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Steiermark: Lasst den Sauvignon Blanc in Ruh!

Winzer Franz Strablegg-Leitner.
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Ein Winzer aus der Steiermark findet, dass die Leitrebsorte der Region zu oft verfälscht wird und fordert zum Purismus auf.
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Der Captain wird selten sentimental und erst recht nicht dann, wenn das gerade angemessen erscheint. In den vergangenen Tagen aufkeimender Besinnlichkeit hat er mit der Mannschaft im Maschinenraum geschuftet und versucht, eine neue Technologie zu montieren,die viel Spaß bringen könnte, wenn sie endlich mal funktioniert.

Vielleicht kann ich sie dir bald vorstellen. Vielleicht auch nicht.

Das ist also der Abendwein-Newsletter des 24. Dezember. Welchen Wein wählte der Captain für diesen hohen Feiertag aus?

Puligny-Montrachet? Gereiften Bordeaux der Kategorie Premier Cru?

Oder (noch viel passender) edlen Shiraz aus Nazareth? Den gibt es tatsächlich, aber nicht aus Nazareth/ Israel, sondern aus Nazareth/ Pennsylvania. Das Weingut hat einen Namen, der zu diesem Tag passt: Amore Winery.

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Der Captein stellt nichts dergleichen auf den Tisch, sondern leistbaren Alltagswein mit viel Qualität.

Es ist der → Sauvignon Blanc Panorama von Strablegg-Leitner in Leutschach an der Weinstraße. Hier ist Südsteiermark.

[Kurzer Exkurs: Das Weinland Steiermark besteht aus drei Anbaugebiete: Weststeiermark, Südsteiermark, Vulkanland – früher Südoststeiermark) und ist wahrlich kein Günstigweinland.]

Seit langem behaupten sich Premiumweine diverser Steiermark-Winzer auf internationalen Blindverkostungen neben Spitzenweinen aus dem Loiretal, Burgund, Neuseeland etc. Da kann ein edler steirischer Sauvignon Blanc oder Morillon (Chardonnay) ganz schnell 50 Euro oder noch viel mehr kosten.

Umso mehr freut sich der Captain, wenn er guten Weißwein aus der Steiermark findet, der nicht so viel kostet. Mein Abendwein ist so einer.

Sein Winzer trägt einen Bindestrich-Namen und heißt Franz Strablegg-Leitner. Hat sich da ein selbstbewusstes Weibsbild am Standesamt geweigert, seinen Namen in den Papierkorb zu schmeißen, fragt der Captain ironisch.

Und Franz erzählt eine interessante Geschichte: Weil in den 1950er-Jahren der Sohn des Nachbarhofes frühzeitig verstarb, übernahm Franzens Großvater den Betrieb. Die Bedingung war, dass er im Zuge einer Adoption auch den Namen der Verkäuferfamilie tragen soll. Seitdem heißen die Strablegg-Leitners wie sie heißen.

Der Sauvignon Blanc Panorama ist Basiswein des Betriebs und bei regionalen Stammkunden ein Verkaufsschlager, weil er zwei Eigenschaften guter SBs vereint: viel Frische, schlanke Frucht und Kräuterwürze: Im Glas hell glänzendes Gelb. In der Nase viel Heublumenhonig, Kamillenblüte, etwas Zitronenabrieb. Im Mund Stachelbeere, gelber Apfel, Kamille und ein bisschen Pyrazin-Zauber mit grünen Noten von Edamame-Bohne. Das ist eine würzig-aufregende Mischung und Wein mit frischem Biss und Charakter, der ganz anders schmeckt als all die fruchtbetonten Gute-Laune-Sauvigon-Blancs, die man schnell wieder vergisst.

Weinwissen: Pyrazin ist eine Gruppe chemischer Verbindungen, die auch in grünen Stachelbeeren, Kartoffeln, grünen Bohnen, Paprika, Gras, Minze oder grünem Spargel vorkommen. Je nach Zubereitungsmethode duften Sauvignon Blanc und auch andere Sorten wie zum Beispiel Colombard mehr oder weniger nach Pyrazin, dessen Bouquet im Extremfall an Katzenklo erinnert.

Was macht Franz mit diesem Wein? „Wir wollen, dass Sauvignon Blanc wie Sauvignon Blanc schmeckt. In der Steiermark ist das nicht selbstverständlich, wie man bei Blindverkostungen immer wieder merkt.“

Franz betreibt gezieltes Laubwandmanagement und lässt die Trauben lieber im Schatten stehen, obwohl gerade dann eine Gefahr dräut: Fäulnisbefall durch Feuchtigkeit.

Franz zum Captain: „Wir ziehen das trotzdem durch, denn sobald die Sonne darauf scheint, ist es mit den feinen Nuancen vorbei.“

Übrigens: Im Bild oben wendet Franz eine pneumatische Rebschere an, denn die verhindert eine schmerzvolle Sehnenscheidenentzündung, die seine Hand über lange Zeit unbrauchbar machen könnte.

 

Datum: 6.1.2022
 

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