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Rhône: Lass uns sparen!

Die Freunde von der Rhône.
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Der Captain trank einen Ausnahme-Weißwein von der nördlichen Rhône. Fazit: feinster Weingenuß für kleine Münze.
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Was passiert, wenn sich drei Superstars zusammentun? Es gibt CDs (die drei Tenöre), Säbelrassler (die drei Musketiere) oder ein Weinprojekt: Les Vins de Vienne. Wobei mit Vienne nicht die österreichische Hauptstadt gemeint ist, sondern das französsiche Vienne, das direkt an der Rhône liegt. Und zwar im nördlichsten Teil des Weinbaugebiets nördliche Rhône.

Hier und weit über die Landesgrenzen hinaus sind die drei Weinmacher Yves Cuilleron, Francois Villard (ein ehemaliger Chefkoch) und Pierre Gaillard Berühmtheiten. Ihnen schreibt man die Wiedererweckung der Weinregion Nordrhône in den 1980er-Jahren zu. 1996 begannen die Herren Land auf dem Hügel von Seyssuel am linken Ufer der Rhône aufzukaufen oder zu mieten, knapp nördlich von Vienne und nur 25 km von Lyon entfernt. Etwas weiter südlich und auf der anderen Seite des Flusses liegt die Appellation Côte-Rôtie mit ihren legendären Steilhängen.

Wie kam man auf Idee, sich in dieser Weinregion zu engagieren, die seit der Reblauskatastrophe Ende des 19. Jahrhunderts im Koma lag, und hier Hänge zu rekultivieren?

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Was passiert, wenn sich drei Superstars zusammentun? Es gibt CDs (die drei Tenöre), Säbelrassler (die drei Musketiere) oder ein Weinprojekt: Les Vins de Vienne. Wobei mit Vienne nicht die österreichische Hauptstadt gemeint ist, sondern das französsiche Vienne, das direkt an der Rhône liegt. Und zwar im nördlichsten Teil des Weinbaugebiets nördliche Rhône.

Hier und weit über die Landesgrenzen hinaus sind die drei Weinmacher Yves Cuilleron, Francois Villard (ein ehemaliger Chefkoch) und Pierre Gaillard Berühmtheiten. Ihnen schreibt man die Wiedererweckung der Weinregion Nordrhône in den 1980er-Jahren zu. 1996 begannen die Herren Land auf dem Hügel von Seyssuel am linken Ufer der Rhône aufzukaufen oder zu mieten, knapp nördlich von Vienne und nur 25 km von Lyon entfernt. Etwas weiter südlich und auf der anderen Seite des Flusses liegt die Appellation Côte-Rôtie mit ihren legendären Steilhängen.

Wie kam man auf Idee, sich in dieser Weinregion zu engagieren, die seit der Reblauskatastrophe Ende des 19. Jahrhunderts im Koma lag, und hier Hänge zu rekultivieren?

Stephane Orgier, ein anderer Winzer, der mit Weinen aus der Region von sich reden macht, sagt: Auf diesen Hängen gibt es etwas ganz Besonderes. Die aromatischen Ausdrücke; Die Tanninstruktur – es gibt mehr Komplexität und Finesse als man zum Beispiel in St. Joseph findet.

Pierre Gaillard hatte in alten römischen Schriften entdeckt, dass von den Hängen Seyssuels bereits in der Antike hochgelobte Weine kamen. Er buddelte sich durch das dortige Terroir und fand Gegebenheiten vor, die mit denen der Côte Rotie vergleichbar sind. Heute wachsen auf den Schieferböden von Seyssuel wirklich bemerkenswerte Weine.

Ich wollte unbedingt eine Flasche von dort probieren und ließ mir die Weißweincuvée Reméage Blanc aus den Sorten Viognier (42%), Chardonnay(42%) und Grenache Blanc (16%) an Bord kommen. Das ist einfacher Vin de France. Früher sagt man dazu Vin de Table, also Tafelwein. Das markiert die unterste Qualitätsstufe. Auf so etwas lässt sich der Captain ein? Ja. Denn das hat hier (und zunehmend auch in Deutschland) bisweilen gar nichts zu bedeuten. Manche Winzer wollen sich einfach nicht den strengen Vorschriften der Klassifizierungs-Bürokratie unterwerfen und pfeifen darauf. Ein gutes Beispiel ist der ehemalige Werkzeugmacher Dirk Brenneisen, der 2000 auf Wein umsattelte und heute im Markgräferland umwerfende Weine keltert, die keine amtliche Prüfnummer tragen, weil der Winzer sich nicht von bürokratischen Regeln und praxisfernen Bestimmungen gängeln lassen will.

Zurück an die Rhône. Auch rebsortentechnisch ist Reméage Blanc ein ungewöhnlicher Wein. Und zwar wegen des Chardonnay. Der kommt hier nämlich nicht so häufig vor. Aber egal, die Wahrheit schwimmt im Glas. Wie immer. Schmeckt der Wein oder schmeckt er nicht? In der Nase gibt er sich verhalten. Das ist typisch für alle drei Rebsorten. Da sind zarte Noten von Ananas, Kamille, Zitrusfrucht und einem Strauß Margeriten. Im Mund zwar auch nicht sehr ausdrucksstark, aber dafür außerordentlich feingliedrig und mineralisch. Ein dezent gerahmtes William Turner-Aquarell zum Austrinken. Gelbes Steinobst, Mirabelle und (auch typisch für alle drei Rebsorten) ganz dezente Säure. Wow, hat der eine feine und komplexe Struktur. Am Gaumen bleibt etwas Honig haften und seine schöne Länge streckt den Genuss.

Obacht, der Wein öffnet sich etwas langsam. Man sollte ihm mindestens 10 Minuten an der Luft geben.

Wunderbare weiße Rhône

Es ist kein lauter Wein, der mit festen Schritten auf dich zukommt. Viel mehr ein wohlerzogener Eintänzer auf weichen Sohlen. Und eine schöne Verbindung zwischen Burgund (Chardonnay) und Rhône (Viognier und Grenache Blanc). Aber das Schönste ist sein Preis-Leistungs-Verhältnis. Einfach unglaublich. So viel Eleganz für so kleine Münze.

Essen? Ganz klar Kalbfleisch. In Lyon ist Kalbskopf eine Spezialität. Oder ein feines Vitello tonnato.

 


Datum: 19.1.2020
 

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