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Graf von Kanitz: Rotwein aus der Hitze

Betriebsleiter Marc Leitis.
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Mitten im heißen Sommer genießt der Captain dunkelwürzigen Spätburgunder vom Rhein. Das macht er öfter, weil er gerne antizyklisch trinkt.
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Der Captain hockt in Wien, unweit vom Rotweinparadies Burgenland, und fragt sich: Mit welchem Wein kann ich heute meine Leser beglücken?

Da fällt ihm einer aus adeligem Hause ein, der ganz weit weg von hier hergestellt wurde, nämlich Bio-Rotwein aus dem Städtchen Lorch in Hessen, dem letzten Zipfel des Rheingau.

Nördlich von hier beginnt das Anbaugebiet Mittelrhein, das lange unter einem durchwachsenen Ruf litt und teilweise immer noch leidet. Da haben die Großgrundbesitzer derer von Kanitz nochmal Glück gehabt, dass ihre Rebstöcke gerade noch auf dem Boden des edlen Rheingau wachsen.

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In den einschlägigen Weinführern werden die mineralischen Weißen des Weinguts Graf von Kanitz gelobt, aber als sich der Captain durchs Programm probierte, fiel ihm ein Gutswein auf, der rot leuchtet.

Was heißt Gutswein? Diese Qualitätsstufe ist eine Erfindung des Winzerverbands VDP und hat keine gesetzliche Gültigkeit. Gutswein markiert die unterste von vier Stufen, die da heißen: Gutswein, Orstwein, Erste Lage, Große Lage bzw. Großes Gewächs. Allgemeines Fazit: Ein Gutswein ist nichts Besonderes.

Warum feiert der Captain dann ausgerechnet diesen Wein ab? Antwort: Weil dieses leistbare Getränk durchaus etwas Besonderes ist, und das liegt am spektakulären Verhältnis zwischen Geschmack und Kaufpreis.

Ja, der Spätburgunder trocken 2018 vom Weingut Graf von Kanitz ist ein richtiger Preis-Leistungs-Bringer,der mir in seiner kräutrig-dunklen Machart und würzigen Intensität außerordentlich gut schmeckte: Im Glas leuchtendes Kirschrot. In der Nase Kirschenkompott, Earl-Grey-Tee, Niederegger Marzipan mit dunklem Schokoladenüberzug. Im Mund fleischig und dunkelwürzig. Ich schmecke konzentrierten Kirschsaft, kräuterbasierte Hustentropfen, Blutorange mit rassiger Säure und einen Tropfen Agavensirup. Am Gaumen Pfeffer, schwarzer Tee und Gewürznelke.

Nun, die äußeren Umstände spielten den (begabten) deutschen Rotweinmachern des Jahrgangs 2018 in die Hände. Es war trocken und heiß. Mehr als heiß.

Für Weißwein vielerorts zu heiß, sodass mancher einen Vorgeschmack darauf bekam, was der Klimawandel der guten deutschen Rieslingkultur noch antun könnte. Aber für die sonnenverliebten Rotweinsorten war das Wetter gerade richtig.

Kanitz-Betriebsleiter und Kellermeister Marc Leitis (kam erst 2020 aufs Weingut) zum Captain: Unsere Spätburgunderklone sind ohnehin schon kleinbeerig. Trockenheit und Hitze machten sie dann noch kleiner und den Inhalt konzentrierter, sodass dieser Jahrgang noch viel Freude bereiten wird.

Als neuer Verantwortlicher im Weingut freut sich Marc über einen ungewöhnlich großen Barriquekeller mit viel Platz für Wein. So viel, dass auch die einfachen Gutsweine im kleinen Eichenfass reifen dürfen, was eher unüblich ist. Bevor Leitis nach Lorch ging, war er lange Jahre im Weingut Barth tätig, wo man neuerdings den Schwerpunkt auf Sekt setzt, danach in einem Analyselabor für Weinbau in Geisenheim, einer bekannten Anlaufstelle für Winzer, die Rat suchen. Marc Leitis: Dort durfte ich aus den Fehlern anderer Weinmacher lernen, wie man es besser macht.

Im Saft meines Abendweins sorgt ein Gramm Restzucker für Geschmeidigkeit. Es ist Rotwein AUS der Hitze FÜR die Hitze. Dezent runtergekühlt ein köstlicher Speisebegleiter für würziges Essen.

 

Datum: 16.11.2021 (Update 17.11.2021)
 

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