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Palazzo Lodron: mein Wein ist mein Haus

Johannes Volpini de Maestri ist stolz, zurecht.
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Der Captain trinkt kräftig-eleganten Roséwein der österreichischen Familie Volpini de Maestri, die im Trentino einen Palast bewohnt und den Quereinstieg in die Weinwirtschaft wagte.
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Der Captain sitz an seinem Verkostungstisch und blickt versonnen durch das Bullauge seiner Kajüte nach draußen. Vor ihm steht eine Flasche Wein. Sanft brummt der Schiffsdiesel für den Strom, der die Wohnräume der Mannschaft erhellt. Seit drei Tagen hat sich das Wetter hier am Kai von Charlottenburg dramatische verändert. Vor kurzem noch stapfte die Mannschaft auf Nahrungssuche durch den Schnee wie die Besatzungen von Erebus und Terror des Eismeer-Pioniers John Franklin. Nun weht frühlingshaft-warmer Wind durch die Öffnung herein. Es klopft an der alten Stahltür. HEREIN! Die Scharniere quietschen und der Erste Offizier betritt den Raum. Er zeigt sofort auf die halbleere Flasche.
Erster: Was ist denn das?
Captain: Man nennt es Wein. Roséwein.
Erster: Das Resultat einer heimlichen Geschlechtsumwandlung?
Captain: Wie bitte?
Erster: Du und dieses Mädchengetränk! Dass ich das noch erlebe. Ich dachte, du verachtest Rosé.
Captain: Ähm, ich bin Journalist. Da wechselt man gelegentlich den Standpunkt. Je öfter, desto besser. Leser lieben es verwirrt zu werden. Das nennen sie dann differenziert.
Erster: Ich nenne das nur bescheuert. Woher kommt der?
Captain: Trentino.
Erster: Aha. Wein aus der Mongolei interessiert mich mehr.
Captain: Du bist gemein.

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Erster: Entschuldige bitte, wie viele großen Winzer hat das Trentino in den letzten 200 Jahren hervorgebracht?
Captain: Warte! Da sind Lunelli, Foradori, Endrici und, äh… irgendwas mit Löwe.
Erster: San Leonardo.
Captain: Richtig. Ganz großes Weinkino! Vor einem halben Jahr getrunken. Ich kann mich bis heute erinnern, wie der schmeckt. Alter Balsamico. Rote Paprika. Reife Kirschen. Bittermandeln. Ein Solitär.
Erster: Und fällt dich noch wer ein?
Der Captain schweigt und blickt wieder zum Bullauge raus, wo gerade der Porzellanrestaurateur am Kai entlanggeht und herübergrüßt. Der Captain nickt zurück und denkt, die alte Herend-Zuckerdose mit dem Riss muss auch mal repariert werden.
Erster: Eben. Wie heißt das Weingut?
Captain: Hä?
Erster: Na, von dem Rosé…
Captain: Palazzo Lodron.
Erster: Nie gehört.
Captain: Kein Wunder. Gibt es noch nicht lang.
Erster: Und…?
Captain: Ziemlich gut. Für einen Rosé. Und für Trentino.
Erster: Boa, gleich zwei Komplimente in einem Atemzug! Soll ich dir zur Feier des Tages die Ausgehuniform rausholen?
Captain: Lass den Quatsch.
Erster: Wer sind die Leute?
Captain: Komplette Newcomer ohne jede Erfahrung. Aber mit reichlich Kohle für gute Berater ausgestattet. Und einem Riesenpalast mit Weinberg. Schau dir die Fotos auf Instagram an:

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Ein Beitrag geteilt von Palazzo Lodron (@palazzolodron)

Erster: Mehr braucht man nicht. Wie heißen die?
Der Captain blickt mit verengten Sehschlitzen auf das Flaschenetikett und liest langsam vor: VOLPINI DE MAESTRI.
Erster: Tu nicht so, als ob du das nicht schon längst wüsstest. Hast die Leute sicher schon komplett ausrecherchiert, du alter Spanner.
Captain: Dann frag nicht so scheinheilig.
Erster: Details bitte!
Captain: Der Winzer Johannes „Pipo“ Volpini de Maestri kommt aus einer alten österreichischen Industriellenfamilie und ist Nachkomme des Bischofs von Salzburg, für den Mozart irgendwas komponierte. Seine Frau Olivia ist eine geborene Prinzessin von Thurn und Taxis.
Erster: Schick! So wie die Gloria. Hat die auch so eine wilde Frisur und kluge Ideen für die Völker Afrikas?
Captain: Lass den Quatsch. Das sind seriöse Leute. Ihr Mann ist Chef in der Salzburger Niederlassung von Ernst & Young.
Der Erste lacht laut auf und schreit: WIRECARD!
Captain: Also, erstens ist Olivia Volpini de Maestri gelernte Historikerin und kommt aus der mährischen Linie des Hauses Thurn und Taxis. Sie ist somit nur entfernt mit den Thurn und Taxis aus Regensburg verwandt, und zweitens ist nicht jeder Wirtschaftsprüfer ein…
Der Captain schweigt plötzlich.
Erster: Ein was?
Captain: Naja, einer, der sich von seinen Kunden dafür bezahlen lässt, dass er ihre Bilanzen gut findet.
Erster: Du hast recht. Ist ja wie bei den Testern der gängigen Weinführer. Die werden auch von den Winzern bezahlt, dass sie ihre Weine bewerten. Und dann wundert man sich, was dabei rauskommt – lauter Meisterwerke. Hast du schon den neuen Falstaff Weinguide gelesen?
Captain: Den benutze ich in der Regel nur als Telefonbuch für Winzer.
Erster: Was machen die Volpini de Maestri noch außer Rosé?
Captain: Nicht viel, sind ja nur drei Hektar hinter dem Familienpalast in Nogaredo. Zwei Rote – ein grand vin namens Rizzoi und ein Zweitwein, der Divertimento heißt. Beide sehr gelungen. Wenn ich Zeit finde, schreibe ich darüber.
Der Erste geht auf Google Maps und sagt: Warte, Nogaredo – das liegt 20 Kilometer nordöstlich des Gardasees. Das ist doch ganz in der Nähe von den Lunelli und Ferrari. Da sind wir doch zur Spumante-Verkostung eingeladen, sobald der ganze Corona-Spuk vorbei ist. Danach schauen wir einfach im Palazzo Lodron auf eine Jause vorbei und gießen uns einen hinter die Binde.
Captain: Glaubst du Idiot wirklich, die sind noch erpicht auf unsere Gesellschaft, nachdem dieser Newsletter raus ist?

Der elegante Ausnahme-Rosé Rosato Flaminia von Palazzo Lodron wurde im sogenannten Salasso-Verfahren hergestellt und ist nach einer der beiden Töchter des Hauses Volpini de Maestri benannt. Er wird auf Bestellung gerne nach Österreich und Deutschland verschickt. Die Versandkosten sind halbwegs überschaubar. Und so schmeckt er: Roséwein aus dem Trentino, der aus den Rebsorten Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc und Merlot im Salasso-Verfahren hergestellt wurde. Im Glas sattes Dunkelrosa, fast schon wie heller Rotwein oder Campari. In der Nase sanft-rotbeerig mit zartem Schmelz. Ich rieche Marshmellow mit Vanille-Erdbeer-Geschmack, leicht nussig. Dann Wassermelone und eine aufgeblühte Weinberg-Tulpe. Im Mund schöne Balance zwischen Säure und Frucht, mittlerer Druck. Ich schmecke Rote Johannisbeere (Ribisel), japanischen Kirschapfel, minimale Restsüße. Am Gaumen Blutorange und ein Tropfen Akazienhonig. Sehr wohlschmeckender und festlich wirkender Nobel-Rosé mit Biss und ausreichend Statur für die Begleitung von deftigen Speisen.

Das Saignée- oder Salasso-Verfahren ist eines von mehreren Methoden zur Herstellung von Roséwein. Beides heißt Aderlass. Es ist aber nicht der Winzer, der in seinen Weißwein blutet, um ihn zu färben. Der Rotwein wird hier zur Ader gelassen. Rosé ist nur ein Nebenprodukt. Warum das Ganze? Der Rotwein wird dadurch konzentrierter, weil weniger Most für die gleiche Menge an Tanninen, Farb- und Aromastoffen vorhanden ist. Je später der Saft abgezogen wird, desto dunkler wird der Most und der daraus entstandene Roséwein.

 

Datum: 5.3.2021 (Update 13.3.2021)
 

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