mist. Also nochmal die ganze Prozedur. Anschauen, riechen, schmecken. Vielleicht irgend etwas deutsches? Ein Norditaliener?

Ich habe keine Ahnung und wage einen Tipp ins Blaue: „Silvaner aus dem Eisacktal in Südtirol.“

Wieder verkehrt. „Du hast einen Macabeo aus Calatayud in Spanien im Glas“, sagt mein Gegenüber. „Und zwar einen, der richtig günstig ist.“

Bitte was?

Das Anbaugebiet Calatayud liegt in Nordostspanien und ist eher bekannt für kräftige, alkoholstarke Rotweine. Das bisschen Weißwein von dort ist meist aus Macabeo gekeltert. Die Reben, aus denen dieser Stoff hier gemacht wurde, sind bereits 35 Jahre alt. Kein Wunder, dass es so intensiv schmeckt. Ab etwa 25 Jahren sinkt die Produktivität der Stöcke, die Qualität der Trauben aber steigt.

Nun habe ich zwar keine Flasche gewonnen, das macht aber nichts. Dieser Macabeo mit 13,5 Volumenprozent Alkohol entschädigt mich aufs Beste dafür.

Dieser Wein ist ein echter Knüller. Kostet fast nichts und schmeckt einfach sensationell.

Im Laufe des Abends genießen wir zu diesem Wein einen Seeteufel vom Grill und später eine gefüllte Kalbsbrust. Passt beides bestens.

 


Datum: 6.6.2018