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Wie genießt man den Mouton Rothschild?

Vorsicht, Korkschmecker!
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Egal, was man von den Menschen hält, die mit ihm angeben - dieser Wein ist ein Abenteuer, schreibt Susanne Werth-Rosarius.
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Die meisten Weinfreunde kennen ihn nur vom Hörensagen. Das mag am Preis liegen. Eine Flasche aus dem exzellenten Jahrgang 2010 wird derzeit auf knapp 1.200 Euro taxiert. Wer sich das leisten kann, sollte dennoch die Finger davon lassen. Vorerst. Denn seine optimale Trinkreife dürfte noch nicht erreicht sein.

Die Rede ist von Château Mouton-Rothschild, einer Rotweinlegende aus der Region Pauillac im Bordelais.

Das Haus Mouton-Rothschild gehört zu den fünf staatlich ausgezeichneten „Premiers Crus“ (Erste Gewächse) im Bordelais und wurde bei der Klassifizierung von 1855 als einziges nicht direkt in diese Wertung aufgenommen worden.

So ein Pech auch.

Aber man hatte nicht mit dem Baron Philippe de Rothschild gerechnet, der im folgenden Jahrhundert auf den Plan trat.

Der streitbare Playboy und Rennfahrer (nahm als Jungspund am Grand Prix in Monaco teil) ruhte nicht, bis er die Aufnahme in die Wein-Oberliga des Bordelais durchgesetzt hatte.

Das war 1973. Bis zu diesem Jahr ließ Rothschild auf die Etiketten seines Weins drucken: „Premier ne puis, second ne daigne, Mouton suis!“ Heißt: Erster kann ich nicht sein, ich lasse mich nicht dazu herab, zweiter zu sein, ich bin Mouton!

Wenn es nur nach der Performance ginge, dann wäre Mouton nach der Meinung vieler Kenner unter den 14 zweiten Gewächsen, den sogenannten Deuxièmes Crus, auch ganz gut aufgehoben. Denn das Haus hat neben atemberaubenden und unvergesslichen Weinen manche Jahrgänge auch schlicht vergeigt.

Ausgerechnet im Jahr des Aufstiegs 1973 war der Wein grottenschlecht. Wer heute noch eine Flasche hat, der erfreut sich besser an dem schönen Picasso-Etikett und lässt den Inhalt dort, wo er ist.

Dennoch gehört Mouton natürlich in den Kreis der Größten, der Auserwählten, der Besten, denn die Weine und das Haus umgibt ein Flair von Noblesse und Exklusivität.

Eine der besten Ideen, die der Baron hatte, war übrigens die mit den Künstleretiketten. Jedes Jahr wird ein Künstler ausgewählt, der das Etikett des neuen Jahrgangs gestalten darf. Das Honorar ist eher bescheiden, eine 12er Kiste des gestalteten Weines sowie eine weitere nach Wahl, wobei seltene oder exzellente Jahrgänge ausgenommen sind.

Hier auf dem legendären 1982er-Mouton seht ihr ein sehr hübsches Beispiel, gestaltet von Multitalent John Houston.

Der lebte von 1906 bis 1987 und war ein begnadeter Schauspieler, Drehbuchautor und Regisseur (Asphalt-Dschungel, African Queen, Moulin Rouge, Moby Dick). Und Frauenheld. Seine Tochter Anjelica Houston kennt man ja.

Einen Mouton zu trinken ist immer ein besonderes Erlebnis. Nur ein Snob würde eine solche Flasche abtun, als tränke er irgendeinen Bordeaux.

Der Wein wird noch ein wenig sorgfältiger vorbereitet als sonst. Also etwa einen Tag vorher in perfekt temperierter (17 bis 18 Grad) Umgebung aufrecht hinstellen, damit sich das Depot absenken kann.

Ich empfehle, Jahrgänge ab Mitte der 90er-Jahre mindestens drei bis vier Stunden vor dem geplanten Genuss in eine Karaffe zu geben. Bereits beim vorsichtigen Umfüllen kann man die ersten Aromen erschnuppern. Wenn der Wein ordentlich gelagert wurde, wittert man meistens eine eher kühle, etwas spröde Anmutung von Tinte, roten Beeren, Feuerrauch, Mokka und Kräutern. Gelegentlich auch Kirschwasser und feuchte Ackererde.

Dann liegt er endlich funkelnd im Glas und zeigt einen leichten Wasserrand. Je nach Alter ist er dunkel-granatfarben bis hin zu schimmerndem Rotbraun. Je älter, desto mehr Brauntöne.

Nach der Wartezeit sind die Aromen in der Nase dichter und haben sich harmonisch verwoben: Leder, eine Tasse Mokka, Zigarrenkiste, Räucherschinken.

Beim ersten Schluck fällt zunächst das kraftvoll-samtige Mundgefühl auf, kontrastiert von leicht adstringierenden Gerbstoffen. Lest in meinem Lexikon, was dieses Wort genau bedeutet: Adstringierend

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Der Château Mouton-Rothschild ist kein Wein, der sich im ersten Moment erschließt. Mit jedem neuen Glas gibt es weitere Facetten zu entdecken.

Da sind zum Beispiel die für Mouton typischen Graphitnoten. Dann jener berühmte und sehr einprägsame Mouton-Cassis-Ton. Weitere Frucht- und dunkle Beerenaromen, zum Beispiel Brombeere. Dann getrocknete Aprikose und Schokolade. Und zum Schluss diese herrlich-zarte Süßlichkeit, die sich noch ewig am Gaumen hält.

Normalerweise ist ein Mouton von einer schmeichelnden, manchmal fast femininen Eleganz. Ich habe aber auch schon sehr zupackende und männlich wirkende Moutons aus den frühen 2000er-Jahren im Glas gehabt.

Kurz, ein Mouton ist (wie jeder gut gereifte Spitzenwein) eine Überraschungstüte. Genau das ist die Faszination beim Weinsammeln und Trinken.

Einen Château Mouton-Rothschild zu öffnen, gehört zu den großen Wein-Abenteuern. Wenn es sich nicht gerade um einen bejubelten und entsprechend teuren Jahrgang handelt, kann man das sogar noch zu einem halbwegs vernünftigen Preis erleben.

 


Datum: 27.7.2018
 

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