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So macht man guten Glühwein

Heidi aus Schweden kippt Wodka in ihren Glühwein.
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Vergesst die Brühe vom Weihnachtsmarkt und macht euren Glühwein selber. Oder kauft guten Winzerglühwein.
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Der Winter mag seine Vorzüge haben. Und auch seine romantischen Seiten. Doch zu allererst ist der Winter kalt, grau und dunkel. Das muss man nicht haben. Gegen kalt, grau und dunkel hat sich rund um die Weihnachtsfeiertage eine Adventsmarkt-Industrie in Stellung gebracht, die uns das Bibbern im Trüben mit einem Bombardement aus Lebkuchen und Zuckerwatte vergessen machen will. Als Leitgetränk schüttet diese kriegerisch auftretende Bewegung literweise Punsch in die Leute. Oder Glühwein.

Glühwein – ist das überhaupt Wein?

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Der Winter mag seine Vorzüge haben. Und auch seine romantischen Seiten. Doch zu allererst ist der Winter kalt, grau und dunkel. Das muss man nicht haben. Gegen kalt, grau und dunkel hat sich rund um die Weihnachtsfeiertage eine Adventsmarkt-Industrie in Stellung gebracht, die uns das Bibbern im Trüben mit einem Bombardement aus Lebkuchen und Zuckerwatte vergessen machen will. Als Leitgetränk schüttet diese kriegerisch auftretende Bewegung literweise Punsch in die Leute. Oder Glühwein.

Glühwein – ist das überhaupt Wein?

Sicher nicht für einen Weinenthusiasten, der seine Rieslinge nach Regionen ordnet und der neuen Mineralität huldigt. Für alle, die gerne guten Wein trinken, ist Glühwein eine Weinparodie.

In Glühwein ist Wein drin, das stimmt. Doch Glühwein schmeckt nicht nach Wein. Glühwein schmeckt nach Gewürzen.

Glühwein soll auch gar nicht nach Wein schmecken, Glühwein soll an eine Küche erinnern, in der die Weihnachtsplätzchen im Ofen duften. Die Panscherei soll ein Wohlgefühl erzeugen und vor allem wärmen. Da hilft der Wein, denn Alkohol weitert die Adern und bringt mehr wärmendes Blut an die Hautoberfläche. Doch weil diese Wärme schnell wieder abgegeben wird, braucht man bald ein zweites Glas und dann ein drittes, ein viertes. Irgendwann hört man mit dem Zählen auf.

Kann Glühwein überhaupt gut sein? Natürlich. Vor allem dann, wenn man auf die vorgefertigten Gewürzmischungen aus der Aromaindustrie verzichtet. Diese erkennt man schon am penetranten Geruch, der von den Buden rüberweht. Aber wie macht man guten Glühwein? Und welchen Wein soll man nehmen? Ganz sicher keinen fetten, amerikanischen Chardonnay aus dem Barriquefass. Oder etwa einen besonders fruchtigen Sauvignon-Blanc aus Neuseeland, der noch dazu gewaltig nach Kräutern riecht. Sicher auch keinen Bordeaux oder ähnliche Weine mit besonderem Eigengeschmack.

Guter Glühwein braucht ordentlich gemachte, nicht gerade knochentrockene, etwas einsilbige Trinkweine. Beispielsweise einen jungen Zweigelt aus Deutschland oder Österreich, einen langweiligen aber kräftigen Dornfelder aus Württemberg, einen leichten Weißburgunder aus Baden oder Franken. Wichtig ist, die Weine müssen neutral schmecken und dürfen keine hohe Säure haben.

Als einzige mögliche Aromasorte geht der Gewürztraminer durch, denn seine Frucht kombiniert mit dem Endprodukt.

Den Wein wärme ich in einem Topf langsam auf maximal 80 Grad, denn rund um diese Temperaturgrenze beginnt der Alkohol zu verdampfen. Wer seinen Glühwein aufkocht, der hat gleich den schlimmsten Fehler hinter sich gebracht und sollte die Brühe in den Ausguss kippen. Ich werfe vor dem Erwärmen eine flache Hand Zucker in den Topf. Warum dann nicht gleich einen halbtrockenen Wein verwenden? Nun, die Fruchtsüße hat einen eigenen Charakter. Den kann man mögen oder nicht. Wer leidenschaftlich restsüße Weine trinkt, soll ruhig auch einen halbtrockenen Saft (keine Beerenauslese) zu Glühwein verkochen. Allen anderen empfehle ich zu zuckern. Und dabei nicht zu übertreiben.

Während der Wein warm wird und sich der Zucker in der Flüssigkeit löst, gebe ich Gewürznelken, Zimtstangen, Vanilleschoten, Kardamom, Sternanis und ein paar Zitronen- und Orangenschalen in den Topf. Und auch ein paar Fruchtstücke von der rosa Grapefruit, die dem Glühwein eine dezente bittere Note geben. Zum Schluß rühre ich auch noch etwas Orangenmarmelade in den Topf, das macht den Glühwein cremiger und molliger.

Die Flüssigkeit muss dann noch ausreichend ziehen, erst dann wärmt sie Herz und Glieder. Aber mit Wein im herkömmlichen Sinn hat das Getränk nun nichts mehr zu tun. Und wem das alle zu viel Arbeit ist, der bestellt einfach online.

 


Datum: 7.11.2019