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Rosé für Antinoris Tochter

Sophia und Ludovico Antinori.
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Der Captain berichtet über den elegantesten Rosé, den er je getrunken hat. Leider ist die Flasche furchtbar kitschig. Er stammt von einem der genialen Weinbrüder Antinori und ist das vinophile Küsschen eines Vaters.
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Der Captain trinkt sich in Italien-Stimmung, denn in Kürze geht die Reise wieder mal gen Süden, wo viele neue Weine warten. Die Italiener sind ja Weltmeister der Krisenbewältigung, mein Artikel → über die Weinfamilie Endrizzi und ihren neuen Supertoskaner singt ein Lied davon.

Supertoskanisch ist auch ein Rosé aus den Rebsorten Syrah und Cabernet Franc von der Küste der Maremma, wo sich diese Immigranten-Trauben pudelwohl fühlen und zur Höchstform auflaufen. Besser als Sangiovese, der hier eigentlich das Hausrecht hat. Es ist eine Kreation von Winzergenie Ludovico Antinori für seine junge Tochter Sophia (SOF). Siehe Bild oben.

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Ludovico ist Bruder des ebenso genialen Piero Antinori, Erfinder des Tignanello und vieler anderer weltberühmter Weine, mit dem er sich eigentlich zerstritten hatte. Trotzdem stampften die beiden 2004 bei Bibbona die Tenuta di Biserno aus dem Boden (wo mein Rosé herkommt), nachdem Ludovico seine Tenuta dell’Ornellaia an die Mondavi-Gruppe verscherbelte, die vom Getränkekonzern Constellation Brands geschluckt wurde, der das Weingut wiederum an die Frescobaldis weiterreichte. Da soll einer noch die Übersicht behalten. Im Weinmarkt geht es bisweilen zu wie bei „Dynasty“, falls du diese alte Serie noch kennst.

Kitschig wie die Kulissen von „Dallas“ ist auch die Flasche des SOF Toscana Rosé, die wie eine antiken Vase wirkt oder der Versuch, eine antike Vase zu imitieren. Merkwürdig, denn der Inhalt ist alles andere als kitschig. Ganz im Gegenteil. Dieser Rosé ist wahrscheinlich der eleganteste Wein dieser Farbklasse, den ich je getrunken habe. Ehrlich gesagt fast ein bisschen zu elegant für einen Rosé, denn so viel Noblesse will man vielleicht gar nicht im Glas, wenn die Geschmacksampel auf Rosa schaltet. Es ist eine rosa Cuvée aus 50% Syrah- und 50% Cabernet-Franc-Trauben, die in Bibbona/ Maremma nahe der Küste im Supertoskaner-Gebiet bei Bolgheri auf lehmigem Boden mit etwas Ton gedeihen. Und so schmeckte er mir: Lustig plätschert er aus einer etwas merkwürdig geformten Flasche mit einem Hals, der sich nach oben verbreitet wie eine antike Vase. Im Glas wunderschönes Lachsrosa nach provencalischer Art. In der Nase schmelzig nach Erdbeer-Baiser, Vanillecréme, Fliederbusch und Roter Johannisbeere. Im Mund zauberhaft weich und bei milder Säure konsequent trocken (1,5 Gramm Restzucker), dezent-fruchtig nach Apfel, Pampelmuse und Erdbeereis. Ein Wein, der sehr sorgfältig gemacht wurde und genauso schmeckt. Es handelt sich auf jeden Fall um einen bemerkenswerten Wein, den man einmal probiert haben sollte, um zu wissen, was weintechnisch möglich ist.

Der Begriff Supertoskaner wurde wahrscheinlich von Robert Parker erfunden, der nach einem populären Namen für diesen völlig neuen Weinstil suchte, dessen Entwicklung bereits kurz nach Kriegsende begann, aber erst Ende der 1970er-Jahre in Fahrt kam. Damals sehnte sich ein gewisser Adeliger namens Mario Incisa della Rocchetta nach Weinen aus dem Bordelais und beschloss für den privaten Genuss Cabernet Franc anzupflanzen, was relativ lange unbemerkt blieb, bis ein Neffe des Weges kam: Piero Antinori, der mit seinem Önologen Giacomo Tachis im Schlepptau die Verfeinerung des Onkelweins übernahm und die Rebsorte Cabernet Sauvignon hinzufügte. Es war die Geburt des Sassicaia. Zu jener Zeit entwickelte Antinori noch einen anderen Wein , der ebenfalls zu Weltruhm kam: Tignanello, anfangs aus 100% Sangiovese ohne den damals für Chianti Classico vorgeschriebenen Weißweinanteil. Ab Mitte der 1970er-Jahre lautete dann die Formel so: 80% Sangiovese, 15% Cabernet Sauvignon und 5% Cabernet Franc. Wegen der Gesetzgebung durften diese Getränke nur als einfache Tafelweine bezeichnet werden, was der Sache eine ironische Komponente verlieh, denn relativ schnell kletterten die Preise (getrieben durch amerikanische Fans) für diese „Bauernweine“ in astronomische Höhen. Der Erfolg von Sassicaia und Tignanello inspirierte andere Winzer, ebenfalls Weine mit oder aus internationalen Rebsorten zu lancieren. Das Kalkül ging auf und belohnte die Mutigen mit großem Ruhm. Zum Beispiel Tenuta dell’Ornellaia, Tua Rita und Le Macchiole. Jeder der genannten Betriebe hat (neben anderen Weinen) auch einen reinsortigen Merlot im Programm. Der von Ornellaia heißt Masseto und kostet 800 Euro. Zusammengefasst: Supertoskaner sind Weine aus typischen Bordeauxrebsorten, aber auch Syrah und inzwischen sogar reinsortig ausgebautem Sangiovese. Allen gemeinsam ist eine starke Struktur und große Vollmundigkeit.

 

Datum: 8.9.2020
 

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