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Rosé vom 0,14-Hektar-Weingut

Tanja Strätz: Nebenbei-Winzerin auf kleinem Grund.
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Vorweg. So eine ist unsere Winzerin nicht, obwohl sie mit der Rebsorte Domina einen bemerkenswerten und originellen Rosé erzeugt. Domina werden bekanntlich jene Damen genannt, die gegen Entgelt sadistische oder zumindest dominante Praktiken bei ihren männlichen Sex-Sklaven anwenden. Warum eine Sortenzüchtung aus Portugieser und Spätburgunder so benannt wurde, liegt wohl am Kreuzungsjahr 1927, als die weibliche Domina noch nicht ihren Ruf weghatte.

Eine gewisse Anzüglichkeit ist auch bei einem Roséwein der kecken Tanja Strätz aus dem fränkischen Strüth im Spiel. Sie nennt ihn „Fisimatenten“. Das ist einmal ein umgangssprachlicher Ausdruck für Unsinn und Faxen, was durchaus zum heiteren Naturell der Freizeit-Winzerin passt, die im Hauptberuf eine Führungsposition beim Dickschiff-Weingut Juliusspital in Würzurg innehat. Aber der Ursprung des Wortes datiert aus dem frühen 19. Jahrhundert, als Deutschland weitgehend unter französischer Besatzung stand und Soldaten deutsche Mädchen zum Zeitvertreib mit „Visitez ma tente“(Besuch mein Zelt!) in ihr Lager lockten. Als der abendliche Ausgang anstand, mahnten die Eltern: „Mach aber keine Fisi ma tenten.“

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Das neugierig machende Wort fand unsere Tanja, wen wundert’s, attraktiver als „Domina Rosé“. Vom 2019er gibt es nur geringe Mengen von exakt 655 Stöcken und neun Rebzeilen in der Lage Röttinger Feuerstein, in der auch Winzer Jürgen Hofmann aus Röttingen (übrigens Spezialist für die Sorte Tauberschwarz) aktiv ist. Er hilft beim Ausbau in gebrauchten Barriques mit. Ertragsreduzierung, Traubenhalbierung und selektive Lese besorgt Tanja mit ihrer Ehefrau Uli Leuchs, die im Krankenhaus auf der Intensivstation arbeitet. Das Ergebnis nennt sich im Untertitel Frauenwein auch für harte Männer. In der Nase tummeln sich diskret rote Beeren unterschiedlichster Art, Rosenblätter, Feige, Karamell und eine sanfte Thymian-Würze. Auf der Zunge ist reichlich Power (13.5 Volt) spürbar, der sanfte Holzeinsatz lässt sich schmecken. Knackig ist er auch noch, und dazu herrlich gradlinig und verführerisch. Ein befreundetes Paar brauchte kürzlich zum Mittagessen gleich zwei Flaschen, übrigens á 10 Euro.

Zwei Nachträge zur Domina seien gestattet. Dass eine Genossenschaft eine „Domina Großes Gewächs“ anbietet, ist schon recht gewagt. Aber noch gewagter war 1996 eine andere fränkische Kooperative, die einen Wein dieser Sorte mit einer leichtgeschürzten Auspeitscherin auf dem Etikett auf den Markt brachte und angeblich damit den Umsatz um das 20fache steigerte. Sexistischer Schoppen titelte seinerzeit die Zeitschrift Der Spiegel. Ein Weinmagazin aus dem Meininger-Verlag vermisste einen Kondom-Anhänger. Der Genosse, der damals diese Marketingidee hatte, machte später Karriere als Reichsbürger.

Weinjournalist Rudolf Knoll (Jahrgang 1947) schrieb 55 Weinbücher, drei neue sind derzeit in Arbeit. Der gebürtige Münchner war in den 1970er-Jahren Fußball-Reporter und wechselte dann ins Weinfach. Seit 1984 schreibt Knoll für das Weinmagazin Vinum und organsiert den Deutschen Rotweinpreis.

 

Datum: 26.6.2020