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Wer ist echter Winzer?

Eva Bonnet, gelernte Winzerin.

Cuvée 1796

Cuvée 1796

Georg Naegele, Deutschland

8,00 €

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Wie sagt man zu einem Weinfreund, der ein Weingut erwirbt, ohne den Winzerberuf erlernt zu haben? Darf der dann auch Winzer heißen?
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Der Captain trinkt Mittagswein (eine alte Sitte, die in Verruf geraten ist) und tischt einen maulfüllenden Pfälzer auf, der es so richtig in sich hat: Opulenz, lebendige Säure, schmeichelnde Restsüße und Spuren von Salz. Puh!

Der Wein heißt → Cuvée 1796 und kommt vom Weingut Georg Naegele, das von einer Frau geleitet wird: Eva Bonnet.

1796 – war da nicht was? Ja:

  1. Das erste Patent für eine Waschmaschine wird vergeben.
  2. In Wales scheitert eine Invasion französischer Soldaten, weil die zu sehr dem erbeuteten Alkohol zusprechen und ständig besoffen sind.
  3. In Mainz rücken Truppen der französischen Republik ein.
  4. wird in Hambach von einem gewissen Georg Adler ein Weingut ersteigert, das später Georg Naegele heißen wird

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Winzerinnen: Das Thema wird ja immer noch ein bisschen kopfstreichelnd behandelt. Nach dem Motto: Süß, jetzt habt ihr’s auch geschafft!

Das ist vielfach sicher nicht böse gemeint. Aber eine gewisse Ungeschicklichkeit im Umgang mit Frauen in der Weinwirtschaft kann man der Weinpresse durchaus unterstellen. Da rechnet sich der Captain mit rein, besonders, wenn er alte Artikel durchliest, die vor Jahren hier geschrieben wurden.

Es wird Zeit, dass diese Haltung aus den Köpfen verschwindet und deshalb findet der Captain die Gendersprache mit ihren Sternchen und angeleimten Silben gar nicht so schlecht, obwohl sie Lese- und Hörfluss schrecklich verhagelt. Der Captain glaubt: Das vergeht wie die blutverschmierten Guillotinen der französischen Revolution. Womit wir zurückkehren zu Goerg Naegele und Eva Bonnet und ihrer Cuvée mit dem Revolutionsjahr 1796, die Eva dem Captain als Trinkbegleitung zu einem Text schickte, weil sie sich aufregte.

Über was denn bitte? Es geht um eine semantische Unschärfe im Zusammenhang mit dem Begriff „Winzer“. Denn oft schreibt der Captain über reiche Quereinsteiger, die sich ein Weingut kaufen und nennt diese Leute ganz unkompliziert Winzer.

Ja, und das weckt Störgefühle in Eva Bonnet und vielleicht auch ein paar anderen Menschen, die dem Winzerberuf nachgehen. Das kann der Captain nachvollziehen. Und veröffentlicht deshalb diese Zeilen, die Eva ihm schrieb: Ich lese ja immer wieder mit Genuss die Geschichten des Captain aus der globalen Weinszene, die so gar nichts mit meinem Dasein als Pfälzer Winzerin in der 7. Generation zu tun haben. Ja, wir feiern in diesem Jahr unser 225jähriges Weingutsjubiläum, worauf wir auch ein bisschen stolz sind. Aber eben auch nur ein bisschen, denn wenn ich etwas in meiner Zeit als Winzerin gelernt habe (ups, noch ein Jubiläum, ich bin seit 1991 in meinem Betrieb aktiv tätig), dann das: Der Umgang mit der Natur macht demütig. Und dann ärgert es mich als biedere, brave Winzerin, die diesen Job seit dreißig Jahren macht, wenn ein betuchter Unternehmer vom Captain als „Winzer“ bezeichnet wird.Winzer zu sein, da gehört in meiner kleinen Welt mehr dazu als das nötige Kleingeld zu haben, um sich ein Weingut zu gönnen, mit einem winemaker dazu. Für mich ist das zunächst ein Ausbildungsberuf, den man drei Jahre lang in einem oder mehreren Betrieben lernt, sich dann durch mehrere anschließende Qualifikationen weiterbildet, zum Winzermeister, Weinbautechniker oder Weinbau-Ingenieur, sich durch verschiedene Berufspraktika im In- und Ausland arbeitet, und irgendwann soweit ist, dass man die Verantwortung für die eigene Weinerzeugung übernehmen kann. Ja, wir haben einen tollen Beruf, in dem es selten langweilig wird und wir stellen ein emotionales Produkt her, das endlich auch mal den Zeitgeist trifft. Das ist aber mit viel Arbeit verbunden und wir tragen ein hohes unternehmerisches Risiko – durch Unwetter, Klimawandel, Änderungen beim Konsumverhalten, zunehmenden Bürokratiewahnsinn im Zusammenhang mit Naturschutz usw. Also, wer ein Weingut kauft, weil er Kohle hat, weil es gerade angesagt und schick ist, der ist für mich bestenfalls Unternehmer oder Investor, aber noch lange kein Winzer.Da gehören auch Leidenschaft, Erfahrung und Rückschläge in Verbindung mit Wein und Natur dazu. So, das musste einfach mal raus.

Darauf ein Glas Cuvée 1796: Sehr geschmacksintensive Cuvée aus 95% der seltenen Rebsorte Rieslaner (Kreuzung aus Riesling und Silvaner) und 5% Weißburgunder. Im Glas sattes Gelb mit Messingreflexen. In der Nase mürbe, gelbfruchtige Noten nach Apfel, Birne, Aprikose, dann Honigmelone. Im Mund raumgreifend-opulent, sehr lebendige Säure, spürbare Restsüße und Salz. Das ist eine interessante Mischung, die den Wein auf eine Stufe hebt, wo man ihn nicht verortet. Ich schmecke viel gelben Apfel, grüne Banane, Aprikose, zarte Rauchnoten und wieder Salz. Das ist ein sehr weiniger und wegen seiner inneren Spannung auch ungewöhnlicher Wein.

 

Datum: 30.3.2021
 

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