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Roter Veltliner, die imperiale Pracht

Winzer Franz Leth.
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Jeder kennt die österreichische Nationalrebsorte Grüner Veltliner. Aber was ist Roter Veltliner? Etwas allgemeine Antwort: Rebsorte für alle, die kräftige Weißweine lieben.
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Roter Veltliner – schon mal gehört? Klar, eingefleischten Weinfreunden ist diese autochthone Rebsorte natürlich bekannt.

Aber von denen wissen wahrscheinlich nur wenige, dass der Rote Veltliner genetisch nicht mit dem Grünen Veltliner verwandt ist, obwohl er zur Veltlinergruppe gehört.

Etwas verwirrend, oder? Später wird es sogar noch komplizierter.

Ich trank so einen Wein. Den Roten Veltliner Ried Scheiben vom Weingut der Familie Leth im niederösterreichischen Wagram.

Die Scheiben ist eine sogenannte Ried, also eine Weinbergslage. In diesem Fall Teil einer riesigen nach Süden ausgerichteten Terrassen auf ca. 250 Meter Seehöhe. Die Ried Scheiben ist bekannt für ihre dichten und körperreichen Weine.

Wagram, das ist eine Löß-Formation zu beiden Ufern der Donau.

Wagram heißt auch eine Metro-Station in Paris. Und warum? Weil hier Napoleon einer seiner historischen Schlachten schlug und die Armee des österreichischen Erzherzogs Karl besiegte. Geschichte zum Austrinken.

Genau so schmeckt auch dieser Wein – voll imperialer Pracht. Das vorweg.

Wer einen ordentlichen Roten Veltliner auf Flasche ziehen will (so sagen die Weinleute), darf kein Wischiwaschi-Winzer sein. Die Sorte ist verdammt kompliziert, hochempfindlich gegen Pilzkrankheiten und und muss das ganze Jahr über gehegt und gepflegt werden. Ertragsreduktion ist das Stichwort.

Heißt: Reben schneiden, Blätter entfernen und über den Sommer hinweg viele Trauben wegnehmen, sodass die Sonnenenergie und alle Kraft aus dem Boden in den übrig gebliebenen Früchten landet. Kurz gesagt. Sehr kurz gesagt.

Damit nicht genug, auch die Kellerarbeit – Vinifizierung genannt – ist beim Roten Veltliner anspruchsvoll.

Ist der Winzer ein Könner, kommt dabei ein großartiger, extraktreicher und würziger Wein heraus, der über ein enormes Lagerpotenzial verfügt. Die vom Weingut Leth haben die Herausforderung angenommen und gemeistert.

Leths Roter Veltliner Scheiben wurde in Edelstahltanks spontanvergoren und danach mit der Feinhefe in große Holzfässer gefüllt, um Komplexität und lange Lebensdauer zu erzielen.

Aber lassen wir die Details. Trinken wir lieber.

In der Nase schon mal sehr aromatisch. Stachelbeere und deutlich wahrnehmbare Reife und Würze.

Und dann der Mund. Sehr extraktreich. Kräftiger Körper mit viel Substanz. Gelbes Steinobst total. Was für ein interessanter Wein! Ganz große Würzigkeit. Und Süßlichkeit, ohne dass da Süße bzw. Restsüße zu spüren ist.

Das hat mit dem Mostgewicht zu tun, also dem gebundenen Fruchtzucker in der Traube. Zusammen mit der Würzigkeit ergibt das eine Süße, die nicht süß schmeckt.

Insgesamt ist der Scheiben eine wahnsinnig interessante Geschmackserfahrung, die den Preis voll und ganz rechtfertigt. So einen Wein bekommt man selten ins Glas.

Es ist ein Wein für festliche Anlässe. Denn er macht was her und schmeckt ganz sicher herrlich zu Kalbstafelspitz oder zu gebratenem Fisch.

 


Datum: 7.12.2018 (Update 10.12.2018)