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Steiermark: wo der Riesling wächst

Fesch: Winzer Stefan Müller
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Das ist die Geschichte des reisenden Winzers Stefan Müller aus dem Südosten Österreichs, der beim Besuch eines Weltklasse-Weinguts in der Pfalz auf die Idee kam, bei sich zu Hause Ähnliches auszuprobieren.
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Weil der Captain im Reisestress steckt, bestreitet Rudi Knoll heute Programm – mit einer großartigen Riesling-Entdeckung aus einem Winkel der Weinwelt, wo man das nicht erwartet.

Wer ist Rudi? Wahrscheinlich der dienstälteste Weinjournalist Deutschlands. Rudolf Knoll (Jahrgang 1947) schrieb 56 Weinbücher, weitere sind in Arbeit. Der gebürtige Münchner war in den 1970er-Jahren Fußball-Reporter und wechselte dann ins Weinfach. Seit 1984 schreibt Knoll für das Weinmagazin Vinum und organsiert den Deutschen Rotweinpreis.

2012 machte sich Jungwinzer Stefan Müller aus dem nicht ganz unbekannten Traminer-Ort Klöch im steirischen Vulkanland auf den Weg in die Pfalz und hatte Gelegenheit, sich bei Bürklin-Wolf in Wachenheim – über 800 Kilometer fern der Heimat – durch das Sortiment zu kosten. Auch ein beachtlicher Riesling aus der Lage Forster Pechstein wurde eingeschenkt, der den Steirer staunen ließ.

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Nachdem eine gewisse Schockwirkung angesichts des Kaufpreises von 50 Euro überwunden war, erzählte jemand etwas über die Herkunft des Getränks. Als Müller erfuhr, dass der hohe Basalt-Anteil im Boden den Wein prägt, wurde er hellhörig. Denn diesen Untergrund gibt es auch in seiner Heimat, dem sogenannten Vulkanland (früher banal Südoststeiermark genannt). Wieso Vulkanland?

Namensgebend sind 40 erloschene Feuerspeier, welche die Topografie und Geologie des Gebietes prägen. Hier ist Riesling ein absoluter Exot, wie überhaupt in der ganzen Steiermark. Nur in der Region Sausal in der Südsteiermark, wo die Sorte auf Schiefer wächst, gelingt guter Riesling. So lautet die gängige Meinung.

Stefan beschloss ein Experiment zu wagen. Ein paar Riesling-Reben waren noch da, die der Vater übernommen hatte. Kollegen, die ihre Rieslingstöcke gerodet hatten, tippten sich an die Stirn, als er 2013 seinen ersten Jahrgang produzierte. 2015 erhielt Stefan Zugriff auf Pflanzen, die schon 30 bis 40 Jahre alt waren, was der Weinqualität hervorragend bekam.

Und wie schmeckt der Riesling Ried Seindl von Müller Klöch? Seine Stöcke stehen in einer Mischung aus Lehm und rötlichem Basaltverwitterungsgestein. Dieser Untergrund sorgt für ein brillantes, mineralisches Aroma mit etwas knackigem Granny Smith, Rhabarber, Weinbergpfirsich, Grapefruit und einem Hauch frisch gemähter Wiese. Auf der Zunge eindrucksvolle Fülle. Ich schmecke Schmelz von getrockneter Aprikose und jede Menge tropischer Früchte im Verbund mit zart-öliger Textur und einem herrlichen Frucht-Säure-Spiel (9g Zucker vs. 7,4g Säure), das von rassigen Elementen getrieben ist.

Er habe bei seiner Tour gelernt, dass Riesling nicht unbedingt knochentrocken sein muss, sondern natürliche Fruchtsüße ihm gut täte, lässt Stefan Müller wissen. Deshalb war er auch nicht traurig, dass sein Riesling während der spontanen Vergärung bei 9 Gramm Zucker pro Liter stecken blieb und dabei mit einer ordentlichen Säure (7,4 g/l) aufwarten kann.

Stefans Heimatgemeinde Klöch liegt am südlichsten Rand Österreichs. Zur Staatsgrenze sind es nur ein paar Kilometer. Der Weinort ist auch für den Abbau von Basalt bekannt, der für den Unterbau von Bahngleisen Verwendung findet.

Über lange Zeit war die ganze Region eine Art Hinterhof Österreichs. An zwei Seiten verlief der eiserne Vorhang. 1991 brach der sogenannte 10-Tage-Krieg aus, weil sich der slowenische Nachbar vom jugoslawischen Staatenbund lossagte. Serbische MIGs donnerten über steirische Bauernhöfe und drangen bis nach Graz in den österreichischen Luftraum ein. 2004 erfolgte die Aufnahme in die EU.

Der weinbauliche Aufbruch fand bereits etwas früher statt und hat mit dem Glykolskandal von 1985 zu tun. Alles, was süßlich schmeckte, war plötzlich verpönt.

Da kamen die Weine aus der Steiermark gerade recht. Das Terroir mit seinen diversen Böden und dem speziellen Klima spielte den jungen Winzern, die im konsequent trockenen Ausbau ihre Chance erkannten, in die Hände. Alpine Einflüsse treffen auf mediterrane Luftströme. Die Vegetationsperiode dauert lang. Ständiger Wind trocknet die Beeren und schützt sie vor Fäulnis. Vor allem Weine aus der Sorte Sauvignon Blanc lassen Weinkenner auf der ganzen Welt vor der südlichen Steiermark salutieren. Riesling war zwischen Weltkrieg II und Glykolskandal stärker verbreitet als heute und verschwand, als die Sorte ins Gerede kam.

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Ein Beitrag geteilt von Eruption Winzer (@eruptionwinzer)

Die Winzer der drei steirischen Anbaugebiete sind selbstbewusst und sehen sich als Speerspitze der Weinbaunation Österreich. Ähnlich wie in Deutschland pochen die Premiumerzeuger des Landes auf die Betonung der Herkunft. Ein Thema, dass durch brandneue Anpassungen im deutschen Weingesetz die Branche spaltet.

In Österreich ist man noch nicht so weit, aber es gibt kühne Vorstöße. Einer davon ist die Winzervereinigung ERUPTION, deren Chef Stefan Müller ist. Eine Handvoll Erzeuger verpasste sich selbst eine 6-stufige (!) Klassifikation, die durch die Vergabe von Punkten für bestimmte Kriterien definiert wird.

Eine Riede (Weinlage) die zum Beispiel nach Süden ausgerichtet ist, bringt 10 Punkte ein. Ein Osthang aber nur 5. Auch das Lebensalter der Rebstöcke und die Hangneigung werden berücksichtigt. Eine Steillage bringt maximale Punkte, weil der Boden karger und die Bewirtschaftung beschwerlicher ist. Und so weiter. Das ist Rebellion, die schmeckt.

 

Datum: 8.8.2021 (Update 9.8.2021)
 

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