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Bio-Wein für Dracula

Lecker.
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Griechenland-Experte Ralph Urban trinkt einen Wein aus der Region Makdonien, der ihn ausufernd über den Begriff "blutiges Aroma" nachdenken lässt.
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Frucht in Fleisch eingelegt? Ja, das klingt erst einmal nicht so lecker. Wie aber würdet ihr einen fruchtigen Rotwein beschreiben, der blutige Fleischaromen am Gaumen hinterlässt?

Man könnte auch sagen ‚animalisch‘. Nun ja, dieser Begriff deckt vieles ab und ist mir nicht präzise genug. Hier ist neben frischem Fleisch sowohl abge­han­genes Wildfleisch als auch Stall­ge­ruch gemeint.

Hasenpfeffer-Noten, Fleisch­brühe, Leder, Fell, Moschus und Schweiß sowie Pferd und Blut werden nicht selten mit ‚animalisch‘ beschrieben. Außerdem wird dieses Aroma – wenn es denn im Überfluss vorhanden ist – auch mal als Wein­fehler wahrgenommen, der in der Regel durch sogenannte Bret­ta­no­myces-Hefen ausgelöst wird.

Was nun aber die sehr seltene griechische Rebsorte Limniona, die im Übrigen nichts mit der weiter verbreiteten Limnio-Traube zu tun hat, an Aromen im Gepäck hat, ist schlicht nichts anderes als blutiges Fleisch und Beerenfrüchte. Aber auch noch ganz viel mehr.

Zumindest ist es so, wenn der daraus entstandene Wein aus älteren Reben und aus dem Hause Karanika in der Region Amyndeo stammt, die in Makedonien liegt.

Erst gegen Mitte Oktober reift diese Traube im verhältnismäßig kühlen Gebiet von Amyndeo.

Kühl in Griechenland bedeutet kontinentales Klima mit wenig mediterranem Einfluss. Das zertifizierte Anbaugebiet ist gar eins der kühlsten in Griechenland. Die mirkroklimatischen Bedingungen verdankt das Gebiet den vier Zweitausender-Bergen, von denen es umgeben ist: Vitsi im Westen (2.128 Meter hoch), Voras im Norden (2.524 Meter), Siniatsiko im Westen (2.111 Meter) und Vermio im Osten (2.052 Meter).

Außerdem beeinflussen die vier Seen im sogenannten Becken von Eordea das Klima im Anbaugebiet: Zazari, Chimaditida, Vegoritida und Petres.

Der Boden ist hervorragend für den Weinbau geeignet und hauptsächlich sandig. Die Reblaus tat sich daher auch sehr schwer und so blieben etliche Rebstöcke erhalten, die heute ein Alter bis zu 140 Jahren aufweisen.

Das ist nach Sitia (man munkelt neuerdings, dass die Rebstöcke hier bis zu 240 Jahre alt sein könnten) und Santorini (bis 160 Jahre) die Nummer drei in der Rangliste der ältesten Rebbestände Griechenlands.

Man kann also in allen Belangen sagen, dass Amyndeo ein sehr interessantes Terroir ist und entsprechend spannende Weine hervorbringt.

Doch so seltsam wie die Beschreibung ‚blutige Aromen‘ klingt, ist sie gar nicht. Dieses Geschmacksbild ist nicht selten und gewiss auch wohlschmeckender als sich das zunächst anhört.

Die Limniona-Beeren sind dickhäutig und verhältnismäßig groß, was auch in der Fruchtigkeit des Weins von Karanika zum Ausdruck kommt.

Mein Wein namens Limniona hat eher einen mittleren Körper und begegnet uns im Glas seidig-rubinrot mit violettem Schimmer.

Trotz der mittleren Intensität des Weins kommen vollmundige Aspekte ins Spiel. Meinen Nasenraum erobert ein vielschichtiges Bukett und fordert meine volle Aufmerksamkeit.

Neben der sehr präsenten Erdbeere erkenne ich auch etwas Sauerkirsche und Waldboden. Hinzu kommen Gewürze wie Zimt, Nelke, schwarzer Pfeffer und Lorbeer. Es duftet wie auf dem Basar von Marrakesch.

Mit mehr Luft entfalten sich dann Noten von Holunder und Brombeere, Anis und ungesüßtem Pflaumenmus.

Ich nehme einen Schluck. Der Wein reifte 18 Monate lang in neuen und gebrauchten 225 Liter-Holzfässern. Jetzt bemerke ich, dass sich auch trockene Blumenblüten, Unterholz, Espresso, Lakritze und dunkle Schokolade dazu gesellt haben – willkommen!

Bisher habe ich in Griechenland Tomaten- und Olivenaromen eher in Xinomavro-Weinen verortet. Die Jahrtausende alte Nähe der Limniona-Reben zum Xinomavro in diesem Gebiet ist wahrscheinlich kein Zufall. Früher wurden Limniona und Xinomavro häufig in den gleichen Zeilen gepflanzt.

Ja, es ist in der Tat so, dass sich auch in diesem Wein Tomaten und schwarze Oliven zeigen.

Was mich aber am meisten an diesem Tropfen fasziniert, ist dieses Aroma von frischem, rotem Fleisch, vielleicht gar frischem Blut am Gaumen, welches sich passend mit Anklängen von Rosmarin und etwas Weihrauch zeigt. Auch ein wenig Rhabarbernoten spüre ich.

Was für einen Wein mit sagenhaft leckerem Trinkfluss habe ich da im Glas?

Nein, ich bin nicht Graf Dracula, dieser Wein schmeckt ganz sicher nicht nur Vampiren. Selbst beim Finale lässt der Karanika Limniona keine Wünsche offen und zeigt sich mit Haselnuss, karamellisierten Zwiebeln und der vollen Wucht seiner ausgezeichneten Fruchtigkeit. Noch eine Flasche bitte!

Dieser Tropfen passt zu vielen Speisen, vor allem zu Wildbraten und Rind – aber bitte nicht well done! – sowie zu würzigem Käse. Er ist auch ein perfekter Alleinunterhalter, was nicht jeder Wein von sich behaupten kann.

 


Datum: 15.12.2017 (Update 25.12.2017)