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Edles Kalifornien

Weinlese 2016 auf Ridge.
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Das Weingut Ridge über dem Silicon Valley gehört zu den besten Adressen Kaliforniens. Der Captain hat was von dort probiert.
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Einen fetten, alkoholreichen und in Holz gebadeten Wein kann man heute – mit dieser Beschreibung – schwer an den Mann bringen. Solche Weine gelten als pöbelhaft und wenig elegant. Nur Männer wie Carsten Maschmeyer haben die Eier öffentlich zuzugeben, dass sie solche Tropfen mögen.

Und dennoch, alle meine Wein trinkenden Freunde lieben alkoholstarke, extraktreiche und vom Toasting der Barriques gezeichnete Tropfen. So sehr sie der Predigt vom schlanken Wein lauschen, so sehr drängt es sie, wieder einmal einen „richtigen Hammerwein“ aufzumachen.

Es gibt aber auch Weine dazwischen. Männliche Weine (was auch immer das heißt), zupackende Weine, Weine mit Schmackes. Und trotzdem getragen von einer gewissen Eleganz. Weine wie Sean Connerys Bond.

Deshalb erzähle ich euch heute von einem Wein, der so gänzlich anders ist als vieles, das unter dem Label „Männerwein“ herumgereicht wird. Kräftig und trotzdem komplex. Sein Wert liegt im Terroir als prägendes Merkmal.

Paul Draper (Foto) heißt der Mann, der den Ridge Cabernet Sauvignon erfunden hat. Inzwischen ist Draper (Jahrgang 1936) in Rente. 45 Jahre war er der leitende Winemaker in den Ridge Vineyards.

Paul Draper_Ridge Vineyards

Das Weingut Ridge liegt hoch in den Santa Cruz-Bergen über dem Silicon Valley südlich von San Francisco.

Prägend für den Ridge-Stil ist der Kalksteinfelsen des Monte Bello. Etwas weniger als 100.000 Flaschen werde hier jährlich produziert. Der bekannte Erstwein des Hauses heißt Monte Bello (Cabernet Sauvignon, Merlot, Petit Verdot). Beim berühmtesten Blind Tasting der Welt, dem Verdict of Paris im Jahr 1976, erzielte der Monte Bello 1971 den 5. Platz bei den Rotweinen. In Deutschland kostet eine Flasche von diesem Schätzchen um die 150 Euro.

Weil das ganz schön viel Geld ist, habe ich mich für’s erste mit dem Zweitwein von Ridge begnügt, dem Cabernet Sauvignon, der streng genommen kein Cabernet Sauvignon ist, sondern eine Cuvée mit Beigaben von Merlot, Petit Verdot und Cabernet Franc, die in der Menge je nach Jahrgang variieren.

Die junge Geschichte des Weinguts Ridge ist nicht minder interessant als seine Weine. Drei weinverliebte Wissenschaftler des Stanford Research Institute kauften 1959 auf Monte Bello ein paar Hektar Rebland und wollten, wie das bei Forschern so üblich ist, ohne Rücksicht auf Kosten und Nutzen den perfekten Wein herstellen.

Dafür engagierten sie 1969 Draper, der auf einer Farm bei Chicago aufwuchs, in Stanford Philosophie studierte und als Kellermeister in Chile arbeitete, wo er sich einen formidablen Ruf erwarb.

Drapers Fokus lag auf einem Weinstil, den er einmal als „präindustriell“ bezeichnete. Damit meinte er jene schlanken Weine, die in Europa, vor allem in Frankreich, vom 19. Jahrhundert bis in die 1960er-Jahre gekeltert wurden. Und in Kalifornien von den 1890ern bis in die späten 1930er-Jahre. Mit einer schmerzhaften Unterbrechung während der Prohibitionszeit 1920 bis 1933.

Und so grüßt zuerst in der Nase das episch eingesetzte Holz, obwohl es sich in Ridge oft nur um gebrauchte Fässer aus amerikanischer Eiche handelt. Im Glas edel schimmerndes Tiefrot. Es duftet nach Cassis und Minze, dann eine Tasse frisch gebrühter Mokka und Lorbeer.

Auf der Zunge rauchig und elegant, wie man es aus Kalifornien gar nicht erwartet. Von wegen Fruchtbombe, das hier ist ein besonderer Wein. Und trotzdem Kalifornien. Heißt: Kräftige aber seidige Statur, noble Kühle wie von einem chromfunkelnden Straßenkreuzer der 60er-Jahre, feine Aromen von roten Beeren und Gewürzkiste. Die 14 Volumenprozent Alkohol fallen kaum auf. Ich stelle mir vor, wie dieser Wein grandios gegen jede schwere Soße standhält, entscheide mich dann aber doch, ihn solo zu vernaschen und werde im Abgang von eine bittersüßen Nachhall belohnt.

 


Datum: 10.12.2018
 

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