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Pfalz: trink was Reines!

Christine Bernhard, Bio-Winzerin im Zellertal.
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Entdeckung: Der Captain trinkt Bio-Weißwein aus der Pfalz, der aus den gemeinsam vergorenen Rebsorten Riesling und Gewürztraminer hergestellt wurde. Ein Paradies im Mund!
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Der Captain kommt von Terminen in Berlin-Mitte mit dem öffentlichen Nahverkehr nach Charlottenburg zurück und behält nach dem Ausstieg seinen Mundschutz vorm Gesicht, bis seine pittoresken Mitbürger, die unter den S-Bahnbögen der Station Savignyplatz hausen, außer Gröl- und Riechweite sind, und er unbehindert nach Hause streben kann. Der geniale Peter Fox singt in → Schwarz zu Blau:

Und überall liegt Scheiße, man muss eigentlich schweben
Jeder hat ’nen Hund, aber keinen zum Reden
Ich atme ständig durch den Mund, das ist Teil meines Lebens
Ich fühl mich ungesund, brauch was reines dagegen, ah

Dann ist der Moment, wenn der Captain froh ist, dass es deutsche Weine gibt, die von blühenden Landschaften künden, Rebstockidyllen, braven Menschen, die einem sinnvollen Tagwerk nachgehen und am Abend (wenn der Captain seinen Newsletter in die Tasten haut) bei einem Leberwurstbrot zusammenrücken, um das Weltgeschehen zu ordnen, während der Hofhund unterm Tisch einen Biokalbsknochen zerkaut.

Das alles holt sich der Captain ins Glas, jawohl, weil es einfach stimmt. Man blicke mal in den Park, der zum Bio-Weingut Janson Bernhard im Zellertal (Nordpfalz) gehört, wo meine Weinempfehlung herkommt:

Von hier (nicht konkret, sondern von Rebstöcken in der Nähe) kommt der gar köstliche Tropfen, den ich heute für dich ausgewählt habe. Und er kostet nicht mal viel. Eigentlich nichts für das, was er kann. Der Riesling & Gewürztraminer Zeller Schwarzer Herrgott 2019 für weit weniger als 10 Euro wurde im sogenannten Mischsatz an- und ausgebaut, klärt Winzerin Christine Bernhard (siehe Bild oben) in poetischer Wortwahl auf: Der hat hier eine lange Tradition. In der Südpfalz kam oft noch der Silvaner hinzu. Eine echte Zellertaler Marriage, weil sie sich durch die gemeinsame Gärung so inniglich verbindet. Ursprünglich im Verhältnis 60:40 gesetzt, schwanken seine Anteile jährlich. Die Spontanvergärung bleibt auch mal im feinherben Bereich stecken. Das ist für uns jedes Jahr eine Überraschung. Freestyle eben. 2019 hielt sich der Riesling vornehm zurück, dafür übernahm die Gewürztraminerrebe das Bouquet. Er hat eine leicht scharfe Ingwernote, die nicht jedes Jahr so schmeckbar ist und gärte voll durch, ist also wieder einmal trocken. Dem kann der Captain nichts hinzufügen, außer seinen eigenen Verkostungsbericht: Im Glas sattes Gelb wie ein Burgunder. Aber weit gefehlt. Diese Cuvée aus den sehr gegensätzlichen Rebsorten Riesling und Gewürztraminer riecht nach Aprikose, etwas Tafeltraube, dem Kerngehäuse eines Apfels, kalter Asche und der Haut von Grapefruitspalten. Im Mund irre saftig, maulfüllend gelbfruchtig und ein bisschen pikant nach weißem Pfeffer. Ich schmecke gelben Apfel, Mandarine, Grapefruit. Sehr gut gegeneinander ausbalanciert und mild, dabei einigermaßen gewichtig. Nichts dominiert, obwohl die Mischung ein bisschen schräg klingt. Ein interessanter Wein, der mir gefällt. Im Abgang nochmal viel Wumms am Gaumen.

 


Datum: 17.6.2020
 

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