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Tinto Pesquera: Kaschmir zum Trinken

Holz vor der Hütte: Im berühmten Barrique-Keller von Pesquera.
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Der Captain hatte eine Kuscheldecke zum Trinken im Glas und möchte dir unbedingt davon erzählen.
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Kennst du das Duero-Tal? Nein, der Captain hat sich nicht verschrieben, er meint NICHT das Douro-Tal, Heimat der Portweintrauben. Im spanischen Duero-Tal liegt das Flussbett des Duero, der ab der Grenze zu Portugal Douro heißt. Der Duero entspringt weit nördlich von Madrid und durchfließt Nordspanien, bevor er zum portugiesischen Douro wird. Nördlich und südlich des Duero erstreckt sich das Anbaugebiet Ribera del Duero. Ribera heißt Ufer. Lange Zeit war hier nicht viel los. Die Bauern bauten Getreide und Rote Beete an. Wein gab es höchstens für den Eigenbedarf.

Dann kamen die weinverrückten 1980er-Jahre, Robert Parker, das spanische Weinwunder mit seinen Barriques, die viel Vanillenoten brachten, und der Aufstieg der Weinregion Ribera del Duero, an dem eine Handvoll Menschen mitwirkte, unter anderem geniale Weinmacher wie der Däne Peter Sisseck (Pingus), die Familie Alvarez (→ Único) und Agrar-Ingenieur Alejandro Fernández, der mit seiner Frau Esperanza Rivera 1972 in ihrer kleinen Geburtsstadt Pesquera de Duero eine alte Weinpresse aus dem 16. Jahrhundert erwarb und Wein auszubauen begann. 1985 adelt Robert Parker den Pesquera-Wein Janus, indem er ihn der Kategorie „bester Wein der Welt“ zuordnete und mit der Bordeaux-Legende → Pétrus verglich. Der Rest ist Geschichte. Ab 2019 leiten die vier Enkelinnen von Ajandro und Esperanza die Grupo Pesquera, zu der noch drei weitere Güter in anderen Regionen gehören.

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Único: der Einzigartige

Seit der Janus von Pesquera Kultwein ist, entstanden 200 neue Bodegas in der Ribera del Duero. Viele von ehrgeizigen Investoren aus dem Boden gestampft, die mit der Gegend und ihrer Geschichte nicht viel am Hut haben. Wie in der Rioja, die zwei Autostunden entfernt im Nordosten liegt, liefern alteingesessene Kleinbauern der Region Trauben zu. Wer diese Lieferanten sind und wo genau ihre Pflanzungen stehen, wird meist eifersüchtig geheim gehalten.

Was macht die Weine von dort so besonders? Die Bodenbeschaffenheit ist sehr unterschiedlich, sogar auf einem einzigen Weinberg kann es verschiedene Gesteinsformationen geben. Weißer Kalkstein dominiert, doch weiter unten liegt jede Menge Sand und Ton, der den Grund schwer macht. Es ist die Höhe des Terrains von 600 Metern, welche die Nächte kühl hält und den Reifeprozess der Tempranillo-Trauben (Cabernet Sauvignon, Garnacha, Merlot und Malbec sind auch erlaubt) manchmal bis in den November verlängert und in den Beerenschalen den Aufbau jener phenolischen Tiefe und Dichte ermöglicht, für die gute Ribera-Weine geschätzt werden. Abgesehen davon bietet die Gegend und ihr Klima noch einen großen Vorteil: In der frischen und trockenen Luft droht selten Fäulnis. Nur Frost im Frühling und gelegentlich im Herbst bilden eine Gefahr.

Wie lese ich ein spanisches Weinetikett?

Pesquera ist eine Marke, die für die Ribera del Duero steht. Von den günstigen Einstiegsweinen bis hin zum berühmten Janus. Der Captain klaubte sich einen relativ neuen Wein aus dem Mittelbau des Sortiments heraus, den butterweichen MXI Selección de Barricas aus 100% Tempranillo, der 14 Monate in amerikanischen Eichenholzfässern und weitere 6 Monate auf der Flasche reifte. Es ist der erste Wein des Hauses, den die vier jungen Enkelinnen der Gründer initiierten. Ganz dunkles Rubinrot im Glas. In der Nase viel ätherischer Duft nach Dörrpflaume, feuchtem Ackerboden, etwas Roh-Vanille, Mohnsamen. Im Mund saftig, fleischig und butterweich. Ein samtiger Gaumenschmeichler. Kein Wein, der fordert und neue Dimensionen erschließt, sondern einfach nur zum gedankenverlorenen Zurücklehnen auf hohem Niveau einlädt. Ich schmecke Pflaumenmus (Powidl), Kirschgelee, Bio-Kakaopulver (ohne Zuckerzusatz), eingelegte Rote Beete und etwas Kräuterbitter. Wein wie eine teure Kuscheldecke aus Kaschmir.

 

Datum: 20.9.2020
 

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