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Die Champagner-Rache

Goldjunge Jay Z mit Ace of Spades.
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Der Captain kostete die sauteuren Ace of Spades-Champagner von Rapper Jay-Z. Und einen nicht so teuren.
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Acht Menschen Personal für ein paar tausend Flaschen. Das ist irre! Die besten Trauben aus den besten Lagen. Jede einzelne Flasche natürlich mit der Hand gerüttelt. Und von keiner Maschine je berührt. Gealtert in einem speziellen Keller, am tiefsten Punkt, wo die Temperatur völlig konstant bleibt. Eine Cuvée aus drei Jahrgängen, selbstredend nur die besten. Das ist Armand de Brignac. Ein Champagner.

Schon die wuchtige Flasche ist ein Signal. Lichtdicht mit glänzender Folie verklebt, darauf ein Pik-Ass. Weshalb ihn die Szene auch „Ace of Spades“ nennt. Und das sagt der Preis: 300 Euro für die billigste Flasche. 400 Euro der Rosé und der Blanc-de-Blancs. Kein Alltagschampagner also. Und auch nie als solcher gedacht. Das, was ihr euch schon seit der ersten Zeile denkt, dachte ich auch: Wer braucht sowas eigentlich?

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Dieser Einwand ist wie eine Steilvorlage. Und auch der Einwand, dass man sich für gleich viel Geld einen Dom-Perignon 1990 kaufen kann, einen der besten Champagner der Welt. Oder einen 1996er Krug, der auch hervorragend ist. Und mit dem man auch ein bisschen mehr angeben kann. Wer braucht Armand de Brignac? Sicher nicht der alte Geldadel. Der hat, was er braucht.

Armand de Brignac ist für Neureiche. Leute, die ihre Möbel nicht am Bauhaus orientieren. Die keine Bulthaup-Küchen haben, sondern teures Schnickschnack und riesige Flachbildfernseher. Menschen, die alle zehn Tage das Parfum wechseln. Und einen neuen Sportwagen kaufen, bevor er auf den Markt kommt. Denn der alte ist schon acht Monate alt. Armand de Brignac ist für Angeber. So hat ihn die Familie Cattier, ehrwürdige Champagnerhersteller im Tal der Marne, positioniert. Und das nicht ohne Grund.

Das lächerlich zu finden ist also dumm. Denn der Armand de Brignac ist ein Desperado, ein selbsternannter König, der sich anmaßt, Zepter, Purpur und Krone zu beschlagnahmen. Und auf den Thron zu steigen. Es war also nur noch eine Frage der Zeit, bis Ende 2014 folgende Meldung die Runde machte Rapper Jay-Z kauft Cattier. Was will der denn mit einem alten Champagnerhaus? Mal nachdenken. Da war doch was.

Dem erfolgreiche Musikproduzent und Champagnerfreund Jay-Z war die Bemerkung eines gewissen Frederic Rouzaud, Chef des Champagnerhauses Louis Roederer (Cristal), mächtig aufgestoßen. Der kommentierte die Tatsache, dass sein Cristal-Champagner auffällig gerne in der schwarzen Rapper-Szene abgefeiert wird, mit den abfälligen Worten: Was sollen wir tun? Wir können denen nicht verbieten, ihn zu kaufen.

Es ist nicht schwer zu verstehen, dass dies als Rassismus aufgefasst wurde. Oder zumindest als Respektlosigkeit gegenüber der stolzen Rapper-Kultur. Jetzt hat Jay-Z also seine Champagnermarke und er kümmert sich rührend um die PR. Die Rache an Roederer kommt dabei natürlich auch nicht zu kurz, wie man hier sieht:

JayZ

Frage nur: Was kann der Armand, reicht es für eine Regentschaft? Der Captain trank gestern Nacht aus drei Flaschen, die extra für ihn geöffnet wurden. Gold, Rosé und Platin.

Platin, das ist der Blanc de Blancs, ein hundertprozentiger Chardonnay. Knochentrocken, knackig, herb. In der Nase sehr weinig, der erste Eindruck ließ auf einen guten frischen Burgunder schließen. Dann wie erwartet Zitrusdüfte, ein helles Sommerparfum von Hermes, das sich nur an der Frucht orientiert, etwas Krokant, Bisquit, ein klein wenig karamelisierter Zucker und rohe, frisch geschälte Kastanien. Dazu noch etwas nasses Leinen. Im Mund frisch und elegant, mit einem sanft eingesetzten Druck. Schnell und gut zu trinken. Und für Sommer und Wasser gedacht. Anderswo fehl am Platz.

Der Rosé ist eine Cuvée aus Pinot Noir, Pinot Meunier und ein bisschen Chardonnay. In der Nase wirkt er gleich fetter und eindringlicher; ein Eindruck, der im Mund keine Fortsetzung findet. Anklänge von Himbeere und Stachelbeere, von rosa Drops und Kirschwasser. Ein klein bisschen vulgär. Und auch im Mund eher verhalten und verweigernd. Kann sein, ist sogar sicher, dass der rosarote Armand noch einige Zeit im Keller liegen sollte.

Zum Schluß der „günstige“ Armand, der Brut in der goldenen Flasche. Eine Cuvée aus Chardonnay, Pinot Noir und Pinot Meunier. Hier ist alles richtig gemacht worden. In der Nase Malz, Bisquit, Zitronengras, Mandelsplitter, Mispel, Mandarine, Granatapfel, bayrische Creme, Couscous und dünne Schwaden aus einer marokkanischen Rauchküche. Im Mund hält dieser Eindruck: Fett und kräftig, einschmeichelnd und elegant. Richtiges Trinkvergnügen mit ordentlich Nachklang. Man kann sehen, wie vier Rapper in schwarzen Anzügen an einen Bentley gelehnt die Flasche leeren. Sie stehen vor einem Club in Bel Air, drinnen hämmern die Beats.

Und dann trank der Captain noch einen vierten Champagner, den ganz einfachen Brut Icône von Cattier. Es ist der preiswerte Hauswein, das Grundprodukt sozusagen. Und der machte ordentlich Vergnügen. In der Nase frisch und animierend: Zitronengras, Mandarine, Passionsfrucht, etwas Lychee. Im Mund balanciert, elegant, frisch. Ein richtig geiles Trinkvergnügen. Cattier macht also perfekten Champanger für den Normalverbraucher. Und das, so glaubt der Captain, ist die beste Nachricht des Tages.

Der Armand de Brignac wird übrigens von Benjamin Biermann und seinen Freunden importiert. Benjamin Biermann ist eigentlich das Gegenteil des Armand de Brignac, ein zurückhaltender und nobler Mittdreißiger, der neben seinem Studium als gefragter DJ gearbeitet hat. Daher kennt er die Welt des Glamours. Und deren Ansprüche. Benjamin Biermann ist auch der Sohn des 1976 aus der DDR ausgebürgerten Polit-Liedermachers Wolf Biermann. Und kommt aus einer deutschen Familie mit großer Biographie. Er kann interessante Geschichten erzählen. Es wäre eine interessante Idee, jeder Flasche Armand de Brignac einen Biermann-Song auf einem USB-Stick beizulegen.

 

Datum: 17.12.2019 (Update 9.12.2020)
 

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