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Saufignon Blanc von Holger Koch

Weinland ohne Winzer: Kaiserstuhl
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Der Captain trinkt den sinnlichen Saufwein eines Kultwinzers, der sich den Marketing-Gepflogenheiten seiner Branche weitgehend entzieht.
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Dein Captain veröffentlicht einen Artikel ohne Winzerfoto, das kommt selten vor. Denn Winzer sind im Zusammenhang mit einer Produktbesprechung ideale eyecatcher, welche die Bereitschaft zum Textkonsum bekanntlich erhöhen. Langweiliger Blödsinn lässt sich mit guten Fotos einfach besser verbreiten. Geniale Weinbeschreibungen erst recht. Nicht umsonst heißt die erfolgreichste Zeitungsgründung, die es in Europa je gab: BILD. Und was wären Facebook und Instagram ohne Fotos?

Wer etwas zu verkaufen hat, sollte für gutes Bildmaterial sorgen, sonst wird das nix. Das gilt auch für Winzer.

Wenn dann aber ein Winzer daherkommt, der sich dem Sog nach visuellem Beiwerk komplett entzieht, ist er entweder doof oder restlos von seinem Können überzeugt und geht mit wehender Flagge damit unter wie das Piratenschiff in jedem Asterix-Heft.

Oder er macht einfach ohne Fotos Karriere. Holger Koch aus dem Anbaugebiet Baden ist so einer. Kein Facebook-Profil, kein Insta-Account und eine dermaßen jämmerliche Website, dass man Mitleid empfindet.

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Vernünftige Holger-Koch-Bilder sind einfach nicht zu finden. Dafür aber Weine, vor denen Kenner niederknien. Koch lernte bei Canon la Gaffelière in St. Émilion und arbeitete für Franz Keller in Oberbergen, übernahm 1999 von den Eltern und feilt bis heute stur an der Qualität seiner Weine herum, die er aus rund 8 Hektar Rebland in Bickensohl holt, das zu Vogtsburg gehört.

Wärmer als hier wird es nirgends in Deutschland, aber das merkt man Holgers Weinen nicht an. Seine Rotweinklone holte er aus Frankreich, weil ihm die zur Süße neigende Genetik deutscher Spätburgunder nicht gefiel. Die Bio-Zertifizierung seines Betriebs gab er 2015 auf.

Warum das? Üblicherweise machen Winzer dafür den Buckel krumm, weil sich Weine mit dem Siegel einfach besser verkaufen. Wegen der Bürokratie, die mit ihrem kranken Kontrollwahn jede Initiative auffrisst, heißt es. Kennt man ja und fragt sich, wie dieser Beamtenstaat nach Corona aussieht.

Jetzt aber zum Wein, der einen lustigen Namen trägt, den ihm ein Händler gab, der ebenfalls Holger heißt: Holger Schwarz betreibt in Berlin die Weinhandlung Viniculture, setzt dabei konsequent auf biodynamisch erzeugte Produkte und ist damit Kult.

Weingeschäft: Habt jetzt Mut!

Ach ja, der Wein heißt Sauvi-Sauvi von Holger Koch und man muss nicht lange nachdenken, aus welcher Rebsorte er gemacht wurde: Sauvignon Blanc. Im Glas helles Gelb mit zartem Nebel. In der Nase ein kleiner Stinker nach Kompost – so ist Naturwein manchmal. Dann frische Noten nach Zitronencreme, eine Scheibe Weißbrot, zerriebenes Minzblatt, Nimm2-Zitronenbonbon, ein Hauch Vanille. Rrrasante Säure erzeugt Spannung am Gaumen. Im Mund stoffig, saftig und knochentrocken mit cremiger Textur. Ich schmecke Grapefruit mit zitrigen Gerbstoffen, Apfel und grünen Spargel. Ganz hinten die zartbittere Illusion eines Tropfens Steevia-Süße. Herrlicher Wein zum Entspannen auf elegantem Niveau.

Sauvi-Sauvi klingt nach Saufi-Saufi. Ist zwar falsch, trifft den Charakter des Weins aber trotzdem ganz gut. 2x Sauvi heißt, dass der Wein im Verhältnis 50:50 aus zwei unterschiedlich ausgebauten Partien besteht. Eine davon mit mehr Hefe und die andere mit weniger. Das Ergebnis ist ein saufiger Biodyn-Weißwein mit großartiger Substanz und Trinkigkeit, der mir sehr gut gefiel.

Was macht Hefe im Wein? Den emsigen Mikropilzen haben wir zu verdanken, dass aus dem Saft reifer Trauben Wein entsteht. Denn sie wandeln den Zucker des Mostes in Alkohol um, ein Prozess, den man Gärung nennt. Was passiert, wenn man Hefe etwas länger im Wein belässt? Hefen leben für eine ganze Weile weiter und können unter bestimmten Bedingungen ihre Arbeit wieder aufnehmen. Deshalb muss ihre Zahl stark reduziert werden, wenn man eine gewisse Restsüße und fruchtigen Charakter wünscht. Neben der Sedimentation wird durch Filtration die Keimzahl (Zahl der Hefezellen) erheblich reduziert. Wenn das ausreichend geschieht, ist der Wein stabil und gewinnt an stofflicher Dichte und Cremigkeit. Wenn Hefezellen in großer Zahl im Wein verbleiben, beginnen sie nach längerer Zeit zu sterben. Aus der Zellsubstanz werden dann Stoffe freigesetzt, die man besonders bei Champagner schätzt und den entstehenden Geschmack als Brioche-Note bezeichnet. Bei frisch-fruchtigen Weinen versucht man diesen Effekt zu vermeiden.

 

Datum: 25.4.2021 (Update 4.5.2021)
 

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