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Friedrich Bastian: der zart-bittere Ton

Niemand ist eine Insel: Friedrich Bastian vor dem Bacharacher Werth.
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Der Captain trank delikaten Inselwein von einem Eiland im Rhein, zubereitet von einem Opernsänger, der sich mit Zwischentönen auskennt.
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Der deutschen Weinwirtschaft stehen neue Strafzölle auf Exporte in die USA ins Haus, meldet die dpa ohne konkrete Zahlen zu nennen. Hintergrund sind wettbewerbsverzerrende Subventionen für Airbus, die (aus amerikanischer Sicht) den Konkurrenten Boeing ungerecht benachteiligen. Die Vendetta ist nicht neu. Bereits im Oktober 2019 wurden 25% Strafsteuer auf deutsche Weine verhängt, die den Export böse trafen. Mal sehen, wie hoch der Tarif diesmal steigt.

Das Volumen der deutschen Weinexporte ins Amiland liegt bei 70 Mio. Euro. Es stehen Staatswirtschaft (Deutschland und andere Länder der EU) gegen die freien Kräfte des Marktes. Ist das gerecht? Sind wir die Guten oder die anderen? Den Winzern ist die Moral egal, sie sind Opfer eines lange schwelenden Konflikts, den einst Flugzeugnarr Franz Josef Strauss mit seiner Subventionspolitik initiierte und Milliarden Steuergelder kostete. Doch die Lieblingspolitiker der deutschen Winzerschaft in CDU und CSU (der deutsche Winzer wählt konservativ, die Jüngeren tendieren Richtung Grün) halten bis heute an diesem Irrsinn fest. Mit Unterstützung von SPD und Gewerkschaften.

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Niemand ist eine Insel zitiert der Captain einen bekannten Buchtitel und verlässt den Kampfplatz der Globalisierung, um sich einem anderen Ort zuzuwenden: dem Bacharacher Werth oder Heyles’en Werth, einer Insel, die seit 1815 der Familie Bastian gehört und seit 1970 als eine der exotischsten Rieslinglagen Deutschlands gilt. Damals wurde auf dem schmalen Streifen im Rhein mit dem Weinbau begonnen. Und von dort kommt eine Empfehlung des Captain, der zu den interessantesten Rieslingweinen gehört, die er in den vergangenen Wochen trank, nämlich der Bacharacher Insel Heyles´en Werth Riesling EDITION 2 von Friedrich Bastian. Kein Wein zum einfach Wegschlabbern, sondern ein Nachdenkwein, dessen auffälligstes Merkmal superfeine Bitternoten in Verbindung mit klingenscharfer Säure sind.

Diese Bittertöne sind das primäre Charakteristikum der Kollektion des singenden Winzers Friedrich Bastian, die in der Portfolio-Spitze (und dem Inselwein) zum Geschmackserlebnis besonderer Art kumuliert: Im Glas mittleres Gelb. In der Nase rauchig und ätherisch nach Grapefruitschale und überraschend nussig. Im Mund hochkonzentriert, zarte Petrolwürze, gelbfruchtig mit straffer und auf Kante genähter Säure und vornehme vegetabile Bitternoten, die diesen Wein nach vorne tragen und zu einem schneidigen Getränk machen. Das war es schon. Mehr Worte muss man über diesen charakterstarken Wein nicht verlieren. Interessanter Riesling für Fortgeschrittene.

Eigentlich wollte Bastian gar nicht den Weg des Weinmachers gehen, sondern Sänger werden, was er eisern durchzog und es bis zum anerkannten Stimmkünstler im Opernfach brachte. Siehe Video:

Dann aber vollzog Bastian einen U-Turn zurück ins Weingut, um doch noch Winzer zu werden. Das hervorragende Weinjahr 1989 und einhergehende Erfolgserlebnisse als junger Helfer im Betrieb überzeugten ihn. Was zaubert diese zartbittere Tonalität in Ihren Wein? Spontanvergärung und die lange Maischestandzeit von bis zu zwei Tagen. Genaueres kann ich nicht sagen, das ist dann Mikrobiologie, sagt Bastian und der Captain senkt seinen Rüssel wieder tief ins Glas, um das Geheimnis dieser Delikatesse zu ergründen.

Letzte Frage an Bastian: Welches Musikstück kann man am ehesten mit diesem Wein vergleichen? Antwort nach kurzem Überlegen: Klavierkonzert #3 von Rachmaninoff. Klingt wunderschön, aber man muss sich reindenken. Hier geht’s zur Musik.

Der deutsche Weinkonsum ist relativ konstant und beträgt seit Jahrzehnten jährlich zwischen 20 und 21 Liter Wein pro Person. Dazu kommen ca. drei Liter Schaumwein. Beinahe die Hälfte des getrunkenen Weins kommt aus Deutschland, der Rest kommt vor allem aus Italien (16%), Frankreich (12%) und Spanien (9%). Grob 80% des in Deutschland konsumierten Weins wird im Lebensmitteleinzelhandel (LEH = Supermärkte, Verbrauchermärkte und Discounter) gekauft, davon die Hälfte in Discountern (Lidl, ALDI etc.). Der größte Weinhändler Deutschlands heißt ALDI. Wichtigstes Exportland für deutsche Weine ist die USA, das Volumen beträgt mehr als 70 Mio. Euro. Am liebsten kaufen die Amerikaner deutschen Wein aus Riesling.

 

Datum: 2.1.2021 (Update 5.1.2021)
 

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