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Roccapesta: Das Ohr trinkt mit

Önologin Ginevra Espositi.
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Der Captain lauscht der Stimme einer Weinmacherin in der Toskana und hat plötzlich das Ohr voller Sangiovese.
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Schau auf das Bild oben. Du blickst in die Augen von Ginevra Espositi. Sie ist die Chef-Önologin auf dem Weingut Roccapesta in der Maremma im Südwesten der Toskana, wo mein Wein für diesen Artikel herkommt.

Ginevra hat einen Abschluss in Weinbau und Önologie der Universität Lazio und freut sich immer, ihr Wissen mit Besuchern zu teilen. Wenn du der Meinung bist, es sei ein Vergnügen, diesen schönen Weinmenschen zu betrachten, hast du noch nicht hingehört. Ja, richtig gelesen. Hier kannst du Ginevras Stimme lauschen:

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Ginevra spricht italienisch. Es ist aber völlig egal, ob du irgendwas verstehst. Wenn man über das Erscheinungsbild von Wein spricht, heißt es oft: Das Auge trinkt mit. Hier sagt der Captain: Das Ohr trinkt mit. Wer hier ungerührt bleibt, hat ein Gemüt aus Eisen.

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Ich will ja nicht ablenken vom Wein, aber das musste einfach raus. Jetzt zum köstlich-saftigen Ribeo Morellino di Scansano von Roccapesta, dem Arbeitsplatz von Ginevra.

Das Weingut wurde Anfang der 2000er-Jahre von einem Mailänder Geschäftsmann namens Alberto Tanzini gegründet, der sein altes Leben hinter sich lassen wollte. Typisch Maremma-Einwanderer. Hier kann man sich Weinland wenigstens noch leisten. Ein paar Kilometer weiter nördlich geht das nur noch, wenn man Milliardär ist.

Alberto entdeckte auf seinem neu akquirierten Boden eine Menge alter Reben, ließ aber auch neue Stöcke pflanzen und in der Folge biodynamisch bearbeiten. Es dauerte eine Weile, bis die geeigneten Klone für das heiße Klima der Maremma gefunden waren. Das ehemalige Sumpfgebiet wartet mit sehr diversen Böden auf. Innerhalb weniger Hektar stößt man auf Sand, Ton, Kalkstein, Sandstein und Tuff. Das weinmacherisch in den Griff zu kriegen, ohne für jeden Flecken ein eigenes Fass aufzumachen, ist ein anspruchsvoller Job.

Seltenere Rebsorten wie Alicante Bouschet und Ciliegiolo dienen Weinmacherin Ginevra für den Feinschliff der Getränke. Ich glaube, ihre Cuvéetierung ist das Geheimnis meines Abend-Morellinos, der nicht ganz typisch wirkt, weil er zu differenziert für seine Gattung rüberkommt. Der glaubt wohl, er ist was Besseres: Im Glas mittleres Rubinrot, dabei durchscheinend wie deutscher Spätburgunder. In der Nase viel Rote Johannisbeere und zerquetschte Hagebutte, Heidelbeerjoghurt. Im Mund kräutrige Bitternoten wie bei Averner. Dann intensive Kirschnoten, roter Pfeffer, Bio-Kakaopulver und Müsli-Riegel mit Johannisbeeren. Saftig-konzentrierter Rotwein mit lebendiger Säure und wenig Alkohol (13,5% Vol.) bei sehr viel Geschmack.

Das ist moderner und brachial-schöner Bio-Rotwein aus 93% Sangiovese und 7% Alicante Bouschet, der 18 Monate reifte – zuerst im Betontank, dann auf der Flasche.Auf jeden Fall hatte ich schon lange nicht mehr so schönen Bauernwein hinter den Zähnen. Ich würde ihn vor dem Genuss ein wenig kühlen.

 

Datum: 29.5.2021
 

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