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Juliane geht ihren Weg

Juliane Eller beim Abschreiten ihrer Rebstöcke.
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Was macht eine Winzerstochter mit tollen Lagen und einer alternden Kundschaft? Sie gründet ein neues Weingut im alten. Unser Weintester Thomas C. Golenia hat vorbeigetrunken.
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Alsheim in Rheinhessen hat keine schillernde Weingeschichte. Erst 2013 passierte was. Da trat Juliane Eller auf den Plan.

Die junge Winzerin wollte vieles anders machen. Radikal anders. Und nannte ihr Weingut selbstbewusst JUWEL. Als Metapher passt der Name ganz wunderbar. Ein funkelnder Edelstein zwischen grauem Geröll.

Eller

Ein mutiges Unterfangen, hier ausgerechnet in Alsheim. Touristen? Rauschen über die Bundesstraße 9 vorbei. Kann man hier halbwegs gut essen gehen? Schwierig. Tankstelle? Im Nachbardorf. Winzer? Gibt es.

Die meisten leben vom glanzlosen Fassweingeschäft. Nur wenige verkaufen ihren Wein unter eigenem Namen. Groß angelegte Qualitätsoffensiven? Niente.

Womit Alsheim allerdings punkten kann, sind kalkige Spitzenlagen, deren Potenzial keiner nutzte. Eine Chance tat sich auf.

Damit begann die Mission von Juliane Eller, Alsheim wieder in das kollektive Weinbaugedächtnis zurückzuholen.

Meine Verkostung des Juwel Riesling:

Die Mittzwanzigerin ist Winzertochter. Eine, die keine Lust mehr auf das konservative Stammkundengeschäft ihrer Eltern hatte. Zumal sich Juliane Eller bewusst war, dass diese als sicher geglaubte Absatzform ihre Tücken hat.

Vorbei die Zeiten, als treue Altkunden zuverlässig alle halbe Jahre im Innenhof standen und brav ihre Kofferräume mit Weinkartons vollstopften. Jene Altkunden, die auf den Preis schielen, denen so etwas wie moderne Etiketten und Lagerfähigkeit egal sind. Eine Generation, die langsam abtritt.

Diesen unaufhaltsamen Trend sahen Julian Eller und ihre Eltern voraus. Das vor Augen, bauten sie gemeinsam den Betrieb um.

Weingut Eller und JUWEL fungieren nun unter einem Dach. Hier die Weinlinie der Eltern in dem Stil, den die Stammkundschaft seit Jahrzehnten schätzt – dort die Weine der Tochter mit dem krassen Stilbruch. So soll es noch einige Jahre weitergehen.

Dann, so die Familienplanung, soll die elterliche Linie auslaufen und das gesamte Weingut die alleinige Spielweise von Juliane Eller werden.

Meine Verkostung des Juwel Weißburgunder:

Die Voraussetzungen sind nicht schlecht: Eller hat in Geisenheim Weinbau und Önologie studiert, davor ein Jahr für Rheinhessens renommiertesten Winzer gearbeitet: Klaus Peter Keller in Flörsheim-Dalsheim. König Keller, das alte Zugpferd für ganz Rheinhessen. Juliane Eller bekam die Chance, von seinem enormen Wissen der Weinbereitung zu profitieren.

Und das tut sie! Umgehend stellte sie auf biologische Bewirtschaftung um, trennte sich von Bequemlichkeiten wie maschineller Lese, Kunstdünger, Reinzuchthefe. Dinge, die Winzern ihre harte Arbeit erleichtern aber letztlich nicht dazu beitragen, das letzte Quäntchen Spitzenqualität herauszuholen. Wer nach oben will, muss leiden.

Stutzig machte mich der Name JUWEL, weil wir sie alle kennen: Jene Weingüter mit den aufgeblähten Kunstnamen, ausgedacht von listigen Marketingmenschen. Oft halten deren Weine nicht das, was der schöne Name verspricht. JUWEL könnte man auch für so einen Fall halten.

Deswegen fuhr ich nach Alsheim, um meine Vorurteile bestätigen zu lassen. Und wurde bitter enttäuscht. Von Juliane Eller persönlich. Sie bestätigt nämlich gar nichts.

Attraktiv sieht sie aus. Das darf man sagen. Denn Frau Eller weiß ihr Äußeres gekonnt bei der Eigenwerbung einzusetzen. Und das ist gut so.

Bei der Vermarktung hilft natürlich auch ihr selbstbewusstes Auftreten. Keinerlei Landei-Attitüden. Nicht die Spur Kumpeltyp. Nach einer dieser Winzerinnen mit Dreck unter den Fingernägeln sieht sie jedenfalls nicht aus. Und wie diese zierliche Person Traktor fahren will, kann ich mir auch nicht so recht vorstellen.

Ich sitze vor ihr, probiere den vierten Wein. Sie schaut erwartungsvoll. Was sie nicht weiß: Ich bin euphorisch. Ich möchte weinen vor Glück, bleibe aber gefasst. Schon die einfache Basislinie für unter zehn Euro haut mich aus den Socken. Allein ihr einfacher Riesling ist eine Offenbarung. Wie ihr gesamtes Sortiment.

Ich liebe den geschliffen, puristischen Stil ihrer Weine. Keine Schönung im Keller, ausschließlich spontanvergoren, wie sie mir versichert. Ich glaube ihr das, man kann es sofort schmecken.

Ein roter Faden der Stilsicherheit zieht sich durch das gesamte Sortiment. So durchgehend, dass mir das Wort “Designerwein” einfällt. Die aber entstehen durch High-tech im Keller. Und genau den hat Juliane Eller rausgeschmissen. Sie hat ihn nicht nötig. Man wird es ihr danken.

 


Datum: 12.12.2016
 

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