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Entdeckt: der Schüler von Romanée-Conti

Ex-Rugby-Profi und Winzer: Cjément Bärtschi
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Was für ein Wein! Und obendrein zu diesem Preis! Der Captain feiert atemberaubenden Chardonnay von einem unbekannten Meister ab.
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Der Captain vermeldet (wieder mal) eine atemberaubende Weinentdeckung. Eigentlich darfst du jetzt gar nicht weiterlesen, denn jemand anderer, der schneller ist als du, kann dir die letzte Flasche dieses Weins wegschnappen. Die Entdeckungen des Captain sind immer sehr schnell ausverkauft.

Wozu das Gewese um den Wein eines Winzers, den keine Sau kennt? Das erzähle ich dir gerne, denn dafür bin ich da. Lehne dich also zurück und zieh dir meine Geschichte rein.

Zunächst ein klärender Disclaimer. Wenn der Captain ENTDECKUNG schreit, ist das aus voller Überzeugung, aber meist das Werk anderer Menschen. Denn es ist mitnichten so, dass der Captain unermüdlich durch die Weinszene schweift, um seinen Rüssel in jedes bereitstehende Glas zu hängen. Das wäre höchst ineffizient. Dem Captain werden die meisten seiner ENTDECKUNGEN vor die Füße gelegt. Oft von den Herstellern selbst, die der Meinung sind, dass ihre Schöpfung ein höheres Maß an Aufmerksamkeit verdient. Oder findige Händler, die auf eine önologische Perle gestoßen sind und diese unter die Leute bringen wollen. Dann verkostet der Captain diese Vorschläge und fällt sein Urteil.

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Genauso war es beim heutigen Abendwein, den ihm Krystian Bandzimiera ans Herz legte, der zusammen mit einem Freund in Frankfurt die Weinhandlung The 7 Hats Wine Company betreibt. Dieser Firmenname klingt sympathisch. Krystian erzählte dem Captain von einem Winzer namens Clément Bärtschi (auch ein Name, den man nicht so schnell vergisst), ein ehemaliger Rugbyspieler (siehe Bild ganz oben) und Schüler von Aubert de Villaine, dessen Name man niemandem erklären muss, der sich ein bisschen in der Weinwelt auskennt.

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ABER da ich sehr viel Wert darauf lege, vor allem die Amateure des Weins anzusprechen und ihnen einen unkomplizierten Einstieg ins Weinkennertum zu erleichtern, erkläre ich gerne: Aubert de Villaine ist Chef und Miteigentümer der Domaine de la Romanée-Conti, auch DRC genannt, das berühmteste Weingut im Burgund und somit eines der bedeutendsten Weingüter weltweit. Tipp mal DRC in die Suche bei Instagram ein und schau dir die Gesichter der Menschen an, die eine DRC-Flasche in der Hand halten. Es geht ein seltsamer Zauber von diesen Pullen aus.

Die Domaine hat ihren Sitz im Dorf Vosne-Romanée und füllt Weine aus acht verschiedenen Grand-Cru-Lagen ab, die sich über die gesamte Länge der Côte d’Or erstrecken. Das berühmteste Produkt des Hauses stammt aus dem gleichnamigen Weinberg Romanée-Conti und ist im langjährigen Durchschnitt der teuerste Wein der Welt. Er kostet ab 7.000 Euro pro 0,75-Liter-Flasche.Die Domaine macht hauptsächlich Pinot Noir-Weine, deren Trauben von 28 Hektar Grand Cru-Weinbergen kommen. Neben Romanée-Conti gibt es La Tâche, Romanée-Saint-Vivant und Richebourg in Vosne-Romanée, sowie Abfüllungen aus Échezeaux und Grands Échezeaux. Die Ernten von Corton-Bressandes, Corton Clos du Roi und Corton Renardes sind in einem einzigen roten Corton Grand Cru vereint. Es werden drei Weißweine aus Chardonnay hergestellt. Nur einer von ihnen, der Montrachet, ist allgemein erhältlich. Ein Bâtard-Montrachet und ein Bourgogne Hautes Côtes de Nuits wird nur an enge Freunde abgegeben.

Zurück zu Clément Bärtschi. Alles, was ich über ihn weiß, hat mir Krystian erzählt und ich gebe es einfach weiter. Der Mann ist zarte 35 Jahre alt ist. Ein junger Franzose mit schweizerischen Vorfahren. Clément war ungefähr zehn Jahre lang professioneller Rugbyspieler für das schweizerische Nationalteam und in der französischen Liga. Ungefähr mit Anfang 20 begann er mit dem Weinbau. Er lernte und arbeitete bei einer Handvoll Winzern, die viele in der Weinwelt schätzen: Yves Cuilleron, Pierre Gaillard und Francois Villard waren die ersten Stationen des jungen Talents. In Bordeaux erlangte er sein Diplom in Önologie.

Dann geschah etwas, wovon viele nur träumen: Er ging ins Burgund und verbrachte dort ein ganzes Jahr mit Bernard Noblet (war bis 2018 Kellermeister von DRC) und Aubert de Villaine. Eine Lehrzeit, die den jungen Winzer nachhaltig beeinflusste. Es folgt ein bisschen Weinprosa von Krystian, die man gerne an sich vorbeiplätschern lässt: Jeden Tag in diesem Jahr, so erzählt Clément, lernte er in den ehrwürdigen Weinbergen von DRC aufs Neue, dass die Suche nach dem perfekten Wein niemals ein Ende haben kann. Oder darf. Dass Terroir, Klima und Bodenbeschaffenheit einer Lage sowie gesunde Trauben notwendig für das Machen der besten Weine der Welt sind. Und nicht moderne Alchemie im Keller. In diesem sehr prägenden Jahr wurden Noblet und de Villaine zu Cléments engen Freunden. Sie sind es noch heute.

Clément suchte in der Appellation Bugey, wo seine Großeltern einst Weinbauern waren, nach Rebflächen. Er fand einen Weinberg in Manicle (siehe Kasten unten), den ein betagter Winzer aufgeben wollte. Clément erkannte sofort die einzigartigen Bedingungen für komplexe und vielschichtige Weine: Lehm mit hohem Kalkstein-Anteil und steinigem Geröll aus dem Erdzeitalter Kimmeridgium – genauso wie die Böden im Chablis.

Die Rebstöcke sind 50 bis 70 Jahre alt, Hanglage gen Süden. Hier gründete Clément sein Weingut Domaine Bärtschi und brachte 2019 seinen ersten Jahrgang raus. Aufgrund seiner Beziehung zu DRC erhält er von dort einmalig gebrauchte Barriques und baut darin seine Weine aus. Komm endlich zum Wein Captain! Wie schmeckt der? Na so: Im Glas goldglänzendes Gelb. Es duftet animalisch, dann reif und auf rätselhafte Weise verhalten-fruchtig. Kaum zu sagen, welches Obst das sein könnte. Auf jeden Fall gelbes. Ich rieche dichte Ätherik, eine gut sortierte Fischtheke mit Krustentieren, die ihren penetranten Duft verströmen, dann pflanzliche Säfte, etwas Bienenwachs und zarten Honigrauch. Im Mund überwältigend vielschichtig wie Blätterteig und von ähnlicher Textur. Dieser Wein knistert förmlich. Ich spüre sanften Druck, viel Schmelz, rassig-elegante Säure und schmecke feste Banane, Honigmelone, etwas Orangenabrieb, Salz. Das war‘s. Jedoch in irre subtil aufeinander abgestimmter Harmonie – inklusive ganz feiner Süße. Das ist phantastischer Wein! Hier verrichtet ein großer Meister sein Werk.

Die Domaine Bärtschi befndet sich in der Großlage Manicle, die zur Appellation Bugey im Westen der Anbauregion Savoyen gehört. Das hippe Jura befindet sich ganz nah im Norden. Weiter südlich schlängelt sich die Rhône durch die Landschaft bis sie in Lyon nach Süden abbiegt.

Die kalkhaltigen Hänge des Juragebirges in Kombination mit sonnigen Lagen und wasserdurchlässigem Boden sind optimal für den Weinbau. Die Böden bestehen aus lockerem Gletschermaterial und großen Kalksteinblöcken. Sie speichern tagsüber Wärme und geben sie in der Nacht an die Rebpflanzen ab, was Reifung und Ausbildung der Aromen fördert. Die Lage am Westrand der Alpen bringt viel Niederschlag. Feuchte Luft, die vom Atlantik und vom Mittelmeer rüberweht, lädt Regen ab, bevor sie über die Berge aufsteigt. Doch die Drainage der Hänge begrenzt die Wasseraufnahme der Stöcke.

 

Datum: 15.7.2021
 

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