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Albariño: Was knabbern die Weinprofis?

Eugenio Pomares (li.) mit Knabberzeug.

Albariño

Albariño

Fento, Spanien

9,90 €

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Der Captain lüftet das Knabber-Geheimnis professioneller Verkoster und trinkt einen aufregend frischen Weißwein aus dem grünsten Teil Spaniens.
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Heute hat der Captain einen Wein im Glas, der gelegentlich mit Riesling verwechselt wird. Lange Zeit hieß es sogar, dass es eine genetische Verwandtschaft zwischen Riesling und der iberischen Traube Albariño gebe. Diese Vermutung drängt sich zudem etymologisch (Etymologie = Herkunft der Wörter) auf. Alba Riño = Weißer vom Rhein. Ist aber komplett falsch. Keine Verwandtschaft. Das ist inzwischen bewiesen.

Vielmehr ist der Albariño (in Portugal Alvarinho) eher mit den Sorten Sauvignon Blanc, Weißburgunder und Petit Manseng verwandt. So viel zur Geschichte. Eine Parallele jedoch zum Riesling ist nicht von der Hand zu weisen: Dort, wo der Albariño herkommt, ist es oft feucht. Denn das Mutterland dieser Rebsorte (die in Portugal eine Stütze des Anbaugebiets Vinho Verde ist) liegt in den Rías Baixas im saftig-grünen Galizien. Das ist jene Ecke Spaniens nördlich von Portugal, wo tiefe Fjorde ins Land schneiden und die Winde nasse, salzige Luft über die Reben fächeln. Sonne ist hier kein großes Thema, aber das hält der Albariño aus. Geologisch dominiert Granitboden, der ein mineralisches Mundgefühl erzeugt – das kennt man auch von manchem Moseltropfen.

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Mein Wein kommt aus dem Keller von Eugenio Pomares (Bodaga Zárate), das kleine Weingut Fento ist nur ein Nebenprojekt des bekannten Weinmachers, das es aber in sich hat und zeigt, was man mit der lange als Zechweintraube unterschätzten Rebsorte Albariño anstellen kann.

Wie verkostet man Wein wie ein Profi?

Auf dem Bild ganz oben oben siehst du Eugenio (links) mit einem Kumpel beim Weinverkosten. Ich möchte deine Aufmerksamkeit auf ein kleines Detail lenken, nämlich die Schale mit Gebäck am linken Bildrand. So sieht das klassische Beiwerk bei professionellen Weinverkostungen aus. Nix Degustationsmenü mit feinen Leckereien. Bei Profi-Verkostungen wird so etwas auf den Tisch gestellt, um den Geschmack im Mund zu neutralisieren, bevor der nächste Wein probiert wird. Egal was – Cracker, Weißbrotscheiben, Grissini – alles schmeckt nach nichts und saugt den letzten Rest von Wein aus dem Mundraum. So löscht man die Eindrücke vom Vorgängerwein und ist offen für neue Reize. Im Übrigen wird bei dieser Gelegenheit stets gespuckt, denn sonst würden die Teilnehmer bald von den Stühlen kippen. Im vergangenen Februar, also kurz vor dem ersten Lockdown, war der Captain bei der berühmten Nebbiolo Prima in der Langhe (Piemont) und verkostete binnen weniger Tage hunderte Rotweine: Barolo, Barbaresco, Barbera und mehr, was rund um das Trüffelstädtchen Alba hergestellt wird. Siehe Video:

Die langweiligen Grissini-Stangen, die man in Tütchen bei fast jedem Italiener hingelegt bekommt, kommen ursprünglich genau von hier und das merkte man auch, denn der Captain aß nie im Leben zuvor dermaßen gelungene Grissini mit feinkörniger Substanz, die ein wunderbares Mundgefühl erzeugten. Die würden auch gut zu meinem Albariño von Fento passen, dieser konzentrierten Melange aus Birne, Apfel und Limette. Was für ein leistbarer Erfrischer mit zitriger Substanz: Wunderschönes Etikett mit dem Aquarell eines Farns. Der Name des Weinguts heißt Fento und das bedeutet übersetzt: Farn. Im Glas sattes Gelb. In der Nase zunächst leicht irritierend nach Eisenabrieb. Dann Grapefruit, Pfirsich, etwas grüner Paprika. Im Mund griffig mit rassiger Säure, sehr saftig und leicht sämig nach trübem Apfelsaft. In der Mitte gelbfruchtig mit süßem Kern. Außenrum enorm zitrig und mit feinen Bitternoten unterlegt. Ich schmecke Birne, gelben Apfel und Limette. Das ist spannendes und konzentriertes Mundraum-Pingpong, das gute Laune macht und zu cremigen Gemüsesuppen, Tempura, oder gabratenen Calamari passt.

 

Datum: 13.11.2020
 

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