X
Newsletter
X
X
Login
Passwort vergessen?


Konto erstellen

Pellegrino und die Brandung

Was heißt Zibibbo? Steht im Text.
Kommentare
Ähnliche Weine
Ähnliche Artikel
Der Captain trank einen würzig-erfrischenden Weißwein, dessen Trauben auf einer kleinen Insel zwischen Sizilien und Afrika gelesen werden, und fühlte danach das Meer zwischen den Zähnen rauschen.
Anzeige

La Famiglia – in keiner anderen Kultur des europäischen Raumes wird die soziale Einheit namens „Familie“ so gerne beschworen und zelebriert wie in Italien. Das ziehen die durch bis auch der letzte Tropfen Herzblut rausgequetscht ist. Die Familie taugt als Werbesujet für viele Branchen und Marken, vom global agierenden Unternehmen Dolce&Gabbana (die Gründer verfügen über keine gemeinsame Kernfamilie, weil schwul) bis hin zu Hunderten mittelständischen Weinproduzenten, die für den Fotografen alles auffahren, was irgendwie gucken kann. Vom Säugling bis zur schrumpeligen Urgroßmutter.

Da macht die Familie Pellegrino aus Marsala (an der westlichen Spitze Siziliens gelegen) keine Ausnahme:

Newsletter schon abonniert?

Weiterlesen geht nur mit News­letter-Abo. Hier abonnieren:

Schon angemeldet? Dann hier bitte E-Mail-Adresse eingeben:

Weiterlesen

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

Una grande famiglia da 140 anni #cantinepellegrino #giornatainternazionaledellafamiglia

Ein Beitrag geteilt von Cantine Pellegrino (@cantinepellegrino) am

Bitte die Pellegrinos nicht verwechseln mit dem Mineralwasser aus der San-Pellegrino-Quelle in Bergamo, die der teuflischen Nestlé-Organisation (weltweite Ausbeutung von Wasser-Ressourcen, Palmöl, Babynahrung und Tierversuche) zugehört.

Seit exakt 140 Jahren keltern die Pellegrinos Wein und gehören zu jenen Winzern, die den Niedergang des berühmten Marsala von der geschätzten Süßweindelikatesse zum schnöden Kochwein überlebten, indem sie rechtzeitig umsteuerten und ihren Schwerpunkt auf trockenen Ausbau setzten. Die → Familie Rallo (Donnafugata) gehört auch dazu.

Ein Standbein von Pellegrino sind Zibibbo-Pflanzungen auf der kleinen Insel Pantelleria, die genau zwischen Sizilien und Tunesien liegt. Der Captain war schon zweimal dort, aß und trank vorzüglich und sah sich den lokalen Weinbau an, zu dem ansässige Traubenbauern das ihre beitragen. Die niedrigen Buschreben (alles andere würde der ständig wehende Starkwind sofort mit sich reißen) ergeben aufregende Weine, sowohl in süß als auch trocken. Woanders heißt die Sorte Muscat d’Alexandrie und wächst überall, wo es heiß und trocken ist: Griechenland, Spanien, Portugal, Kanarische Inseln, Bolivien, Südafrika, Australien etc. Sie ist uralt und war bereits in der Antike beliebt. Angeblich auch bei Ägyptens Königin Kleopatra.

Die Reise nach Pantelleria wird von der EU gefördert, weshalb die Flugtickets dorthin spottbillig sind, denn die Wirtschaft braucht Wumms. Der ehemals florierende Export von Tafeltrauben wurde durch die Züchtung kernloser Sorten komplett vernichtet, dann kam die Anti-Süßwein-Welle, die noch immer nicht abgeebbt ist. Ein Jammer. Aber das alles darf kein Grund sein, um Wein zu trinken und Hirnzellen zu zerstören. WEIN MUSS SCHMECKEN.

Genau so einer ist der würzig-salzige Isesi Pantelleria Bianco von Pellegrino. Ein köstlich-erfrischender Tropfen, der mich an die jodigen Sprühnebel der Brandung von Pantelleria erinnert und sofort mein Bedürfnis nach weißem Fischfleisch weckt. Goldgelb im Glas, sieht aus wie Süßwein und riecht auch so: betörend nach weißen Blüten und Honigwabe. So sinnlich-floral, dass man schon die Bienen summen hört. Dann Orange, kalter grüner Tee, Salbei, eine Kalkwand. Im Mund die Überraschung: kompromisslos trockene Würze. Ich schmecke Tafeltrauben ohne jede Süße (logisch, die Sorte gehört zur Familie der Muskateller), Grapefruit, weißen Pfeffer. Dann der zweite Schluck: zerlaufenes Mandeleis, Aprikose, noch mehr Grapefruit, Gurkensaft, zartbitterer Artischockenboden. Was für ein herb-schöner Wein, der laut nach weißem Fisch schreit. Oder einer herzhaften Pasta mit Muscheln. Im Abgang Salbei und Salz.

 

Datum: 22.9.2020