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Sebastian Keller: zwischen Malle, Murcia und Mosel

Sebastian Keller
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Ein zurückhaltender deutscher Winzer mit bewegter Geschichte erzeugt Weindelikatessen in verschiedenen Regionen.
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Da hat der Captain mit seinem letzten Newsletter ganz schön Staub aufgewirbelt und viele Zuschriften erhalten mit dem Tenor: Bleib dran! Ja, versprochen. Demnächst wird nachgelegt.

Vorerst jedoch geht’s weiter mit meinem Wohlfühlprogramm, das Schiff ist schließlich kein Torpedoboot, sondern ein gemütlicher Vergnügungsdampfer, auf dem man sich im Großen und Ganzen den schönen Dingen des Lebens widmet. Vornehmlich solchen, die man in Flaschen füllen kann.

Passend zu dieser Mission gestaltet sich der elegante Rotwein 8 Vents Mallorca vom Weingut Atlan & Artisan aus der Mitte des Mittelmeers und von einem deutschen Winzer zubereitet, den der Captain bisher überhaupt nicht am Schirm hatte, obwohl der eine höchst interessante Biografie vorzeigen kann: Sebastian Keller hat schon auf allen Kontinenten (bis auf Australien) Wein gemacht. Der Mann ist ein önologischer Globetrotter, der sogar schon in China und Aserbaidschan an der Weinpresse stand und als ganz junger Anfänger bei den Päpsten der deutschen Weinmacherkunst lernen durfte: Paul Fürst, Bernhard Breuer (1946-2004) und Bernd Philippi.

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Der 8 Vents Mallorca ist ein handgemachter Edel-Rotwein, in dem die Rebsorten Merlot, Cabernet Sauvignon, Manto Negro (alteingesessene Insel-Sorte) und Callet (ebenfalls typische Mallorca-Traube) schwimmen. Und so wirkt er: Im Glas leuchtendes Rot. In der Nase intensiv nach Schwarzer Johannisbeere und eingelegter Roter Beete, dann rotfruchtiger Schmelz, edles Kakaopulver und ein bisschen Kreide. Im Mund enorm seidig und betörend: Orangenschale und Vanille, dann Sauerkirsche, Rote Johannisbeere, etwas Salz und ein Quentchen Süße. Mittlere Säure, weiche Gerbstoffe. Ein saftiger Rotwein mit festem Kern und schöner Eleganz, der den Gaumen streichelt.

Der Captain schrieb an einer anderen Stelle über die Weinmacher-Truppe um Breuer, die Großes bewirkte: Der vielreisende Winzer Breuer aus Rüdesheim malte schon in den früher 1980er-Jahren ein Weinbild, das dem Ausdruck unmittelbarer Herkunft Vorrang gab. Der Weinberg, also das Terroir, sollte im Glas schmeckbar sein. Das war damals völlig neu in Deutschland. Breuer gehörte zu einer kleinen Clique, die den deutschen Wein beflügelte. Der drahtige Intellektuelle und Kunstfreund wirkte aber nicht nur bei sich zu Hause, wo er für die FDP Lokalpolitik machte, als diese Partei noch für irgendwas stand. Gemeinsam mit seinem besten Freund Bernd Philippi vom Weingut Koehler-Ruprecht in Kallstadt brachte er den Weinbau auf Madeira nach vorne und das südafrikanische Weingut Mont du Toit in Paarl auf Vordermann. Dann stieß Werner Näkel hinzu und das Trio peppelte die herabgewirtschaftete Quinta da Carvalhosa im Douro-Tal auf. Breuer initiierte die Wiedergeburt des trockenen Riesling, adaptierte das französische Konzept der Qualitätsstufen, war Vordenker des VDP und schmiss seine Mitgliedschaft wieder hin, als die Kleinkrämerei überhand nahm. Hätte die deutsche Weinwirtschaft so etwas wie ein Traditionsbewusstsein, gäbe es schon längst ein Denkmal für diesen Mann. Aber das ist wohl Aufgabe der jungen Winzergeneration, die nun in den Startlöchern steht. Den Funktionären in Gummistiefeln, die heute noch das Sagen haben, fehlt dazu die innere Größe.

Zurück zu Sebastian Keller, der in jenen Jahren mit von der Partie war und bis heute von diesem Terroir-Gedanken beseelt ist. Dem Captain sagte er heute (Sonntag) am Telefon: Ich will Weine erzeugen, in denen die Landschaft zu schmecken ist, aus der sie kommen.

Das macht er zurzeit nicht nur auf Malle, sondern auch am spanischen Festland in Murcia und an der Mosel, wo er zwischen Briel und Pünderich einige Parzellen gepachtet hat und dort erfrischende Rieslinge im Old-Mosel-Style herstellt, über die der Captain vielleicht bald berichtet.

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Mallorquinische Weine sind generell etwas teurer als die vom spanischen Festland und bei Weinkennern neuerdings sehr beliebt. Es gibt regelrecht einen Mallorca-Trend in der Weinwelt. Die Herkunft Mallorca bedeutet meistens ausgeprägte Mineralik. Das heißt ganz allgemein dezente Säure, eine Prise Salz und ein Büschel Kräuter. Denn die ganze Insel ist ein einziger Kalkbrocken, an dem ein bisschen Lehm klebt. Also karger Boden, in den sich durstige Weinreben auf der Suche nach Nährstoffen tief hineinbohren müssen, was für kräftige und konzentrierte Weine sorgt, die trotzdem weich und rund schmecken. Das Meer rundherum und seine Winde funktionieren dabei wie eine gigantische Klimaanlage. Diese Kombination – also Sonne, Wind, karger Boden – ist in vielen Weinregionen der Welt schon die halbe Miete beim Weinmachen. Die andere Hälfte steuert der Winzer bei, der etwas Talent mitbringen sollte.

Warum heißt dieser Wein 8 Vents? Irgendwie logisch und leicht zu übersetzen: 8 Winde mit jeweils eigenem Namen blasen von allen Seiten über Mallorca und prägen den lokalen Weinbau, der (wenn sich Könner damit beschäftigen) charaktervolle Weine hervorbringt.

 

Datum: 30.4.2021
 

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