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Hast du Asche für La Tâche?

La Tâche, ein nicht ganz günstiges Produkt der burgundischen Landwirtschaft.
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Was soll man über einen Wein schreiben, der fast 4.000 Euro kostet?
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Interessiert jemanden, wie der schmeckt? Will einer wissen, wie der hergestellt wird? Besteht Neugier darüber, wer ihn trinkt?

Ich würde sagen ja. Es ist wie bei den Fahrtests in der Zeitschrift „Autorevue“. Für den Stuttgarter Verlag hat der Captain mal gearbeitet. Deswegen weiß er, dass die wenigsten Leser dieses Titels sich einen nagelneuen Bentley leisten können. Trotzdem ist jedesmal, wenn ein neuer Bentley mit Fahrbericht und allem Drum & Dran vorgestellt wird, genau diese Ausgabe die meistverkaufte des Jahres. Menschen wollen träumen.

Lasst uns also ein bisschen träumen.

Das Gut, von dem der La Tâche kommt, gilt bei Kennern als das beste der Welt. Es handelt sich um die Domaine de la Romanée-Conti im Anbaugebiet Côte d’Or, das zum Burgund gehört. Die beiden Eigentümerfamilien namens de Villaine und Leroy haben insgesamt 25,5 Hektar Weinreben unter ihrem Kommando.

Nur zum Vergleich: Das ebenfalls weltberühmte Weingut Château Lafite-Rothschild im Bordelais gebietet über etwas mehr als 100 Hektar Rebfläche.

Zu Romanée-Conti gehören die besten Lagen in der Gemeinde Vosne-Romanée. Jährlich pilgern Tausende Weinfreaks an den Hängen vorbei und machen vor der etwas langweiligen Kulisse Erinnerungsfotos.

Die Domaine erzeugt jährlich nur 7.500 Kisten Wein. Das ist eigentlich nichts. Und trotzdem (oder deshalb) sind diese Weine ein Kult, um den sich Fans reißen.

Der Kauf einer Flasche La Tâche ist gar nicht so leicht und erfolgt über Vertrauensleute. Das Weingut lässt jeden potenziellen Abnehmer penibel prüfen, ob es sich um einen Wiederverkäufer handelt. Wenn das so ist, kommt der Interessent auf eine schwarze Liste und wird fortan ignoriert.

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Der La Tâche wird aus 100% Pinot Noir-Trauben von alten Rebstöcken gekeltert. Schon Mitte des 13. Jahrhunderts pflanzten Benediktinermönche hier Wein an. Nachdem die Kirche das Weingut 1584 verkaufte, ging es bis zum Ende des 19. Jahrhunderts durch verschiedene Hände. Bis die Familie de Villaine das Anwesen erbte. Die verkauften 1942 die Hälfte davon an die befreundeten Leroys, mit denen man sich bis heute das Sagen im Unternehmen teilt.

Im Juni 2009 trat Bertrand de Villaine als neuer Chef an. Er leitete zuvor einige Optikergeschäfte in der Gegend.

Ja, das Leben nimmt bisweilen überraschende Kurven.

So weit, so allgemein. Was aber macht Romanée-Conti zum Superstar der globalen Weinwelt? Warum schwärmen Weinsammler und Fanatiker so über diese Weine und insbesondere den La Tâche?

Weil er schmeckt, wie er schmeckt.

Ich lasse unseren Luxuswein-Experten Dr. Imtiaz Alikhan aus Hamburg zu Wort kommen, der schon Dutzende Flaschen des La Tâche aus vielen unterschiedlichen Jahrgängen geleert hat.

§

Meine Eindrücke aus unzähligen Verkostungen des La Tâche sind gar nicht so leicht zusammenzufassen. Ich versuche es trotzdem.

Für mich ist der La Tâche eine Symphonie aus Beef, Blut, Trüffel, Zimt, Leder und Orangenschale.

Er hat alles, was ein Weinfreund mag, egal, zu welcher Fraktion er gehört: Bordeaux oder Burgund. Deutschland oder Österreich. Australien oder Südafrika. Alte oder Neue Welt.

Der La Tâche ist ein Wein voller Gegensätze, der zwischen den Exztremen pendelt. Er ist mächtig und trotzdem balanciert. Wollüstig und zugleich karg. Geradlinig und abgrundtief komplex.

Nachdem der Wein sich geöffnet hat, wittert man zuerst zarte Noten von heißem Eisen und Veilchenblüte.

Dann der erste Schluck.

Am Gaumen Schwarzkirsche, Gewürznelke, Zimt und Piment. Zweiter Schluck. Getrocknete Erdbeere. Feinste Tannine.

Nach zwei Stunden Luft entfaltet sich seine volle Pracht: Tabakblätter, kalter Darjeeling-Tee und Mandarinenöl. Herrlich! Beim nächsten Schluck etwas Bratensoße, frisches Blut, Trüffel, Zimt, Rauleder, Süßholz. Und über allem liegt die kirschige Pinot Noir-Frucht.

Man spürt den La Tâche noch stundenlang nach dem Trinken im Mund. Ich kann ihn gar nicht loswerden. Es ist ein eindrucksvolles Erlebnis, diesen Wein zu trinken.

§

Der La Tâche ist ein archaisches Produkt streng biodynamischer Landwirtschaft und auf die Spitze getriebener Sorgfalt. Er ist die Frucht von rauer Hände Arbeit. Und der Ausdruck tiefer Überzeugung.

Wie soll man das verstehen?

Auf der einen Seite sind da Arbeitsweise und ein strenges Bewusstsein für Qualität. Nicht umsonst heißt der Wein La Tâche = die Aufgabe.

Es gehört zum stolzen Selbstverständnis des Unternehmens, dass man sich unter größten Anstrengungen der Perfektion widmet. Vom Weinberg bis in den Keller werden altertümliche Gärtnerei und Weinbereitungsmethoden in höchstmöglicher Präzision gepflegt. Man kann es wie einen religiösen Akt sehen.

Dazu kommt natürlich modernste Analytik, um Reifeverlauf, Zuckergehalt etc. zu überwachen und den optimalen Lesezeitpunkt zu bestimmen. Denn auch bei DRC (so nennen Insider das Weingut) ist die Zeit nicht stehengeblieben.

Die Vergärung erfolgt in offenen, alten Holzbottichen. Der Wein lagert in neuen und sehr feinporigen Eichenfässern und braucht mitunter Jahrzehnte, bis er seinen Höhepunkt erreicht.

Ein junger La Tâche schmeckt für den geübten Gaumen ruppig und ungenießbar.

Angemessen gereift beschert er jedoch ein unvergessliches Trinkerlebnis, weshalb der La Tâche und die anderen Tropfen der Domaine begehrte Sammel- und Investitionsobjekte sind.

Die aktuellen Besitzer der DRC profitieren von der Weinbergs- und Kellerarbeit der Mönche, die sich über Jahrhunderte der Aufgabe unterwarfen, den fast unfruchtbaren Böden der Côte d’Or aus Kalk und Lehm Weine zu entringen, die unvergesslich sind. Man weiß, dass am Hofe Ludwigs XVI die Tropfen von der Lage, die heute La Tâche heißt, besonders gerne geordert wurden. Weil sie schon damals zum Besten gehörten, was das Land hergab.

Und schon früh hat man sich auf Romanée-Conti im Weinberg und Keller der biodynamischen Landwirtschaft gewidmet, darüber allerdings kaum ein Wort verloren.

Auch bei den Fässern wird nichts dem Zufall überlassen. Weinguts-Mitarbeiter picken sich in den Wäldern von Tronçais höchstpersönlich die Bäume raus, aus deren Holz später die Fässer für den La Tâche geküfert werden.

Neben all der Hingabe ist da natürlich auch noch der Boden, der dem La Tâche seine einzigartige Qualität verleiht.

Die Weinlage besteht aus Gesteinsschichten mit perfektem Wasserabzug, welcher den Trauben an den Rebstöcken Lebensbedingungen aufzwingt, die zu Weinen von großer Tiefe und Komplexität führen. Ein geologischer Zufall, herbeigeführt vor Millionen Jahren.

Etwa nur um Weinfreunde auf der ganzen Welt mit dem Genuss des La Tâche zu beglücken? Man will es fast glauben.

Denn ein paar Hundert Meter weiter herrschon schon wieder ganz andere Bedingungen. Von dort kommen Tropfen, die dem La Tâche nicht das Wasser – pardon, den Wein reichen können.

Wie gesagt, über Romanée-Conti sind schon dicke Bücher geschrieben worden und es gibt noch viel mehr über dieses Spitzenweingut und seine Weine zu lernen. Ich lasse es hier gut sein. Vielleicht gewinnt ja einer von euch im Lotto und erinnert sich an diesen Artikel. Oder er hat schon gewonnen. Dann könnte man ja mit einem La Tâche auf das Glück anstoßen.

 


Datum: 22.7.2018
 

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