X
Newsletter
X
X
Login
Passwort vergessen?


Konto erstellen

Vinho Verde geht auch nobel

Hotel und Weingut: Reguengo de Melgaço
Kommentare
Ähnliche Weine
Ähnliche Artikel
Der Captain glaubt keiner PR, doch manchmal hat sie recht. Es gibt eleganten und charaktervollen Vinho Verde und hier ist der Beweis.
Anzeige

Portugal hat eine einzigartige Weinkultur auf rund 240.000 Hektar Rebfläche.

Damit schafft es dieses Land in die Top-10 der weltweit größten Weinbauländer. Tendenz fallend, wie fast überall in Europa. Das verheißt (Obacht!) Gutes.

Ein Umdenken hat stattgefunden, Qualität schlägt Quantität. Weniger, aber dafür besser. Das verinnerlichen die Winzer auch in Portugal. Doch was dieses Land zwischen Spanien und Atlantik von anderen europäischen Weinbaunationen unterscheidet, sind die unzähligen autochthonen (ursprünglichen) Rebsorten, Portugals einzigartiges Trademark. Aber dazu später mehr.

Die bekanntesten Weißweine Portugals stammen aus den Norden, dem Vinho Verde. Hier hat sich eine spezielle Kultur für Weißweine entwickelt. Weine, die unkompliziert und meist recht günstig sind, mit leichtem Alkoholgehalt und erfrischend spritzig. Ein Exportschlager, gerade in den Sommermonaten. In Massen werden sie in die USA, Brasilien und auch innerhalb Europas verkauft.

Im Vinho Verde ist der Weißwein zuhause. Der Superstar ist und bleibt ein leichter, junger, oft ziemlich harmloser Weißwein, der selten die 5 Euro-Marke knackt und gern als Sommerwein gezecht wird. Mit ihm hat diese Region Vinho Verde ein unverrückbares Image zementiert. Dieses Image ist gleichzeitig auch ein Imageproblem.

Dabei lohnt sich der Blick über den Glasrand, den nur wenige wagen. Was man dort findet, ist überraschend eigenständig. Monção e Melgaço, eine Unterregion des Vinho Verde, sticht da besonders hervor. Dort wird mit Vorliebe die portugiesische Sorte Alvarinho angebaut, meist reinsortig, was ihr oft gut bekommt. Und wir wissen ja – Portugal bietet ein Füllhorn an authochtonen Rebsorten, dass es nur so raucht. Alvarinho ist eine davon.

Der Name bezieht sich auf die angebliche Herkunft: „Die Weiße vom Rhein“, was aber durch neue wissenschaftliche Untersuchungen widerlegt worden ist. Man geht davon aus, dass er ein naher Verwandter der französischen Rebsorte Petit Manseng ist. In der Subregion Monção e Melgaço erinnert der Alvarinho eher an einen schlanken, sehr mineralischen Weißburgunder, dabei durchaus lagerfähig. Nix schlaffer Durstlöscherweißwein, sondern ein Wein mit Format.

Ein interessanter Alvarinho-Spezialist ist das Weingut Reguengo de Melgaço, nur wenige hundert Meter entfernt vom Grenzfluss Minho gelegen, mit Blick ins spanische Galizien. Das Weingut wurde zu einem Hotel mit Pool umgebaut.

Lange Zeit gehörte das Gut der portugiesischen Königsfamilie, doch das ist verdammt lang her. Ab 1999 belebte man die Marke Reguengo de Melgaço, baute das Weingut mitsamt einem Hotel wieder auf und fühlt sich seitdem dem Minimalismus verpflichtet. Lediglich ein Wein wird verarbeitet, auf ihn setzt man alles. In der Stillwein-Version und als schäumender Espumante.

Dieser Wein ist ein Spiegelbild des hier vorherrschenden Granitbodens.

Der lässt sich bis ins Glas zurückverfolgen, wie kleine kühle Steinchen, die man lutscht. Phantastisch! Schmeckt nach gelben zurückhaltenden Früchtchen, pikant. Dazu dezenter Tabak, feine steinige Mineralik. Schöne Tiefe, wunderbare Länge. Erstaunlich eigenständig und ausbalanciert, moderate Säure, nicht zu viel, nicht zu wenig. Mir macht das große Freude, vielleicht auch, weil ich diesen Wein dem Vinho Verde gar nicht zugetraut hatte. Der Preis geht und ist die Ausnahmeerfahrung durchaus wert.

Soll einer sagen, diese Region kann nur leichte Sommerweinchen, die lustig vor sich hin sprudeln. Stimmt nicht ganz. Reguengo de Melgaços Alvarinho ist der ernsthafte Gegenbeweis.

 


Datum: 4.10.2018