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Cooler Rotwein, den keiner kennt

Lisa Maria Endrici
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Teroldego Rotaliano ist eine ganz seltene, alte und fast vergessene Sorte aus dem Trentino. Ein cooler Rotwein im wahrsten Sinne des Wortes.
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Die Reben des Rotweins, den wir hier besprechen, wachsen zwischen zwei Flüssen im Norden Italiens auf einer Ebene, die Campo Rotaliano heißt.

20 Kilometer weiter südlich liegt die Provinzhauptstadt Trient und der schöne Gardasee leuchtet etwa 40 Kilometer südwestlich. Es ist etwas wärmer als in Südtirol weiter oben. und eigentlich ist das hier Weißweinland.

Trotzdem gibt es diesen Flecken Erde, der genauso heißt, wie sein Wein: Teroldego Rotaliano, bekannt für seine Rotweine und Rosés. Die Gegend liegt im Dreieck nördlich jener Stelle, in der das Flüsschen Noce in die mächtige Etsch mündet, die aus Meran herangewälzt kommt. Ein paar Stichworte zum Boden: Eiszeit, kalkiges Geröll, Kies, Schotter = Wasser fließt ab, trocken ist gut für die Reben – capiche?

Nicht weit entfernt rasen Touristen über die Brennerautobahn in den Süden, links und rechts ragen Berge in luftige Höhen. Dazwischen – wie gesagt – wächst der Teroldego Rotaliano, der fruchtig schmeckt, früh trinkreif ist und dennoch ein hohes Lagerpotenzial hat. Danke, Geografiestunde beendet, setzen.

Die Winzerfamilie Endrici (schreibt sich anders als ihr Weingut Endrizzi und keine Sau weiß warum) gehört zu den Pionieren des modernen Weinbaus der Region. Vor kurzem hat Tochter Lisa Maria einen Großteil der Verantwortung übernommen. Und schlägt sich – wie man hört – hervorragend.

Hier bei Endrizzi wurde schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit verdächtigen Rebsorten wie Cabernet Sauvignon und Chardonnay experimentiert. Die kennt heute jeder und die eigentliche Attraktion ist wieder das alte Zeug – Teroldego ist eine sogenannte autochthone Rebsorte, die ganz ursprünglich von hier ist und fast schon vergessen war.

Lest hier meinen Artikel über den „kleinen“ Teroldego-Rotwein aus dem Hause Endrizzi:

Die Tochter des Rotweins

Der Teroldego ist eigentlich ein Bauernwein und dazu noch recht kompliziert zu behandeln, die Trauben sind verdammt anfällig gegen Beschädigungen. Reichlich mühsam also und dennoch halten die Endicis und andere Winzer der Region an der ollen Traube fest.

Das hat natürlich seinen Grund. Und der schwimmt in meinem Glas. Es handelt sich konkret um den Toroldego Rotaliano Superiore Riserva (Riserva= mindestens zwei Jahre gereift). Der hier lag eine Zeit lang auch im Hokzfass. Wie lange genau, ist ums Verrecken nicht rauszufinden.

In die Nase strömt intensive Fruchtigkeit – aber welche Frucht denn bitte? Das ist nicht konkret festzumachen. Seltsam. Aber ok. Sonst ist alles sehr dezent. Nein, etwas fällt noch auf: Aroma von Wildleder. Interessant.

Im Mund ganz deutlich Pflaume und eiskalt runtergekühlte schwarze Schokolade. Wunderbar! Hinten am Gaumen kommt dann noch etwas Kirsche dazu – es schmeckt fast schon ein bisschen nach Mon Chéri-Praline. Ich spüre eine präsente Säure und ordentliche Tannine, die alle Geschmackskomponenten dieses Weins zusammenhalten, als wären sie eine Herde vor sich hingrasender Schafe.

Das ist ein schöner, runder Esswein mit fast nordischer Kühle im Aroma. Ein cooler Wein eben.

Essen? Grübel. Es ist nicht leicht, dazu eine Empfehlung zu finden, die passt. Ok, wie machen es uns einfach: Eine deftige Brettljause. Also Speck, Hartwurst, dunkles Brot. Oder ein Wildgulasch.

 


Datum: 7.11.2018