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Was tut sich beim Wein aus Österreich?

Österreich-Auskennerin Luzia Schrampf.
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Ein neues Buch beschreibt 111 Weine aus Österreich jenseits der großen (und teuren) Namen und nennt aufregende Entdeckungen. Der Captain sprach mit Weintesterin Luzia Schrampf aus dem zweiköpfigen Autorenteam.
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Die österreichischen Weinjournalistinnen Daniela Dejnega und Luzia Schrampf schrieben das Buch „111 Weine aus Österreich, die man getrunken haben muss“. Es ist ein Buch für deutsche Leser, die wissen wollen, was sich weinmäßig beim Nachbarn tut. Kein Best-of mit vertrauten Namen, sondern ein Kompendium für Entdecker. So etwas gefällt dem Captain natürlich gut.

Der Captain kennt Luzia Schrampf und schätzt sie sehr. Er freut sich jedes Mal, wenn er gemeinsam mit ihr verkosten darf. Denn Luzia, die neben dem Schreiben in der Sommelier-Ausbildung tätig ist, kann so wunderbar erklären. Wer genau wissen will, was ich meine, schaut sich dieses Video an, in dem Luzia Schrampf gestenreich darlegt, wie sie Weine testet und ganz nebenbei den Begriff „Wurfschluck-Verkostung“ erläutert:

Luzia, kann man mit drei Weinen Österreich erklären? Ja, das geht, wenn man zwei Weiße und einen Roten nimmt.

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Die österreichischen Weinjournalistinnen Daniela Dejnega und Luzia Schrampf schrieben das Buch „111 Weine aus Österreich, die man getrunken haben muss“. Es ist ein Buch für deutsche Leser, die wissen wollen, was sich weinmäßig beim Nachbarn tut. Kein Best-of mit vertrauten Namen, sondern ein Kompendium für Entdecker. So etwas gefällt dem Captain natürlich gut.

Der Captain kennt Luzia Schrampf und schätzt sie sehr. Er freut sich jedes Mal, wenn er gemeinsam mit ihr verkosten darf. Denn Luzia, die neben dem Schreiben in der Sommelier-Ausbildung tätig ist, kann so wunderbar erklären. Wer genau wissen will, was ich meine, schaut sich dieses Video an, in dem Luzia Schrampf gestenreich darlegt, wie sie Weine testet und ganz nebenbei den Begriff „Wurfschluck-Verkostung“ erläutert:

Luzia, kann man mit drei Weinen Österreich erklären? Ja, das geht, wenn man zwei Weiße und einen Roten nimmt.

Dann nenne uns bitte jene Weine aus eurem Buch, die das Weinland Österreich am besten beschreiben. Ob man will oder nicht – am Grünen Veltliner führt kein Weg vorbei. Da fällt mir sofort Herbert Zillinger ein. Zum Beispiel sein Vogelsang. Aber auch bei den anderen Weinen von Zillinger kann man blind zugreifen. Dieser Winzer macht unfassbar schöne und prototypische Lehrbuch-Grüne-Veltliner, die zeigen, was diese Sorte zu leisten vermag. Hier ist deutlich zu spüren, dass Grüner Veltliner nicht nur austauschbarer Schlemperwein* ist, sondern eine faszinierende Mischung aus Fruchtigkeit und Würze mit Unterbau und Rückgrat sein kann.

Warum weiß man in Deutschland so wenig über die Vielfalt der Weine aus Österreich? Leider wird das Weinland Österreich hauptsächlich mit der Rebsorte Grüner Veltliner verknüpft. Dass es bei uns auch fantastische Rotweine gibt, ist viel zu wenig bekannt. Von manch anbetungswürdigen Chardonnays und Sauvignon Blanc-Weinen der Steiermark ganz zu schweigen. Es liegt vielleicht auch daran, dass es mit Grünem Veltliner begann. Nach dem berühmten → London-Tasting 2002 änderte sich nämlich alles. Damals stellte die Weinkritikerin Jancis Robinson gemeinsam mit Kollegen große Burgunder und Chardonnays aus aller Welt gegen Grüne Veltliner, die für Aufsehen sorgten und veröffentlichte einen Artikel in der „Financial Times“. Plötzlich war klar, dass ein neuer Player die Bühne der Top-Anbauländer betreten hatte. Obwohl unter Experten schon längst ein gewisser Ruf existierte. Auch dank Winzer Alois Kracher und seiner monumentalen Süßweine vom Neusiedlersee.

Wie lautet dein Tipp für lehrbuchhaften Weißwein aus Österreich, wenn es kein Grüner Veltliner sein soll? Sauvignon Blanc aus der Südsteiermark, wo sich in den letzten fünf Jahren unheimlich viel tat. Zum Beispiel von Katharina Lackner-Tinnacher. Bei ihr verwandelt sich diese manchmal sehr aufdringliche Sorte in ein zauberhaftes Erlebnis. Frisch, frühlingsblütenhaft, elegant und zurückhaltend. Das riecht überhaupt nicht nach Raumspray sondern wirkt intensiv und zart zugleich. Eine großartige Kombination. Sie hat auch einen tollen Grauburgunder, der nicht sofort in die Nase springt. Elegant, dicht, aber keinesfalls wuchtig. Deshalb nahmen wir diesen Wein in unser Buch auf.

Aber lass mich bitte auch ein Beispiel für großen und eleganten Sauvignon Blanc erwähnen, der bei uns im Buch steht – den Sauvignon blanc vom Opok von Roland Tauss aus Schlossberg bei Leutschach.

Österreicher sind sehr stolz auf die Leistungen ihrer Winzer und ziehen heimische Weine den Produkten aus dem Ausland vor. Woher kommt diese Hingabe? Der Weinkäufer ist sogar bereit, im Durchschnitt mehr zu bezahlen als der Deutsche, obwohl er weniger verdient. Die Konsumenten sind recht gut informiert, sie kennen sich bei Rebsorten, Regionen und Winzern gut aus und sprechen auch darüber. Der → Glykol-Skandal von 1985 hat einiges in Bewegung gesetzt. Das beschäftigte jeden. Auch Leute, die nie zuvor mit Wein zu tun hatten.

Warum liegt den Österreichern ihr Wein näher am Herzen als den Deutschen? Im gesamten Osten Österreichs wird Wein angebaut. Wien ist ein eigenes Anbaugebiet und hat zwei Mio. Einwohner. Das ist ein Viertel der Gesamtbevölkerung. Weitere Anbaugebiete befinden sich in unmittelbarer Nähe: Weinviertel, Burgenland usw. Der Zugang ist völlig unkompliziert. Man ist nicht auf Supermärkte angewiesen, sondern kann an einem Samstagnachmittag mehrere Winzer besuchen, günstig einkaufen und im Gespräch dazulernen. Wein ist uns sehr nahe. Die Weinhandelskette Wein & Co. hat in den 1990ern mit ihrem damals innovativen Konzept, das Handel mit Gastronomie vermischt, sicherlich auch dazu beigetragen, dass sich immer mehr Menschen mit Wein beschäftigen.

Welchen Roten schlägst du als Startschuss ins Weinland Österreich vor? Blaufränkisch vom Leithaberg oder Eisenberg. Wir haben einen sehr, sehr schönen Blaufränkisch Eisenberg von Weber im Buch, der gar nicht viel kostet. Meine Kollegin Daniela hat ihn gefunden. Dieser Blaufränkisch ist sehr klassisch und zeigt alles, was man von dieser Sorte erwarten kann. Er hat Erdigkeit, Eleganz, Struktur und die Würze des Eisenbergs. Blaufränkisch ist per se nicht geschmeidig wie Zweigelt oder Merlot, sondern ein wenig fordernd.

Jetzt haben wir schon vier Weine. Dennoch scheint mir, dass es noch einer Empfehlung aus der Kategorie Süßwein bedarf. Welche hast du für uns? Da muss ich abwägen zwischen Seewinkel und Ruster Ausbruch. Als Einstiegs-Empfehlung tendiere ich zum Ruster Ausbruch, weil man dort viel mit der Sorte Furmint experimentiert und das kann zum Niederknien herrlich sein. Süßwein aus dem Seewinkel ist ein anderer Stil: wuchtiger, fülliger, teilweise cremiger. Die Namen Kracher oder Tschida drängen sich in diesem Zusammenhang auf. Kracher steht seit jeher für grandiose Süßweine. Dass Gerhard Kracher auch sehr gute trockene Sachen macht, ist wenig bekannt. Das Grüner-Veltliner-Projekt Kracher&Sohm bringt ausgezeichnete Weine hervor. Aldo Sohm ist ein berühmter Sommelier aus Tirol, der im New Yorker Le Bernardin seit ewigen Zeiten Gäste mit Weinen beglückt. Er kommt oft nach Österreich, um mit Gerhard Kracher das gemeinsame Weingut voranzutreiben. Inzwischen gibt es auch eine Anlage am Leithaberg.

Deine konkrete Empfehlung für Süßwein lautet wie? Heidi Schröcks Ruster Ausbruch „Auf den Flügeln der Morgenröte“, eine Cuvée mit unterschiedlicher Zusammensetzung: Welschriesling, Burgundersorten, manchmal Furmint – je nach Jahrgang. Eine wunderbare, barocke Sache, die fantastisch schmeckt.

Sorry, aber ich will noch einen weiteren Süßwein nennen. Im Buch haben wir einen tollen Riesling im Kabinett-Stil von Proidl im Kremstal: „Proidl spricht Deutsch“. Für germanische Zungen sicherlich keine schlechte Wahl, um die österreichische Weinwelt zu betreten.

Über 13.000 Winzer in Österreich kultivieren Wein. Dazu zählt auch der kleinste Weinbauer im Nebenerwerb. Das ÖWM (Österreichisches Weinmarketing), die Lobby-Organisation der Weinwirtschaft, listet auf seiner Website rund 4.000 Betriebe auf, die Wein in Flaschen füllen. Wie schwer war es 111 Weine von so vielen Erzeugern auszuwählen? Sehr schwierig, weil es natürlich noch viel mehr Weine gibt, die erwähnenswert sind. Die erste Auswahl war 127, dann 120, die letzten 9 wegstreichen war eine schreckliche Qual.

Um welchen Wein, der rausflog, tut es dir am meisten leid? Um den Magna Mater von Birgit Braunstein. Ein köstlicher Blaufränkisch, der in der Amphore vergor.

*Schlemperwein = Zechwein, Schlabberwein

 


Datum: 6.1.2020 (Update 7.1.2020)
 

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