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Der schönste Winzer Südtirols

Bild von Mann: Winzer Andreas Huber und seine Weingut-Pyramide.
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Wein aus Südtirol braucht bessere PR. Deshalb packt der Captain mit an. Und erzählt von seinem Besuch bei Winzer Andreas Huber vom Pacherhof im Eisacktal.
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Keine Schwärmereien über Winzerinnen, die gut aussehen. Das nahm sich der Captain strikt vor, als er merkte, dass die Fixierung auf Äußerlichkeiten in der Bewertung von Frauen im Weinbau respektlos, rückständig und zu beenden sei. Ältere Artikel zeugen davon, dass hier mal ein anderer Wind wehte, der viel Machostaub enthielt. Damit ist endgültig Schluss.

Und wie geht man mit Männern im Wingert um, die einfach atemberaubend fesch sind?

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Keine Schwärmereien über Winzerinnen, die gut aussehen. Das nahm sich der Captain strikt vor, als er merkte, dass die Fixierung auf Äußerlichkeiten in der Bewertung von Frauen im Weinbau respektlos, rückständig und zu beenden sei. Ältere Artikel zeugen davon, dass hier mal ein anderer Wind wehte, der viel Machostaub enthielt. Damit ist endgültig Schluss.

Und wie geht man mit Männern im Wingert um, die einfach atemberaubend fesch sind?

Tja, da müsste man jetzt den Genderbeauftragten fragen. Wenn man einen hätte. Gibt es aber nicht. Also selber nachdenken. Um den output der Gedanken des Captain zu diesem Thema auf den Punkt zu bringen: Es geht. Schwärmereien über das Erscheinungsbild von Männern im Weinbau sind erlaubt. Widerspricht das nicht dem Fetisch Gleichheitsgrundsatz? Nicht, wenn man dialektisch arbeitet und das andere fette buzzword der Fortschrittsgesellschaft in Stellung bringt: Gerechtigkeit. Gerechtigkeit für die Reduktion der schönen Winzerin auf eine Weinbergsbarbie. Nach 50 Jahren Mechanisierung und damit einhergehender Infiltrierung des Weibs in den kräftezehrenden Weinbau ist jetzt die Zeit für den backlash gekommen. Der Captain schreitet voran und widmet sich liebevoll den Prachtkerlen der Weinwirtschaft. Eine App mit Winzer-Pin-ups ist bereits in Vorbereitung. Nein, ist nur ein Scherz. Keine Sorge, wir gleiten nicht ins Erotikgeschäft ab (obwohl der enorme Anteil weiblicher Leser des Captain zu dieser Überlegung durchaus Anlass gäbe), sondern bleiben sittsam. Selten so einen Blödsinn gelesen? Stimmt. Aber wie soll der Captain dann diese Story einleiten, die zwar vom Wein handelt, aber nicht schon wieder mit Wein beginnt?

Einer, der das Prädikat „schönster Winzer“ verdient, ist Andreas Huber, Weinmacher im uralten Pacherhof im oberen Eisacktal.

Das kleine Eisacktal ist Italiens nördlichster Weinbauzipfel, hoch gelegen (Weinbau bis auf 850 Metern Seehöhe) und entsprechend kühl. Es gibt viel Sonne und wenig Regen. Daher ist das Eisacktal Quell fruchtiger und mineralischer Weißweine. 20 Weinbaubetriebe gibt es hier, 18 davon sind sogenannte Selbsteinkellerer, in Südtirol auch „Freie Weinbauern“ genannt.

In Südtirol ist der Weinbau ja überwiegend genossenschaftlich organisiert, was weltweit ziemlich einmalig ist. Es herrscht Weinkommunismus light, eine Art Kommunismus chinesischer Ausprägung, mit der Besonderheit, dass ein Teil der Produktionsmittel (Weinberge) in den Händen der Bauern verblieb. In anderen Worten: Kommunismus minus Weinberge plus maximales Profitstreben minus Todesstrafe und Organhandel. Alle sind zufrieden und verdienen gut. Der Wohlstand quillt quasi aus jeder Ritze. Als der Captain im vergangenen Herbst bei einer pompösen Weinparty der Kellerei Terlan zu Gast war, lernte er ein junges Weinbauernpaar mit drei Hektar Rebland kennen. Beide trugen Rolex.

Ja, Freie Weinbauern klingt etwas dick aufgetragen. Die plakative Selbstbezeichnung trägt aber ganz erheblich zum Stolz der verarbeitenden Winzer bei. Im Eisacktal setzen sie noch einen drauf und nennen sich Weinrebellen. Der schöne Andreas Huber ist einer von ihnen.

Ein durchlässiges Gemisch aus Schiefer, Gneis, Granit, Sand und Moränenschotter kennzeichnet die Böden im Eisacktal. Ganz früher wurde hier ausschließlich Rotwein angebaut. Erst im 20. Jahrhundert erkannte man die Chancen für Weißwein.

Andreas Huber teilt sich die Arbeit mit seiner Schwester Katharina, die Vertrieb und Marketing verantwortet. Die Werbefrau trat erst vor kurzem in den Familienbetrieb ein, in dem sie aufwuchs. Hier im Video erklärt sie, wie die Zusammenarbeit funktioniert. Bitte nicht von Kabelsalat und Gekläffe ablenken lassen. Im zweiten Teil sieht man, wie Andreas die futuristische Einfahrt ins Weingut öffnet. Die archaische Pyramide ist sozusagen die Spitze des Pacherhofs. Der Rest liegt unterirdisch.

Huber, der in Würzburg Weinbau studierte, erbte von seinen Vorvätern, die seit fast 1.000 Jahren hier am Berghang kleben, ein gar deutsch anmutendes Repertoire von Rebsorten, das dem regionalen Klima geschuldet ist: Kerner, Riesling, Müller-Thurgau, Sylvaner, Pinot Grigio (Grauburgunder) heißen die wichtigsten Weine. Auch etwas Grünen Veltliner gibt es. Wenn der baumlange Mann, der ganz locker als cover boy für jedes Luis-Trenker-Gedächtnisklettern werben könnte, in knarzigem Tirolerisch über seine Arbeit spricht, hat man bald einen Eindruck, welcher Gestalt die Herausforderungen auf der transalpinen Seite des Weinbaus unter dem Eindruck der globalen Erderwärmung sind. Der wertvollen feinen Säure (im heißen Südtirol ohnehin zunehmend Mangelware) Raum geben, heißt das Mantra am Pacherhof. Huber: Die Säure lebendig, aber nicht sauer wirken zu lassen, ist heute die große Kunst.

Deshalb baut Huber seine Weine jeweils zum Teil in Stahl, aber auch in großen Holzfässern von 1.200 bis 2.000 Liter Fassungsvermögen aus und begründet das so: Holz macht die Säure runder. Ich finde, im Stahl gerät die Säure strenger und mit der Zeit stumpfer, weil sie sich nicht entwickeln kann.

Bei Hubers Kerner lässt sich diese Haltung gut nachvollziehen. Es ist die Hauptrebsorte im Pacherhof, der schon seit dem Mittelalter existiert. Huber verkauft diesen Wein weltweit bis nach New York und Hongkong. Kerner, diese etwas abfällig behandelte Traube, wurde 1929 in Lauffen am Neckar gezüchtet und steht genetisch dem Riesling nahe, wenngleich ihr Zuckergehalt deutlich über jenem der vornehmen Verwandtschaft liegt. Die robuste Pflanze gilt als ausgesprochen widerstandsfähig gegen Winterfrost. Hubers Kerner ist geradlinig und ein aromatisches Frischeparadies, für den Captain ein Freude spendendes Highlight des Weinguts. In der Nase kräutrige Frische. Ich rieche Pfefferminze und Basilikum. Im Mund herrlich kühle Frucht und kernige (hihi) Säure. Zupackend und zugleich aromatisch. Der erfrischt wunderbar.

Natürlich entwickelte Andreas Huber auch einen Prestigewein. Jeder Winzer und jede Genossenschaft Südtirols, die etwas auf sich hält, hat so einen Brummer im Programm. Der Captain nennt sie die dicken Eier von Südtirol, denn sie sind teuer und wirken etwas aufgeblasen. Irgendwann nach der Jahrtausendwende kam der Trend ins Rollen. Als dann der Gewürztraminer Epokale von der Kellerei Tramin im Jahr 2009 (reifte 7 Jahre lang in einem hoch gelegenen Bergwerksstollen) als erster Wein Südtirols 100 Parker-Punkte verpasst bekam, war der Damm gebrochen und ein Wettrüsten um den besten Herzeigewein begann. Seither basteln Kellermeister im ganzen Land an so einer in Flaschen gestopften Leistungsschau.

Hubers Prestigewein heißt Private Cuvée. Der erste Jahrgang 2014 wurde 2016 vorgestellt. Er kommt vergleichsweise dezent daher und kostet auch nur etwa doppelt so viel wie die anderen Tropfen. Der Verschnitt aus Riesling, Sylvaner, Kerner und Sauvignon Blanc ist ein ganzer Kerl von Wein, dennoch vielschichtig und sanft. Insofern repräsentiert er ganz gut die Persönlichkeit des Winzers. Um den Verkostungsbericht zu lesen, müsst ihr auf das Flaschenfoto klicken:

Der Captain probierte noch Hubers Sylvaner (in Südtirol mit Ypsilon geschrieben), Müller-Thurgau, Grauburgunder, pardon: Pinot Grigio, und Riesling. Und erlebte die Spannung, die in Weinen aus dem Gebirge stecken kann, wo dramatische Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht herrschen und die Elemente an den Rebstöcken zerren.

Für die deutsch trinkende Zunge nachvollziehbar lotet vor allem Hubers Riesling aus, was beim Weinbau in den Alpen geht. Dieser Riesling reifte zu 50% im 2.000-Liter-Holzfass, um die Hefe atmen zu lassen und Tiefe zu erzeugen, wie der Winzer sagt. In der Nase Kühle, Pikanz und Kräutrigkeit. Ich rieche weißen Pfeffer, Brennnessel, Aprikose, etwas Honig, Apfel, Weißkohl. Im Mund rassig und erfrischend. Die Säure springt mich förmlich an wie der sehr anhängliche Hund des Hauses, ist aber zugleich sanft und ohne Kratzigkeit. Ich fühle mich an die Pfälzer Machart erinnert und schmecke grünen Apfel, weißen Pfirsich, Limette, Grapefruit und Kräutertee. Im Abgang nochmal viel Limette und Margarita mit Salzrand.

Übrigens, der Pacherhof ist auch Hotel und gehört zur Vinum-Kette (29 Hotels im Verbund), was Weinkompetenz und eine Auswahl weit über die übliche Gastronomie-Beschaulichkeiten garantiert. Wer etwas ganz Besonderes trinken will, geht einfach über den Hof rüber zur Pyramide und klopft an.

 


Datum: 19.8.2019 (Update 20.8.2019)
 

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