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Weinhaus am Wißberg: Chardonnay, der umhaut

Weinmacher Torsten Klein
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Wahre Freundschaft: Eine Gruppe Kumpels schmeißt ihr Geld zusammen und macht möglich, dass du einen sagenhaft guten Chardonnay aus Rheinhessen kaufen kannst.
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Der Captain meldet (wieder einmal) eine besondere Wein-Entdeckung, von der du ganz sicher noch nie gehört hast. Es handelt sich um deutschen Spitzen-Chardonnay, derer es so viele nicht gibt.

Chardonnay, dieser Armin Laschet der Rebsorten (weil sich diese Traube jedem Umfeld anpasst und in allen Milieus gedeiht), ergibt recht schnell gefällige Weine. Aber so richtig spitze schmeckt Chardonnay erst, wenn man ihm ein qualvolles Golgota zufügt. Der Captain steuert auf Ostern zu. Deshalb fallen ihm solche Sachen ein. Guter Wein muss leiden. Das weiß auch der Önologe Torsten Klein, der dem Captain zuraunt: Wenn Chardonnay groß werden soll, muss man mit dem Ertrag runter. Die Weißwein-Güter im Burgund machen es vor.

Aber was heißt eigentlich „Ertrag senken“?

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Antwort: Das fasst alle verfügbaren Maßnahmen zusammen, die dazu dienen, jene Kräfte, die ein Rebstock aus dem Boden saugt (via Wurzeln) oder aus dem Sonnenlicht verwandelt (via Blätter), in möglichst wenigen Beeren zu konzentrieren, wo sich dann eine Geschmacksexplosion ereignet. Nach diesen Zeilen bekommt der Captain sicher wieder jede Menge E-Mails mit Ohrfeigen von Mikrobiologen, Pflanzenkundlern und Weinbau-Agronomen, die seinen lockeren Umgang mit Fach-Begriffen schelten. ABER WER SOLL DEN MENSCHEN DA DRAUSSEN SONST ERKLÄREN, WIE GUTER WEIN HERGESTELLT WIRD? Die etablierten Weinmedien haben diese Mission ja längst aufgegeben.

Weiter geht’s mit des Captains kleiner Wein-Sendung mit der Maus (Glückwunsch, ist genau 50 Jahre alt!). Torsten Klein nennt eine Methode (von vielen), um Konzentration und Spannung in Weinbeeren zu erhöhen, die er für seinen spektakulären Chardonnay Monoceros unfiltriert vom Weinhaus Wißberg anwendet: die Entfernung der Blätter über dem sogenannten Geschein (aus dem später die Blüten entstehen), um die daraus resultierende Verrieselung (siehe Info-Text hier) zu begünstigen.

Uff! Ganz schön schwere Kost heute, aber da musst du durch, um zu verstehen, was die Leute anstellen, um richtig gute (und teure) Weine auf den Weg zu bringen und worin genau der Unterschied zu Weinen für vier Euro im Supermarkt liegt.

Erste Frage, die dem (moralisch deformierten) Captain sofort durch den Kopf schießt: Macht man das, um viel Geld zu verdienen? Torsten Klein wirkt glaubhaft überrumpelt und stottert: Eigentlich war dieser Wein für den Eigenbedarf einiger Freunde bestimmt, doch dann ist das Projekt eskaliert.

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Ein Beitrag geteilt von Karlheinz Göldner (@tregnum_khg)

Weinberater Klein stieg 2017 aus dem Weingut Josten & Klein in Remagen aus und schloss sich einer Gruppe von Kumpels hinter dem Winzer Frank Stumm an (im Bild oben ganz links), der über extrem kalkreiche Parzellen am Wißberg im nördlichen Rheinhessen (eine Viertel Autostunde südlich von Bingen) verfügt, wo es auch einen Golfplatz mit traumhaftem Blick gibt.

Das knappe Dutzend Weinfreunde hatte Spaß an der gemeinsamen Lese und dem darauf folgenden Weingenuss, sodass man Geld zusammenschmiss und beschloss: Daraus machen wir mehr. Deshalb kann man diesen Wein jetzt kaufen. Das Weinhaus am Wißberg liegt allerdings weit vom Wißberg entfernt – im bayerischen Straubing, wo Mit-Initiator Karlheinz Göldner die Weinhandlung Tregnum betreibt. Also bitte nicht zum Wißberg fahren, um dort Wein einzukaufen!

Der atemberaubende Chardonnay Monocerus (Einhorn) vergor spontan mit den eigenen Stielen, was eine gewisse Vorsicht erfordert, damit nicht zu viele Gerbstoffe auswaschen. Die passende Technik dafür heißt Remontage oder Überschwallen. Die Reife erfolgte im Barrique.

Der gelernte Bauzeichner Torsten Klein blickt bereits auf eine feine Karriere als Önologe zurück. Er lernte im Schlossgut Diel, bei Meyer-Näkel und arbeitete bei Bürklin-Wolf. Alles erstklassige Adressen.

Puh, das war jetzt eine geballte Ladung Weinwissen. Zu schwer verdaulich für dich?Dieser Wein ist das nicht. Er plätschert wie ein Gebirgsbach durch dich hindurch. Musst du einfach probieren, wenn du dich ernsthaft für Chardonnay interessierst: Im Glas mittleres Gelb und glänzend. In der Nase wunderschöne Fusion von Schmelz und Mineralik, die viel Vorfreude und eine Ahnung davon aufkommen lässt, wie der Wein gleich schmecken wird. Ich rieche Zitronentarte mit mürbem Hefeteig und grüne (brasilianische) Banane mit zart-pflanzlichen Noten. Im Mund zitrig-frisch, zugleich sahnig und mit Biss. Großartiger Chardonnay mit burgundischem Charakter, vielschichtig wie Blätterteig und kerzengerade im Glas. Das bedarf nicht vieler Worte. Einfach nur elegant und eine tolle Entdeckung!

 

Datum: 14.3.2021
 

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