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Orange Wine: zwischen Sherry und Champagner

Muchada (rechts) und Léclapart
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Der Captain trinkt eleganten weißen Naturwein aus dem Sherry-Land, den ein Architekt gemeinsam mit einem befreundeten Champagnerwinzer erfand.
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Der Captain hat wieder einmal Naturwein im Glas, manchmal auch Orange Wine genannt, wenn er orange aussieht (logisch) und bei der Zubereitung ein paar Riten, die zur biodynamischen Landwirtschaft gehören, eingehalten werden, über die sich manche fürchterlich aufregen.

Jedesmal, wenn der Captain Naturwein abfeiert, weil er gut schmeckt (und nur das zählt), bekommt er mindestens eine böse E-Mail.

Naturwein polarisiert. Aber nicht nur in eine Richtung. Ich kenne Naturwein-Anhänger, die dermaßen aggressiv gegen Anderstrinkende auftreten, dass man am liebsten den psychosozialen Dienst alarmieren möchte. Einer davon lebt in München und verspritzt auf Facebook sein Gift.

Um beim Thema fester im Sattel zu sitzen, hat sich der Captain das Buch einer netten Bekannten besorgt. Die Sommelière Romana Echensperger MW (das heißt Master of Wine [müsste es nicht Mistress heißen?] und ist ein Titel, der nach einer irre schweren Prüfung verliehen wird, falls man die schafft) hat es geschrieben. Es trägt die etwas komplizierte Überschrift Von der Freiheit den richtigen Wein zu machen, liest sich aber sehr flüssig und liefert das, was Naturwein dringend braucht: Argumente.

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Nicht jeder versteht, warum sich Winzer nach Mondphasen richten, Kuhdung in Hörner stopfen und über den Winter vergraben, um den Inhalt im Frühling wieder auszubuddeln und als verdünnte Brühe im Weinberg zu verspritzen. Oder ihren Rebstöcken regelmäßig Tee servieren.

Zitat aus dem Buch: Landwirtschaft und Weinbau sind so komplex, dass Wissenschaftler sie in ihren Verästelungen alleine nicht überblicken können. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass die Methoden der Wissenschaft dafür bei Weitem nicht ausreichen. Die Ansätze der Biodynamie sollten daher als eine von vielen hilfreichen Ergänzungen zur Naturwissenschaft verstanden werden. Sie können dabei helfen, respektvoll mit dem vielen Nichtwissen umzugehen, das uns immer noch umgibt.

Schöne Überleitung zu meinem Abendwein namens Univers+ von Muchada-Léclapart, aus der andalusischen Sherry-Rebsorte Palomino, der den stichhaltigen Beweis liefert, dass Eleganz im Naturwein möglich ist: Im Glas zartes Orange mit leichter Trübung. In der Nase eine große Kanne Zitronentee, mürber gelber Apfel, Orangenschale, Rosinen-Brioche. Im Mund pflanzliche Bitternoten und wundersam-cremige Textur. Ich schmecke feinfruchtige Noten von grüner Banane, dann Mandarine, Sellerie, etwas weißen Pfeffer. Ich versuche, die Sensorik dieses Getränks zu visualisieren und komme auf ein weißes Damast-Tischtuch mit feinem Muster. Das ist sehr nobler Naturwein mit eleganter Struktur und dem gewissen Etwas für komplizierte Speisen – egal welcher Natur.

Muchada-Léclapart ist ein kleines Weinprojekt mit Sitz in Sanlúcar de Barrameda im andalusischen Sherry-Land.

Es ist eine Zusammenarbeit zwischen Alejandro Muchada und dem Champagner-Produzenten David Léclapart, einer der ganz wenigen Biodynamiker im Champagner-Gebiet.

Anders als in Jerez, wo es große Sherrywinzer mit vielen Hektar Rebland gibt, die maschinell bewirtschaftet werden, existieren in Sanlúcar viele kleine Parzellen mit alten Reben. Muchada-Léclapart besitzen drei Hektar, die sie biodynamisch bearbeiten.

Der Spanier Muchada war früher Architekt und lernte Léclapart kennen, als er bei der Weinlese half. Das war 2011. Beide begannen 2015 an ihrem andalusischen Projekt zu arbeiten.

Was ist das Wichtigste beim Natur-Weinbau. Alejandro Muchada: Die drei Grundprinzipien für gute Arbeit sind Sauberkeit, Sauberkeit und Sauberkeit, wenn man im Keller mit minimalem Schwefel arbeitet, in nichts eingreifen und saubere und knackige Weine erhalten will. Nichts darf auf morgen verschoben werden. Alles muss sofort nach Gebrauch gereinigt werden. Und auch die Reinigungsmethode ist streng: Druckwasser über 100 Grad. Keine Chemie. Das Einzige, was wir verwenden, ist Wasserstoffperoxid, das wir durch die Schläuche und die Pumpe zirkulieren lassen. Natronlauge und Zitronensäure sind in unserem Keller verboten. Das sind Produkte, die falsche Botschaften hinterlassen. Die Biodynamik glaubt an die Fähigkeit des Wassers, subtile Botschaften zu übermitteln und an die Noblesse bestimmter Materialien. Deshalb wird der Einsatz von gewissen Chemikalien vermieden, auch bei der Reinigung der Tanks. Die akribischsten Winzer entfernen sogar Chlor aus dem Leitungswasser, um ihre Tanks zu waschen.

 

Datum: 20.6.2021
 

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