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López de Heredia: der seltsamste Rosé

Alter, siehst du aber orange aus!
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Gereifter Rosé - schmeckt das überhaupt? Der Captain trank einen seltenen und vornehm gealterten Wein dieser Farbklasse und berichtet.
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In der Regel ist Rosé ein Abfallprodukt der Rotweinherstellung und schmeckt auch so. Ja, der Captain ist kein Roséfreund, das merkt man schon beim ersten Satz. Er bestellt außer Hause nie Rosé, denn er weiß: Gastronomierosé wird abgefüllt (hergestellt wäre ein unangemessenes Wort), um schnelles Geld zu verdienen, und nicht die Herzen der Weinfreunde mit Spaß zu füllen.

Vor dem Roséboom (es ist noch gar nicht lange her) landete die rosa Brühe noch im Gully der Weingüter. Und das kam so: Rosé entsteht, wenn Most dem für Rotwein vorgesehenem Wein entzogen wird. Das bedeutet, man produziert Rotwein, möchte selbigem aber mehr Extrakt (Konzentration) geben. Deshalb entzieht man ihm (auf der Maische liegend) einfach ein paar Hundert Liter seines Saftes. Und bekommt in Relation mehr Kraft in den Roten. Man nennt dieses Verfahren Saignée, der Begriff kommt vom französischen Verb saigner und das heißt bluten. Dem Winzer bleibt ein verwertbares Nebenprodukt, ein meist flacher und schaler Roséwein.

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In der Regel ist Rosé ein Abfallprodukt der Rotweinherstellung und schmeckt auch so. Ja, der Captain ist kein Roséfreund, das merkt man schon beim ersten Satz. Er bestellt außer Hause nie Rosé, denn er weiß: Gastronomierosé wird abgefüllt (hergestellt wäre ein unangemessenes Wort), um schnelles Geld zu verdienen, und nicht die Herzen der Weinfreunde mit Spaß zu füllen.

Vor dem Roséboom (es ist noch gar nicht lange her) landete die rosa Brühe noch im Gully der Weingüter. Und das kam so: Rosé entsteht, wenn Most dem für Rotwein vorgesehenem Wein entzogen wird. Das bedeutet, man produziert Rotwein, möchte selbigem aber mehr Extrakt (Konzentration) geben. Deshalb entzieht man ihm (auf der Maische liegend) einfach ein paar Hundert Liter seines Saftes. Und bekommt in Relation mehr Kraft in den Roten. Man nennt dieses Verfahren Saignée, der Begriff kommt vom französischen Verb saigner und das heißt bluten. Dem Winzer bleibt ein verwertbares Nebenprodukt, ein meist flacher und schaler Roséwein.

Tatsächlich entsteht die Mehrheit der gängigen Roséweine in diesem Verfahren. Man darf sich also nicht wundern, wenn guter Rosé etwas mehr kostet, als der verzichtbare Saft des Entzugsverfahrens. Guter Rosé muss immer aus dafür vorgesehenen Trauben gekeltert sein und für sich alleine stehen. Soviel der Vorrede. Und nun zum Haupttext.

Neulich trank der Captain einen teuren Rosé, dessen Trauben extra für die Roséweinproduktion gelesen und verarbeitet wurden. Aber es war kein normaler guter Rosé, es war der seltsamste Rosé, den der Captain je trank. Eine aufregende Rarität aus dem Rioja, ausgebaut in uralten amerikanischen Barrique-Fässern und 10 Jahre lang gereift.

Das Weingut R. López de Heredia Viña Tondonia ist vor allem dafür bekannt, dass es als eines der ganz wenigen den Verlockungen widerstand, sich dem Geschmacksdiktat von Robert Parker zu unterwerfen und so in den 1990er-Jahren traumhafte Absatzzahlen zu erzielen. Nein, man blieb beim alten, leichten, delikaten Rioja-Stil und pfiff auf die Dickweinmode mit Vanillenoten.

Der Rosado Gran Reserva von López de Heredia kostet ganz schön viel Geld für einen Rosé, aber das ist nicht das einzige Seltsame an ihm, denn er wurde aus roten und weißen Trauben hergestellt. Das ist in der EU eigentlich verboten, aber es gibt viele regionale Extrawürste und deshalb darf dieser Wein aus Tempranillo, Garnacha und Viura bestehen. Was ist Viura? Die Rebsorte kennt man unter einem anderem Namen: Macabeo, eine in Nordspanien häufig angebaute Weißweintraube.

Und auch sonst fällt dieser rosa Wein, der eigentlich orange aussieht, aus dem Rahmen. Garnacha, Tempranillo und Viura vergoren nämlich gemeinsam. Dann wanderte der Saft für vier Jahre in die Fässer, um danach für mindestens weitere vier Jahre in den Flaschen zu ruhen, bis er nach 8 bis 10 Jahren für den Verkauf freigegeben wurde. So sind sie drauf bei López der Heredia.

Der Captain entnahm diesen raren Wein aus dem privaten Verkostungsschrank von Ausnahme-Sommelier André Macionga, dem Weinbeauftragten von Koch-Genie Tim Raue. Hoffentlich ist er nicht sauer. Hier ist mein Porträt über diesen stillen Experten, der weder eine Wein-Ausbildung genoss (außer Trinken) noch eine Sommelier-Prüfung ablegte:

André Macionga: Parfumeur des Weins

Wie schmeckt nun der edel gereifte Gran Reserva Rosado von López de Heredia Viña Tondonia? Im Glas altrosa mit orangen Reflexen. In der Nase fast wie Rotwein: Hagebutte, Orangenschale, Sauerkirsche, Rote Johannisbeeren. Alles sehr reif, fast schon überreif, also à la anglais. Die Briten lieben ja Weine, die für uns schon gekippt schmecken. Es gibt sogar einen berühmten und sehr traurigen Song darüber: → Old Red Wine von The Who für den verstorbenen Bassisten der Band, der überreife Rotweine liebte. Im Mund knackig-trocken und gefühlt wie Weißwein mit rassiger Säure, viel Kräuterwürze, Mineralik und trotz Altersnoten sehr erfrischend. Der Wein hat mächtig Zug, mit der Wärme kommen Töne von Roter Johannisbeere, Kirsche, Rosa Pfeffer, Pampelmuse hervor, er wird immer weicher und zugängliche und wieder zum Rotwein. Ein wirklich interessanter Tropfen. Ich trank noch nie so alten Rosé.

Übrigens, von diesem Weingut leerte ich schon etliche ältere Flaschen und zwar in einem Lokal, das berühmt für seinen Weinkeller ist und viele gereifte spanische Tropfen bereithält, die nicht mal übertrieben viel kosten. Es ist das Restaurant Horcher in Madrid, das ursprünglich in Berlin zu Hause war und als beliebtes Lokal der Nazischwein-Elite galt. Als 1943 der Bombenkrieg unerträglich wurde, brachte man das gesamte Inventar inklusive Porzellan mit einem Sonderzug nach Madrid, wo es bis heute an derselben Stelle geöffnet hat und wirklich eine Kuriosität darstellt. Auch was das deutsch angehauchte Speiseangebot betrifft. Ich werde darüber schreiben

 


Datum: 31.7.2020
 

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