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Bordeaux: köstliches Mauer-Blümchen

Peer Pfeiffer von Château Batailley.
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Wollt ihr wissen, wie edler Bordeaux schmeckte, bevor die meisten Winzer Robert Parker gefallen wollten? Luxuswein-Fan Dr. Imtiaz Alikhan enthüllt einen leistbaren Geheimtipp: Château Batailley.
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Meine Überschrift ist natürlich etwas zugespitzt. Einen Cinquième Cru als Mauerblümchen zu bezeichnen ist gewagt. Vielleicht sogar unverschämt. Aber wie soll ich euch sonst in meine Welt der abgehobenen Weingranaten ziehen, wenn nicht mit solchen kleinen Tricks? Château Batailley ist eines der wenigen klassifizierten Bordelaiser Güter, das noch einem Familienunternehmen gehört und nicht von einem Großkonzern aufgekauft wurde.

Die Familie Castéja, die unter dem Namen Borie-Manoux firmiert, besitzt 10 Weingüter, darunter auch die bekannten Châteaux Trotte Vieille und Lynch-Moussas. Daneben betätigen sie sich vor allem als Négociants, also Weinhändler. Batailley steht ein bisschen im Schatten der berühmten Bordelaiser Châteaux. Dabei ist es mit knapp 60 Hektar eines der größten im Pauillac und vereint alle typischen Eigenschaften dieser Appellation. Zwar erreichen die Weine niemals die absolute Noblesse eines Lafite oder die nicht enden wollenden Abgänge großer Moutons. Aber ihre kraftvolle Eleganz, die sie in der Regel nach 10 Jahren Kellerreife erreichen, macht diese Flaschen für Bordeaux-Insider trotzdem zu beliebten Sammelstücken. Zumal sie preislich im leistbaren Rahmen bleiben.

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Château Batailley ist kein Schnäppchen, aber ein Preis-Leistungs-Bringer auf hohem Niveau. Ein trinkreifes Exemplar ist schon für unter 50 Euro zu bekommen. Ein 10 Jahre lang gereifter Batailley aus dem Spitzenjahr 2009 kostet nicht mal 70 Euro und kann via Google leicht recherchiert werden.

Der Betrieb ist einer der ältesten Weingüter im Médoc. Sein Name leitet sich von bataille ab, also „Schlacht“, da hier eine der großen Keilereien des Hundertjährigen Krieges stattgefunden hat. 1855 wurde das Château neben 17 weiteren Weingütern auf Geheiß Napoleons III. zum 5. Gewächs (Cinquième Cru) erhoben. Es war der Versuch einer Klassifikation nach Preis und Qualität, die den Konsumenten die Auswahl erleichtern sollte. Dabei wurde als Bemessungsgrundlage grob gesagt der über die letzten 100 Jahre erzielte Marktpreis für den vom jeweiligen Weingut erzeugten Wein herangezogen. Über 160 Jahre danach hat diese Art der Bewertung nur mehr wenig Gültigkeit.

Heute werden auf den Pflanzungen von Batailley vier Rebsorten angebaut: Cabernet Sauvignon, Merlot, Cabernet Franc und Petit Verdot. Der Wein ist ein edler, typischer Pauillac mit ausgeprägten Noten von Cassis. Ich sage, Batailley ist ein Muss für alle Bordeauxfans oder solche, die es noch werden wollen. Aus einem ganz bestimmten Grund.

Batailley verkörpert wie kaum ein anderes Gut den klassischen Bordeaux vor der Zeit des einflussreichen Großkritikers Robert Parker, dessen Opulenz-Diktat sich nur wenige entziehen wollten. Mit gemäßigtem Holzeinsatz und eher geringen Merlotanteilen in der Cuvée. Einige blieben damals standhaft. Neben Batailley zum Beispiel auch Léoville Barton.

Einer, der Batailley prägte wie kaum eine anderer, war der bekannte Bordelaiser Weinprofessor Denis Dubourdieu, der im Sommer 2016 verstarb. Mit wissenschaftlicher Akribie widmete sich der Pflanzenfachmann Dubourdieu den Weinbergen des Châteaus und führte moderne und schonendere Arbeitsmethoden ein. Ein Großteil der Chemikalien wurden aus den Depots geworfen und der Ertrag strengstens reduziert. Ein neuer doppelt so großer Keller ermöglicht heute die Vinifikation einzelner Parzellen. Innerhalb weniger Jahre lehrte Dubourdie die Weinarbeiter neue Beschneidungstechniken, die die Belüftung der Trauben begünstigten, was wiederum Einfluss auf den Reifezeitpunkt hat. Nach der Gärung bleibt der Wein noch einen Monat lang auf den Häuten liegen. Und das bei viel Wärme: 31 Grad! Eigentümer Philippe Castéja erklärt: So bekommen wir die Tannine auf sanfte Tour in den Griff und verleihen dem Wein Körper und Struktur.

Guten Freunden gibt man ein Küsschen, heißt es in der Ferrero-Werbung. Ich gab meinen Freunden Ende 2014 ein Glas 1988 Château Batailley mit einem Hauch von Schokolade und Haselnuss und zitiere aus meinen Verkostungsnotizen: Dunkelviolett rinnt der Saft in mein Glas. Eine dezente Wolke mit Noten von Johannisbeere, Zedernholz, Vanille und etwas Jod umnebelt meine Nase. Munter rinnt der Tropfen über meinen erwartungsvollen Gaumen. Ich schmecke strahlend reine Beerenfrucht, vor allem Kirsche mit immer noch frischer Säure unterlegt. Das hat Vollmundigkeit und Biss. Dann etwas Vanille, trockener Ackerboden, ein Hauch von Zedernholz und mineralische Noten. Interessant, wie sich die Tannine aufgelöst haben. In den pikanten Abgang mischen sich Spuren von Zedernholz und Hershey‘s-Schokolade.

Das ist kein wirklich hochkomplexer Wein sondern easy drinking auf höchstem Niveau. Er ist völlig reif und sollte sich mindestens noch 5 weitere Jahre auf dieser Höhe halten.

 

Datum: 29.10.2020
 

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