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Rheingau-Sekt: Wir nageln alles!

Rheingau-Winzer Philipp Schumann.
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Feiern, wenn es nichts zu feiern gibt: Die Winzerbrüder David und Philipp Schumann lancieren einen neuen Luxussekt, der ein bisschen an Champagner erinnert. Aber nur ein bisschen. Und es gibt erstmal lediglich 400 Flaschen.
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„Wir nageln alles“, sagt Winzer Philipp Schumann vom Weingut Schumann-Nägler zum Captain und der lässt das natürlich nicht einfach so stehen.

Das wäre nämlich aus dem Zusammenhang gerissen (typisch Systemmedien!) und gemein. Andererseits: Marketing-Profi Philipp wäre selber schuld, wenn er jetzt Ärger bekommt, denn sowas sagt man nicht ohne Kalkül. Es sei denn man ist doof, was bei Philipp Schumann selbstverständlich nicht der Fall ist. Jedenfalls dachte der Captain sofort: Super Überschrift!

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Noch superer wäre allerdings, wenn Schumann-Nägler anders heißen würde. Zum Beispiel Schumann-Knall. Was würde Philipp dann sagen? Sorry, ich schweife ab.

Markenlogo bei Schumann-Nägler ist ein Nagel, der die Flaschenetiketten ziert. So einfach ist das. Seien wir froh, dass die Schumanns keinen Schuh genommen haben. Welchen Spruch würde Philipp dann wohl rauslassen?

Jetzt aber zum Thema: Wein. Warum schreibt der Captain über dieses Weingut, dessen Betreiber bereits in der 25. Generation (gähn) zu Werke sind? Hätte er mit diesem Artikel nicht 100 Jahre warten können?

Nein, hätte er nicht, denn es ist erst wenige Tage her, dass das Weingut einen brandneuen Luxussekt released (Marketingsprech) hat, den Supranova Rheingau Riesling Sekt Brut mit knapp 9 Gramm Dosage-Zucker und 12 Monate Hefeschlaf. Nur 400 Flaschen von diesem 20-Euro-Sekt gibt es erstmal.

Die Wahrheit über Sekt aus Deutschland

So etwas kommt ja nicht alle Tage vor und muss sofort verkostet und beschrieben werden. Die Weinwelt giert nach good news in diesen schlimmen Zeiten. Was dem Captain bei diesem Schäumer besonders auffiel, ist seine Creme, die wirklich von außergewöhnlicher Weichheit ist, sodass die Textur des Getränks sofort an guten Champagner erinnert.

Diesen Vergleich hört der Winzer natürlich gern, weshalb ich (sorry) gleich ein bisschen zurückrudern muss: Die Machart dieses sehr guten flaschenvergorenen Schaumweins ist natürlich lange nicht einem so strengen Regelwerk unterworfen wie in der Champagne. Ein Unterschied von vielen: Die Beeren für den Grundwein von diesem Sekt wurden nicht fraktioniert gepresst.

Was heißt das jetzt schon wieder, will uns der Captain auf die Nerven gehen? Fraktionierte Kelterung bedeutet, dass die Moste nach verschiedenen Druckstufen getrennt und separat verarbeitet bzw. hernach cuvéetiert werden. Eine komplizierte Sache, die euch der Captain gerne in groben Zügen erklärt:

Die Qualität eines Champagners hängt (neben Herkunft der Trauben) ganz wesentlich vom Vorgang der Traubenpressung (Kelterung) ab. Presse, Raum und Tanks sind genormt und werden vom CIVC (Comité interprofessionnel du vin de Champagne) und der INAO (Institut national des appellations d’origine) geprüft und abgenommen. Der aus den Trauben abgepresste Most wird getrennt gewonnen. So unterscheidet man zwischen cuvée, dem ersten Teil des abfließenden Mosts, und taille, dem späteren, bei höherem Druck gewonnenen Most. Nach mehreren Stunden des Ladens, Umschichtens und Leerens der Presse, erhält man so genau 2.050 Liter cuvée und 500 Liter taille pro 4.000 kg Trauben. Mehr ist nach der Produktionscharta der Champagne nicht erlaubt. Man kann noch weiter pressen, der übrige Most jedoch darf dann nicht zu Champagner verarbeitet werden.

Fraktionierte Kelterung hin oder her – die beiden Winzer (Kellermeister ist Philipps Bruder David) ließen bei der Herstellung dieses noblen Prickels viel Sorgfalt walten: strenge Ertragsreduktion im Weinberg, um die ganze Energie aus dem Zusammenspiel Sonne-Erde-Luft in wenigen Trauben zu konzentrieren, die aus der Lage Wisselbrunnen in Hattenheim kommen und von Hand gelesen wurden. Und so schmeckt der feine Stoff: Im Glas sehr hell und durchsichtig. Zartes Perlenspiel. In der Nase ungemein würzig nach dampfendem Brioche (12 Monate Hefelager), Kräuterbüschel, Kalkwand. Dann Pink Grapefruit & Lemon Marmalade von Harrods und eine aufgerissene Bananenschale. Im Mund kräutrig und saftig. Die Perlage prickelt frisch. Ich schmecke Apfel, Pfirsich, Mandarine – bei gleichzeitiger Trockenheit. Ja, die Frucht bleibt im Hintergrund, vorne gähnt Kargheit, garniert von Würze, Bitternoten und Salz. Diese Kombination ist spannend wie Feuer und Eis. Die Dosage-Süße (knapp 9 Gramm/ Liter) verpasst diesem Schäumer Rundungen, die ihm stehen.

Fast hätte ich noch was vergessen: Ganz neu sind die Schumanns nicht im Prickel-Business. Für den Industriesekt Fürst von Metternich (gehört zu Henkell Freixenet bzw. dem Oetker-Konzern) liefern sie schon seit rund 20 Jahren Traubenmaterial ab.

 


Datum: 15.5.2020
 

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