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Welcher Wein schmeckt bei Fieber?

Crianza zur Influenza.
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Winterzeit ist Grippezeit. Deswegen wurde bei unserem Weintester Patrick Hemminger neulich etwas anderes verkostet.
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Heute verkoste ich nicht alleine und erstmal keinen Wein. Auf meinem Schoß sitzt meine Tochter, zweieinhalb Jahre jung und ziemlich heiß: 40 Grad Fieber. Vor ihr auf dem Tisch stehen drei verschiedene Fiebersäfte. Die kleine Dame hat einen ähnlich feinen Gaumen wie ihr Vater und nicht jeder Tropfen ist ihr würdig genug. Da uns ein fieser Virus aber keine andere Möglichkeit lässt, habe ich vorgesorgt und ein paar Tropfen zur Auswahl angeschleppt.

Den ersten reiche ich ihr mit dem Messlöffel aus der Packung. „Lustig Löffel“, kommentiert sie und verzieht die Miene, als sie den Saft probiert. Die Augen füllen sich mit Tränen, „Nein!“ Ich koste ebenfalls. Starke Kräuternoten, sehr bitterer Abgang. Abgelehnt.

Nummer zwei ziehe ich auf eine Spritze mit Messstrichen und gebe den zähen, weißen Sirup danach auf einen Löffel. Die Kleine ist misstrauisch geworden. „Papa Du“, fordert sie. Ich probiere. Deutlich besser als der erste, vor allem süßer. Ich schmecke Aromen von Gletschereisbonbon, Kirsche und ein paar Kräutern. Aber meine Tochter bemerkt mein Zögern und presst die Lippen aufeinander.

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Also Nummer drei. Ich beschließe, Begeisterung zu zeigen. Schweinchenrosa glibbert das Zeug auf den Teelöffel. Künstlicher Erdbeergeruch erschlägt mich fast. Der Saft schmeckt wie billiger Erdbeerjoghurt mit SEHR viel Zucker. „Lecker“, rufe ich begeistert und halte dem Nachwuchs den Löffel hin. Skeptisch taucht die Kleine die Zunge in die Glibbermasse, dann weiten sich die Augen. „Ist lecker“, stimmt sie mir zu, leckt den Löffel penibel sauber und legt sich wieder ins Bett.

Ich setze mich daneben, lege ihr einen kühlen Lappen auf die Stirn, und singe ein paar Lieder. Und dann mache ich mir etwas Richtiges auf. Ich will diesen Erdbeergeschmack loswerden. Deshalb gehe ich in meinen Keller und greife zu einem Crianza aus dem spanischen Gebiet Ribera del Duero vom Weingut Dominio Basconcillos. 100% Tempranillo. Crianza bedeutet für einen Wein aus dieser Region, dass er mindestens 12 Monate in Eichenfässern reifte und danach noch einmal die gleiche Zeit in der Flasche.

Wer es noch etwas genauer wissen will, sollte diesen Artikel von mir lesen:

Wie lese ich ein spanisches Weinetikett?

Zurück im Kinderzimmer. Während ich „Bruder Jakob“ summe, schnuppere ich am Glas. Ich rieche Brombeere und Schwarzkirsche. Etwas verhalten kommen noch Schokolade und Espresso hinzu. Bei „Kein schöner Land“ beginnt sich der Wein zu öffnen. Nun finde ich zusätzlich Noten von getrockneten Kräutern und schwarzem Pfeffer. Am Gaumen entfaltet sich jetzt eine wahre Geschmackskaskade. Wieder Brombeere und Schwarzkirsche, nun noch ergänzt um Nuancen roter Früchte – etwas Himbeere und Erdbeere. Dann folgen Kakao und Kaffee sowie dezente Vanillenoten vom Holzausbau und ein laaanger Abgang. Die recht hohe Säure lässt den Wein dabei frisch und elegant wirken.

„Papa…“ tönt es ein bisschen vorwurfsvoll aus dem Bett neben mir. Ich habe vor lauter Freude an diesem Wein doch glatt aufs Weitersingen vergessen.

 


Datum: 27.12.2019 (Update 29.12.2019)
 

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