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Wein für 600 Euro? Ja!

Ganz schön viel Text.
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Der Captain öffnet eine sehr teure Flasche und fragt: Ist ein Wein, der 600 Euro kostet, sein Geld überhaupt wert?
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Ihr fragt euch, warum man einen Wein kaufen soll, der diesen Preis hat? Eine Flasche wohlgemerkt. Nicht eine Kiste.

Genau so einen Wein will ich empfehlen. Und auch den Preis verteidigen, obwohl er kaum zu verteidigen ist. Denn ein Wein dieser Preisklasse kostet in der Herstellung selbst bei Einrechnung aller Kostenfaktoren maximal 40 Euro. Landkauf und Pflege inklusive.

Warum also ein Weingut propagieren? Hier ist es noch dazu kein sympathischer Winzer, sondern ein international agierender Weinkonzern, der mit einer Flasche mehr als das Zehnfache der Herstellungskosten verdienen will. Kann ein Wein so viel wert sein?

Ja, er kann.

Die Rede ist von Penfolds Grange. Der Grange ist ein reinsortiger Syrah aus Australien, dem zur Vollendung Jahr für Jahr ein klitzekleiner Anteil Cabernet-Sauvignon hinzugegossen wird. Ein klassisch produzierter Spitzenwein, der den Weinbau eines ganzen Kontinents repräsentieren soll. Der Grange sagt: Wir hier, weit weg von euch in Europa und der Wiege des Weinbaus, wir können auch große Weine. Und richtig: Der Grange ist ein großer Wein. Entgegen vieler Vorurteile.

Denn Vorurteile kann man viele aufzählen.

Erstens: Er kommt aus einer Weinindustrie, die viele Millionen Flaschen füllt.

Zweitens: Er ist ein Wein, der wie gemacht scheint für amerikanische Gaumen und amerikanische Tester, die den Weltweinbau die letzten zwanzig Jahre traktierten – Stichwort fette und alkoholische Fruchtmarmeladen.

Drittens: Er ist ein Luxusprodukt, das von einer gigantischen PR-Maschinerie hochgehalten wird.

Viertens…

Ach was, wer braucht noch mehr Argumente?

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Doch was hilft das alles, wenn der Wein wirklich ausgezeichnet ist? So gut, dass jedes Glas die 65 Euro wert ist, die es kostet?

Um das zu akzeptieren, muss man einen Schritt zurücktreten und die Essenz destillieren. Was bringt der Grange?

So ein teurer Wein muss beim ersten Schluck überzeugen. Er muss seine Existenz rechtfertigen.

Geben wir ihm die Chance…

Im Glas findet sich (wie erwartet) ein tiefdunkler Saft. In der Nase dann – ganz unerwartet – kaum ein Hauch von Holz. Dafür aber reife Kirsche, viel Mokka, geröstete Nüsse, etwas Rose, Majoran und Salbei. Nur wenig Bitterschokolade, keine Sekunde Beerenmarmelade, keine erdigen Töne, auch keine Idee von Terroir. Ganz am Schluss noch etwas Vanille. Da ist es also, das Holz. Absolut fehlerfrei.

Im Mund beglückend perfekt. Auch hier eine Balance, die man großes Weinmachen nennen muss. In den Nuancen überzeugend geradlinig, nichts überbordet, alles nimmt sich Platz, ohne anderen Geschmackseindrücken Platz zu rauben. Wieder Kirsche, dann auch Feigen und orientalische Dattel. Die Tannine sind unglaublich weich und sanft zur Zunge. Am Schluss schmeckt man einen Hauch süßer, gerösteter Kastanien.

Und das Beste: Der wuchtige Grange bleibt elegant. Er beherrscht den Gaumen, ohne ihn zu dominieren. Und trotzdem spürt man die Kraft, die diesen Wein noch Jahre Zeit im Keller gibt. Obwohl man ihn schon jetzt gut trinken kann.

Freilich: Ein Wein, den kein Mensch braucht. So wie übrigens alle Weine dieser Welt. Wein ist ein Spaßprodukt.

Aber wer sich einmal den Luxus eines fantastisch gemachten Weins gönnen will, der wird mit diesem Grange das finden, was er in einem Pétrus nicht findet: Die von allen Einflüssen befreite Perfektion. Und dafür kann man einmal über die Stränge schlagen.

 


Datum: 20.1.2018
 

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