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Köstlicher US-Primitivo aus Beeren, Salz, Erde

Winzer Joseph Wagner (li.) und winemaker John Lopez.
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Der Captain trinkt Edel-Primitivo, der in den USA Zinfandel heißt.
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Der Captain meldet sich noch einmal aus der Langhe im Piemont, Heimat von Barolo, Barbaresco und anderen herzerwärmenden Getränke, die er hier im Akkord probiert. Morgen ist Schluss und es geht wieder nach Hause.

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Ein Beitrag geteilt von CaptainCork (@captaincork_winemag)

Die Weinwelt ist mitunter ein Wanderzirkus. Das war schon immer so. Zum Beispiel in Kalifornien, wo Missionare den Anstoß zum Weinbau gaben, um Messweine für ihre Gottesdienste (und sicher auch für private Besäufnisse) zu keltern. Später belebten Einwanderer aus den europäischen Anbaugebieten die Szene. Bereits Ende des 19. Jahrhunderts gab es an der Westküste eine blühende Weinwirtschaft.

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Man macht sich ja bei uns gerne lustig über US-Weine und übersieht dabei, dass sich diese Meinung vornehmlich auf Erlebnisse mit langweiligen Supermarktweinen stützt. Ebensogut könnte man die pappsüßen Rieslingexporte der deutschen Weinindustrie als Grundlage für ein Gesamturteil über die Weinkultur hierzulande heranziehen. Das wäre natürlich Quatsch. Und obendrein ungerecht, denn ohne Kalifornien sähe die europäische Weinkultur mager aus.

Vor ziemlich genau einem Monat schrieb ich in meinem Newsletter: Einer Laune der Natur ist es übrigens zu verdanken, dass in Kalifornien viel mehr ältere Rebstöcke im Boden stecken als in Europa, wo die Reblauskatastrophe im 19. Jahrhundert die Weinwirtschaft fast auslöschte. Nur durch resistente Setzlinge aus Kalifornien konnte der Weinbau in der Alten Welt durch das sogenannte → Aufpfropfen wiederbelebt werden, weshalb ein großer Teil der Weine, die heutzutage in unseren Gläsern schwimmen, eigentlich Kalifornier sind.

Zinfandel aus Kalifornien ist genetisch dieselbe Rebsorte wie Primitivo aus Apulien und ergibt deckungsgleich ein Qualitätsspektrum zwischen grausam und grandios.

Es gibt kalifornische Weinfamilien, die sich seit über 100 Jahren mit dieser Rebsorte beschäftigen und teilweise traumhafte Ergebnisse erzielen. Eine davon ist die Familie Wagner, die Ende des 19. Jahrhunderts aus dem Elsass nach Kalifornien kam.

Später tat man sich mit der Nachbarfamilie Glos (aus der einstmals bayerischen Pfalz) und den Weinhändlern Stice zusammen. Ein Wagner-Junge heiratete ein Glos-Mädchen. Es entstanden mehrere Betriebe – darunter das Weingut Caymus Vineyards, das für seine Cabernet Sauvignons bekannt ist.

Ein anderer Betrieb des Wagner-Imperiums widmet sich ganz der Rebsorte Zinfandel und heißt Beran Wines. Alteingesessene winegrower liefern Trauben aus allen Ecken der Sonoma Valley AVA zu, aus denen winemaker John Lopez (Bild oben) atemberaubende Getränke vinifiziert. Eines davon ist der faszinierende Zinfandel Sonoma County von Beran Wines, den ich nicht genug loben kann: Beeren, Salz und Erde – so kann man dieses üppige Trinkabenteuer aus der Rebsorte Zinfandel (= Primitivo) zusammenfassen. Im Glas leuchtendes Rubinrot. In der Nase viel rote Beerenfrüchte, Kamillenblüte, Kardamon, Menthol und roter Pfeffer. Im Mund konzentriert und herrlich würzig. Ich schmecke Granatapfelsirup mit roter Säure, salzige Elemente, Erdigkeit und warm schimmernde Süße. Was für ein opulenter, mächtiger (15%+ Vol. Alkohol) und zugleich feingliedriger Wein! Am Gaumen Earl-Grey-Tee mit braunem Kandiszucker und einem Spritzer Blutorangensaft. Wer dieses faszinierende Getränk Freunden auftischt, erntet zunächst Staunen und dann Respekt.

Was heißt eigentlich AVA? Eine American Viticultural Area ist nichts anderes als ein Anbaugebiet. Zurzeit gibt es genau 257 AVAs in den USA, davon liegen 142 in Kalifornien. In der weiter unten verlinkten interaktiven Karte kannst du dich spielerisch durch sämtliche Anbaugebiete Kaliforniens wühlen. Es sind sogar einzelne Weingüter darin aufgelistet.

 

Datum: 25.7.2021
 

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